Zwei Gebäude, die einst Geschichte schrieben, sollen einen neuen Eigentümer bekommen. Nach Informationen der Berliner Zeitung wird in Kreisen der Bundesregierung überlegt, die frühere US-Botschaft in der Neustädtischen Kirchstraße in Mitte der Tschechischen Republik zu übertragen und dafür von den Tschechen die Deutsche Botschaft in Prag, das Palais Lobkowicz, zu übernehmen. Die ehemalige US-Botschaft befindet sich in Bundesbesitz, das Palais Lobkowicz gehört den Tschechen.Ein Sprecher des Auswärtigen Amtes bestätigte auf Anfrage, dass es "Überlegungen" zu einem Tausch der Immobilien gebe. Nähere Einzelheiten wollte er jedoch nicht mitteilen. Ein Sprecher der tschechischen Botschaft bezeichnete die Informationen als "Spekulationen", die er "nicht bestätigen" könne. Nach Informationen der Berliner Zeitung befinden sich die Verhandlungen über den Tausch noch im Anfangsstadium.Von 1977 bis 2008 hatten die Amerikaner das bundeseigene Gebäude in der Neustädtischen Kirchstraße als diplomatische Vertretung genutzt. Seit ihrem Umzug in die neue Botschaft am Pariser Platz im Mai vergangenen Jahres steht der repräsentative Altbau aber leer. Eigentlich wollte der Bundestag die Immobilie gerne übernehmen, aber aus diesen Plänen wird nun wahrscheinlich nichts.1989 im Blickpunkt der WeltMit dem Palais Lobkowicz in Prag will die Bundesrepublik jenes Botschaftsgebäude erwerben, das im Jahr 1989 im Blickpunkt der Weltöffentlichkeit stand. Von August bis September 1989 hatten sich mehrere tausend Bürger aus der DDR auf das Gelände der Botschaft geflüchtet und warteten dort wochenlang darauf, in die Bundesrepublik und damit in die Freiheit ausreisen zu können. Die damalige Tschechoslowakei war im Sommer 1989 das einzige Ostblockland, in das DDR-Bürger ohne Visum einreisen durften. Am 30. September trat der damalige Bundesaußenminister Hans-Dietrich Genscher (FDP) nach langen Verhandlungen auf den Gartenbalkon des Palais und sagte zu mehr als 3 500 Menschen den inzwischen berühmt gewordenen Satz: "Wir sind zu Ihnen gekommen, um Ihnen mitzuteilen, dass heute Ihre Ausreise möglich geworden ist." Das Ende der Ansprache ging im Jubel der DDR-Bürger unter. Am 9. November 1989 fiel schließlich die Berliner Mauer, und wenig später brach das kommunistische System der CSSR zusammen.Das 1703 bis 1707 errichtete Palais Lobkowicz dient seit 1974 als Sitz der deutschen Botschaft in Prag. Benannt ist das Palais nach der Adelsfamilie Lobkowicz, der das Haus von 1753 bis zum Verkauf an den tschechoslowakischen Staat im Jahr 1927 gehörte. Ein Anziehungspunkt bekannter Deutscher war das Palais schon früher. Ludwig van Beethoven und Carl Maria von Weber gaben im Kuppelsaal des Hauses Konzerte. Im Erdgeschoss des Palais befinden sich mehrere Freskensäle, im zweiten Stock die Repräsentationsräume.Die ehemalige US-Botschaft in der Neustädtischen Kirchstraße 4-5 hat ebenfalls Geschichte geschrieben. Das Gebäude war über Jahre Sitz der diplomatischen Vertretung der USA in Ost-Berlin. Die US-Botschaft brachte mit ihrem Kino und ihrer Bibliothek DDR-Bürger mit der amerikanischen Lebensweise in Kontakt. Der DDR-Führung war dies alles suspekt. Das Ministerium für Staatssicherheit (MfS) hatte bis zu 21 inoffizielle Mitarbeiter in die Botschaft eingeschleust, die die Aktivitäten überwachen sollten.Nach der Wiedervereinigung diente die Neustädtische Kirchstraße 4-5 zunächst als Außenstelle der US-Botschaft, nach dem Umzug der Bundesregierung von Bonn nach Berlin 1999 schließlich als Sitz der diplomatischen Vertretung. Die Tschechen könnten in dem Altbau entweder ihre Botschaft oder die Handelskammer unterbringen. Derzeit residiert die tschechische Botschaft in der Wilhelmstraße 44. Das Gebäude aus den 1970er-Jahren muss jedoch saniert werden. Ideal wäre es, wenn die Neustädtische Kirchstraße dann als neues Quartier zur Verfügung steht, heißt es aus Diplomatenkreisen.------------------------------Foto: (2) Das Palais Lobkowicz in Prag (links) dient seit 1974 als Sitz der deutschen Botschaft in Prag. Im August und September 1989 hatten sich mehrere tausend Bürger aus der DDR in die Botschaft geflüchtet. Bundesaußenminister Hans-Dietrich Genscher überbrachte den Wartenden am Abend des 30. September 1989 die Botschaft, dass sie ausreisen können. Jetzt soll das Palais Eigentum der Bundesrepublik werden. Die Tschechen sollen dafür im Gegenzug die ehemalige US-Botschaft in Mitte erhalten (r.).