Die Sieger kommen und gehen, Jens Weißflog bleibt. Zum Abschluß der 44. Nordischen Ski-Weltmeisterschaften in Thunder Bay bewies der 30 Jahre alte Oberwiesenthaler mit Bronze auf der Großschanze, daß er noch lange nicht zum alten Eisen gehört.Der Gewinn seiner 17. Medaille bei internationalen Meisterschaften dürfte den "Floh vom Fichtelberg" zudem dazu bewegen, ein weiteres Schanzen-Jahr dranzuhängen. Das Phänomen Weißflog zeigt sich an einem Beispiel: Als der neue Überraschungs-Weltmeister Tommy Ingebrigtsen (Norwegen) 1984 erstmals von einer Schanze sprang, war Weißflog schon Olympiasieger. Mehr als zehn Jahre Weltspitze, das hat selbst der große Matti Nykänen nicht geschafft. Zwischen Ingebrigtsen, der nach dem Junioren-Gold auch den Titel bei den Aktiven holte, und Weißflog plazierte sich beim Schneefallspringen Weltcupsieger Andreas Goldberger. Der Österreicher verfehlte auch im sechsten Anlauf einen großen Titel. Silber widmete "Goldie" seinem Auswahltrainer Heinz Koch, der bereits vor dem nur teilweise hochkarätigen Springen seinen Rücktritt verkündet hatte. Der Deutsche Skiverband (DSV) erreichte in Thunder Bay sein WM-Ziel. Silber durch die Springer-Mannschaft und Bronze für Weißflog auf der Großschanze entsprechen genau der Vorgabe. "Nicht nur deswegen war es das beste WM-Abschneiden seit der Vereinigung", kommentierte Sportwart Detlef Braun zufrieden die rund 40 000 Mark teure WM-Expedition. "Die Mannschaft hinterläßt einen positiven Gesamteindruck", sagte Braun und fügte an: "Sie war gut vorbereitet und bringt neben den zwei Plaketten auch noch eine Reihe weiterer guter Plazierungen im Langlauf und Springen nach Hause." Auf der Negativ-Seite steht der Ausschluß von Johann Mühlegg. Das größte deutsche Langlauf-Talent wiederholte in Kanada seine Spiritisten-Anschuldigungen gegen Bundestrainer Georg Zipfel und wurde deswegen zu Recht suspendiert. Danach versuchte der blonde Allgäuer vergeblich, seinen Start im 50-km-Rennen gestern mit juristischen Mitteln zu erzwingen.Der wahrscheinlich in die Hände einer Sekte geratene frühere Junioren-Weltmeister "schoß" gegen den DSV und die deutsche Presse. Als er dann um Gnade ersuchte, war die Tür schon zugeschlagen - auch bei seinen Teamkollegen, die sogar ein schlechteres Staffel-Abschneiden in Kauf nahmen. +++