18 Monate alter Junge in Lebensgefahr / Polizei ermittelt: Kleinkind stranguliert sich in Kita mit seiner Halskette

POTSDAM. Eine Bernstein-Halskette, die der Legende nach einem Kleinkind beim Zahnen helfen soll, hat einen 18 Monate alten Jungen aus Potsdam beinahe das Leben gekostet. Der kleine Magnus hatte sich auf dem Spielplatz seiner Kita in Potsdam-Babelsberg mit der Kette selbst stranguliert und dabei lebensgefährlich verletzt. Er liegt nun im Ernst-von-Bergmann-Klinikum im Koma. "Sein Gesundheitszustand ist Besorgnis erregend", sagte gestern die Potsdamer Sozialdezernentin Elona Müller. Der Vorfall ereignete sich bereits am vergangenen Montag in der Kita "Regenbogenland", die von der Diakonie betrieben wird.Magnus war an diesem Tag wieder mit der Bernsteinkette um den Hals in die Kita gebracht worden. "Die Erzieherinnen hatten seine Mutter schon früher darauf hingewiesen, die Kette doch besser abzunehmen", sagte Diakonie-Geschäftsführer Marcel Kankarowitsch der Berliner Zeitung. Die Frau habe aber darum gebeten, dass ihr Sohn die Bernsteinkette weiter tragen dürfe.Am Vormittag tollte der Junge dann mit 24 anderen Krippenkindern auf dem Spielplatz der Kita , einem 20 mal 30 Meter großen Areal, herum. "Dort steht auch ein Weiden-Iglu", so Kankarowitsch. In der von außen einsehbaren Hütte habe sich die Kette des Kindes an einem Ast verfangen. "Das hat dem Jungen die Luft abgeschnürt, er hat sich regelrecht stranguliert", sagte der Diakonie-Chef.Warum kein Erwachsener die Tragödie sofort bemerkte, ist unklar. Zum Zeitpunkt des Unglücks wurden die Kinder von fünf Erwachsenen - drei Erzieherinnen, eine Praktikantin und eine Ein-Euro-Kraft - beaufsichtigt. Die Frage soll nun die Kriminalpolizei klären. Sie ermittelt wegen des Verdachts der Vernachlässigung der Aufsichtspflicht - auch gegen die Mutter.Das leblose Kind wurde erst entdeckt, als auf dem Platz Tische und Stühle für das Mittagessen zurechtgerückt werden sollten. "Einer Erzieherin ist es gelungen, den Jungen wiederzubeleben", sagte Kankarowitsch. Ein Notarzt wurde alarmiert, der den Jungen dann auch ins Krankenhaus brachte.Kankarowitsch sagte, dass in der Kita "Regenbogenland" Kordeln an Anoraks verboten seien. Ein Aushang am schwarzen Brett der Einrichtung weise darauf hin. Das Verbot ist die Konsequenz aus einem tödlichen Unfall in Berlin vor fünf Jahren. Damals war ein Kind beim Spielen mit der Kordel seines Anoraks an einer Rutsche hängen geblieben und erstickt. Seit vergangenen Dienstag gibt es zudem eine Dienstanweisung, Halsketten, Schlüsselbänder und ähnliches bei Kindern nicht mehr zuzulassen.Sozialdezernentin Müller hat nach dem tragischen Vorfall in Babelsberg die städtischen Kitas angewiesen, darauf zu achten, dass Kinder keinerlei Ketten oder ähnlich Gefahrvolles tragen. "Sträuben sich die Eltern dagegen, können die Erzieherinnen die Betreuung der Kinder ablehnen", sagte Müller.------------------------------"Der Gesundheitszustand des Kindes ist besorgniserregend." Elona Müller, Sozialdezernentin