Er belästigte Frauen und Mädchen sexuell am Telefon, fragt sie nach intimsten Einzelheiten. Doch nicht deswegen herrschte 1987 bei vielen Familien aus Berlin-Marzahn Angst. Der ominöse Anrufer stiftete Kinder zum Mord oder Selbstmord an.Das Telefon klingelt. Tobias hebt den Hörer ab. Am anderen Ende der Leitung ist eine männliche Stimme. Sie befiehlt dem Kind unter Drohungen, einen Topf mit Wasser heranzuholen. Tobias tut dies. Dann soll der Junge den Rasierapparat holen, Tobias zögert, bringt dann aber das geforderte Gerät. Er steckt den Stecker wie befohlen in die Steckdose, schneidet den Rasierer vom Kabel ab. Die Stimme am anderen Ende der Leitung wird immer eindringlicher. Sie ordnet dem Knaben an, das unter Strom stehende Kabel in den Wassertopf zu legen. Tobias solle in das Wasser hineinfassen, wenn es brummt, doch der Junge zögert.Diese Szene entstammt aus dem 1991 gedrehten Polizeiruf "Mit dem Anruf kommt der Tod". Das Drehbuch für diesen Kriminalfilm wurde jedoch dem wirklichen Leben entnommen. 1987 trieb in Berlin-Marzahn ein irrer Telefonanrufer viele Kinder fast in den Tod. Tobias, wie der Junge in dem Film hieß, war in Wirklichkeit ein 13jähriger Schüler aus Marzahn. Er überlebt den Mordanschlag nur, weil er den Weisungen des Fremden nicht bis zum Schluß gefolgt war.Einem neunjährigen drohte der Täter mit dem Tod der Schwester, würde der Junge nicht seinen Forderungen nachkommen. Er verlangte von dem Knaben, die sechsjährige an der Wohnzimmertür zu erhängen. Er erklärte dem verwirrten Kind genau wie. Das Strangulieren mißlang, da der Strick riß. Dann folgten Anleitungen, wie der Junge seine Schwester nun in der Badewanne ertränken oder aus dem Fenster stürzen sollte. Die Schwester überlebte nur, weil der 9jährige den Aufforderungen nicht mehr nachkam.Aber auch Frauen und Mädchen belästigte der Mann per Telefon. Er stellte sich oftmals als Mitarbeiter der Fernseh-Urania vor, der eine Aufklärungssendung für Jugendliche recherchierte. Er fragte nach den intimsten Dingen und ließ die Frauen, die bis dahin noch nicht aufgelegt hatten, sexuelle Handlungen an sich vollziehen.Der Polizei tanzte der Mann eine Zeitlang auf der Nase herum. Fangschaltungen wurden eingerichtet, Telefonzellen überwacht, die Stimme des Unbekannten ein dutzendmal aufgenommen. Spezialisten fanden heraus: Bei dem Anrufer muß es sich um einen jungen Mann handeln. Wahrscheinlich war: Der Mann hatte einen Beruf, in dem er nicht viel reden mußte. Dann schnappte die Falle zu. Die Polizei ertappte Thomas S. in einer Telefonzelle. Der 20jährige wurde verhaftet. Die Stimmenanalyse ergab eindeutig: Das war der gesuchte Täter. Der gelernte Baumaschinist gestand, innerhalb von 18 Monaten 100 bis 150mal zum Hörer gegriffen zu haben, um in Marzahn Frauen zu belästigen oder Kinder in tödliche Gefahr zu bringen. Unter anderem wegen fünf Mordversuchen verurteilte ihn ein Gericht im Frühjahr 1988 zu 13 Jahren Gefängnis.