Die Idee war genial, aber geklaut: Ausgerechnet die DDR-Serie "Zur See" inspirierte "Traumschiff"-Erfinder Wolfgang Rademann, dem ZDF eine "Kreuzfahrt"-Reihe vorzuschlagen. Das war Anfang der achtziger Jahre, inmitten jener kaum noch erinnerbaren Epoche, als das moderne internationale Formatfernsehen den bundesdeutschen TV-Markt völlig durcheinander brachte: Die US-amerikanischen Öl-Sagas "Dallas" und "Denver" wurden über Nacht zu gigantischen Quotenerfolgen. Schöner Schein paarte sich hier mit bösen Buben, attraktiven Frauen, schnellen Autos. Eine simple Erzähldramaturgie, derzufolge ständig etwas passiert, ohne dass sich je etwas ändert, faszinierte die Deutschen - und erschreckte sie zugleich.Fernseh-FastfoodEine kulturkritische Debatte über "Eskapismus" und US-Kultur-imperialismus erschütterte den öffentlich-rechtlichen Rundfunk und die avancierten Feuilletons. Wie der "McDonald s-Hamburger" wurde "Dallas" als Fernseh-Fastfood von den Denkern verteufelt und von den Sehern verschlungen. Keine gute Strategie also, inmitten dieses Kulturkampfes dem öffentlich-rechtlichen Fernsehen ausgerechnet eine deutsche Version der US-Serie "Love-Boat" vorzuschlagen. Aber wenn dergleichen sogar schon "drüben" in der DDR lief, konnte es ja so schlimm nicht sein. Wolfgang Rademann, auch Produzent der "Schwarzwald-Klinik" (nach der tschechischen Hospital-Serie "Das Krankenhaus am Rande der Stadt"), ist ein versierter Taktiker - und ein Fernsehprofi mit dem berühmten sechsten Sinn für die Zuschauerbedürfnisse: "Keine Gewalt, kein Mord, mäßiger Sex und immer ein Happyend", lautet stur sein Credo. Und so hieß es dann 1981 tatsächlich zum ersten Mal "Leinen los" für das "Traumschiff". Mit an Bord: ein smarter Steward (Sascha Hehn), eine einfühlsame Stewardess (Heide Keller), ein väterlicher Kapitän.Der wurde - nach Günter König - lange Jahre von Heinz Weiss gespielt, dem Helden aus dem Kriegsdrama "So weit die Füße tragen" - eine tiefgründig symbolische Besetzung. Aus dem entbehrungsreichen Marsch war nun ein luxuriöses "So weit der Blick reicht" geworden. Und am Ende jeder Folge steht das opulente "Kapitäns-Dinner" mit Candlelight und Happyend. Überhaupt ist die Casting-Liste ein wichtiger Baustein für den Erfolg der Serie: Das "Traumschiff" wäre nur das halbe Vergnügen, versammelte Rademann nicht stets die erste Garde bekannter Schauspieler.Jede Episode beginnt mit dem Check-in am Hafen. Wenn Chef-Stewardess Beatrice die Gäste begrüßt, liegt zwar noch im Dunklen, wer später auf dem Sonnendeck mit wem welches Drama erleben wird - aber dass es hier auf hoher See nicht ohne tragische Begegnungen, unverhoffte Wiedersehen oder sonstige emotionale Verwicklungen abgehen wird, ist unumstößlich. Was für eine tröstliche Gewissheit, dass am Ende der Traumreise alle Menschen, Sehnsüchte und Gefühle wieder an ihrem richtigen Platz sein werden.Unter den Schauspielern ist ein Engagement auf dem Fernseh-Luxusliner durchaus beliebt. Statt in muffigen Wohnwagen werden die Stars hier mit allem Komfort in der "First Class" untergebracht. Das tägliche Sonnenbad zwischen den Drehs ist nicht zuletzt Teil ihrer Dienstverpflichtung: Urlaub spielen und Urlaub machen, Taktiker Rademann weiß nicht nur, was seine Zuschauer glücklich macht.Die haben dem "Traumschiff" über all die Jahre die Treue gehalten. Sicher, Spitzenquoten von bis zu 25 Millionen Zuschauern pro Folge sind zwar Geschichte, aber die Produktionskosten fährt der Luxusliner immer noch ein, obwohl die Serie nicht mehr die ganz große Abendunterhaltung, sondern Unterhaltungsspaß für ältere Semester geworden ist.Immer wenn es in Deutschland kalt und ungemütlich wird, steuert das ZDF die Traumstrände der Welt an. War der Landgang vor zwanzig Jahren für viele Zuschauer noch die einzige Möglichkeit, überhaupt einmal einen Blick auf die legendären Strände von Hawaii zu erhaschen, sind die Filmepisoden heute für viele zum wehmütigen Wiedersehen mit eigenen Urlaubszielen geworden. Die reiselustigen Deutschen brauchen längst nicht mehr Rademanns Kameraoptik, um sich in ferne Länder zu träumen. Und deshalb sind die Episoden "an Land" unmerklich einen Hauch weniger touristisch, aber dafür eine Spur beiläufiger geworden. ZDF-Sendungen zum Jubiläum"V.I.P. - 20 Jahre Traumschiff", Sa., 18.00 Uhr;"Die erste Reise", So., 13.45 Uhr"Traumschiff-Melodien", So. 18.00 Uhr "Traumschiff: Las Vegas", So. 20.15 UhrWas für eine tröstliche Gewissheit, dass am Ende der Traumreise alle Menschen, Sehnsüchte und Gefühle an ihrem richtigen Platz sein werden.DPA Sonne, Sand und Palmenstrand: Das "Traumschiff" zeigt Bilder wie aus dem Urlaubskatalog.