Der politischen Führung der DDR -- zweifellos aber auch vielen ihrer Bürger -- war der 9. Dezember 1974 ein Tag der Genugtuung: Mit der Eröffnung von Botschaften in Ost-Berlin und Washington war die am 4. September in Washington vereinbarte Aufnahme diplomatischer Beziehungen perfekt. Von seiten der DDR wurde dieser Schritt "als ein Beitrag zur Entspannung, der der Festigung des Friedens dient", gewertet.Mit Dutzenden von Staaten hatte die DDR bis dahin bereits Beziehungen auf diplomatischer Ebene herrgestellt. Die internarionale Isolierung hatte sie -- anfangs war sie nur von kommunistisch orientierten Staaten anerkannt -- längst durchbrochen. Insbesondere seit der Unterzeichnung des Grundlagenvertrages zwischen der Bundesrepublik und der DDR 1972 war es zu einer regelrechten Anerkennungsweile gekommen -- viele Länder, die sich aus Rücksicht auf die BRD bisher eines solchen Schrittes enthielten, taten ihn jetzt. Und als die beiden deutschen Staaten 1973 in die UNO aufgenommen wurden, sah man international erst recht kernen Hinterungsgrund mehr, auch mit Ostdeutschland Botschafter auszutauschen. Waren es Ende 1971 erst 30 Staaten, die mit der DDR diplomatische Beziehungen unterhielten, so waren es Ende 1974 bereits 105. AIJein im Jahr 1974 haben zwölf Staaten, darunter die Bundesrepublik, mit der DDR diplomatische Beziehungen aufgenommen. Honecker, der seit 1971 Generalsekretär der SED war, konnte diese Entwicklung vor allem innerhalb der DDR propagandistisch als Erfolg seiner Politik werten. oh