Ein 23-jähriger Student aus Tempelhof ist am Donnerstagmorgen in ein Studio des Nachrichtensenders n-tv in Mitte eingedrungen. Vor laufender Kamera drohte der junge Mann, sich zu erschießen. Nach Angaben der Polizei verlangte er, Telekom-Vorstandschef Ron Sommer zu sprechen. Nach einer Stunde wurde er von einem Sondereinsatzkommando (SEK) der Polizei überwältigt. Verletzt wurde niemand.Um 7 Uhr hatte Christoph Kastius, Chef der Studenteninitiative "Suchhotline", das Haus von n-tv in der Taubenstraße betreten. "Suchhotline" ist ein Internet-Suchdienst, der nach Ausbruch des Kosovo-Krieges im März diesen Jahres von 20 Studenten gegründet wurde. Ihr Ziel war es, Familien und Freunde aus dem Kriegsgebiet nach der Flucht wieder zusammenzuführen. "Der Mann war oft bei unserer Online-Redaktion. Darum kam er auch ohne Probleme ins Haus", sagte n-tv-Chefredakteur Helmut Brandstätter. Kastius gelangte, von der Regie unbemerkt, in das Hauptstudio 1. Dort liefen gerade die 7-Uhr-Nachrichten. "Bei der Meldung über den neuesten Stand beim Zugunglück in London stürmte der Student mit einem Revolver in der Hand zu den Moderatoren", sagte der Chefredakteur. Dann habe sich der Student dafür entschuldigt, dass er die Sendung unterbrechen müsse. Er habe von Problemen mit der Telekom gesprochen 7 000 Mark schulde er dem Unternehmen für die Suchhotline. "Der Mann forderte, dass wir Kontakt zur Telekom herstellen. Er hielt sich dabei die Waffe an den Kopf, bedrohte aber sonst niemanden", sagte Brandstätter. 30 Sekunden nach dem Überfall sei die Livesendung abgebrochen, ein Havarieband eingelegt und alte Nachrichten aus der Nacht eingespielt worden. "Moderator Uwe Wegener sprach auf den Mann beruhigend ein. Schließlich wurden beide Sprecher von dem Eindringling aus dem Studio geschickt", sagte Brandstätter. Der Student sei in dem Glauben gelassen worden, er sei live auf Sendung.Nach etwa einer Stunde, in der der Chefredakteur aus dem Regieraum mit dem Studenten sprach, konnte der junge Mann überzeugt werden, die Waffe an das andere Ende des Moderatoren-Tisches zu legen. Das SEK stürmte daraufhin in den Raum und überwältigte den 23-Jährigen. Wie sich herausstellte, handelte es sich bei der Waffe um einen ungeladenen Schreckschussrevolver. Kastius wurde nach erkennungsdienstlicher Behandlung aus dem Polizeigewahrsam entlassen. Der TV-Sender hat Anzeige wegen Nötigung und Hausfriedensbruch erstattet. "Es war falsch, was ich getan habe. Aber ich wusste mir nicht mehr zu helfen", sagte der Medieninformatik-Student. Die Telekom habe die Anschlüsse der Hotline vor sieben Tagen wegen nichtbezahlter Rechnungen gekappt und die Arbeit der Studenten zunichte gemacht. "Dabei hatten wir die Zusage, dass die Telekom die Kosten der Hotline übernehmen wird", sagte der 23-Jährige. Zu einem Gespräch mit der Telekom sei es nie gekommen. Er habe darum Telekom-Vorstandschef Sommer wegen unterlassener Hilfeleistung verklagt. Telekomsprecher Frank Domagalla wollte sich nicht zu den Vorwürfen äußern. "Es handelt sich um ein laufendes Ermittlungsverfahren."SICHERHEIT Täter war bekannt // Christoph Kastius konnte in den Sender gelangen, weil er dort bekannt war.Die Eingangstür von n-tv ist verschlossen. Jeder muss klingeln.Die Klingel war eingebaut worden, weil Studenten 1997 eingedrungen waren.