Der Plan, zum 25. Jahrestag des Mauerfalls im November in Berlin und in Leipzig Denkmäler zur Feier der deutschen Einheit zu errichten, ist endgültig gescheitert. Am Donnerstagabend beschlossen die Mehrheitsfraktionen CDU, SPD und Grüne im Stadtrat von Leipzig, das bisherige Planungsverfahren zu beenden und den umstrittenen Standort Wilhelm-Leuschner-Platz aufzugeben. Der formale Beschluss des Stadtrats wird für kommenden Mittwoch erwartet. Damit endet eine langwierige Auseinandersetzung um die Entwürfe für das Denkmal.

Es ist ein weiteres Kapitel einer insgesamt desaströsen Geschichte, denn auch das in Berlin für den Schlossplatz geplante Einheitsdenkmal ist weit von einer Realisierung entfernt. Die ursprünglich von der Choreographin Sasha Waltz erdachte Skulptur „Bürger in Bewegung“ stößt auf vielfältige Widerstände. Der Behindertenbeauftragte hat Widerspruch gegen eine zu steile Besucherrampe eingelegt; der Denkmalschutz fordert die Restaurierung und künstlerische Integration von Fliesen auf dem aus der Kaiserzeit stammenden Denkmalsockel; und zu guter Letzt müssten Fledermäuse umgesiedelt werden, die in eben jenem Sockel ihr Zuhause haben. Für alle diese Probleme sollen zwar Lösungen gefunden werden, doch gilt das Projekt unter Fachleuten als zunehmend fragwürdig.

Kulturstaatsministerin Monika Grütters kleidete ihre Zweifel an dem Vorhaben am Freitag in diplomatische Formeln. Der Bau von Denkmälern sei immer schon anspruchsvoll, zeitintensiv und kontrovers gewesen, sagte sie der Berliner Zeitung. „Die Bundesregierung als Bauherrin ist bemüht, das Berliner Freiheits- und Einheitsdenkmal am vorgesehenen Standort zu errichten.“ Die Realisierung stelle aber hohe Anforderungen an Denkmalschutz, Barrierefreiheit und Naturschutz. „Zudem ist das Denkmal selbst eine technisch komplexe Konstruktion, die in den Standort zu integrieren ist. Dazu laufen derzeit die schwierigen Abstimmungen mit dem Land Berlin.“ Dies bezieht sich auf das Konzept einer riesigen, begehbaren und beweglichen Wippe, das von Experten als nicht alltagstauglich betrachtet wird.

Zu den Leipziger Plänen, sagte Grütters, könne sie erst Stellung nehmen, „wenn wir tatsächlich neue Entscheidungen auf dem Tisch haben“. Der Oberbürgermeister kündigte einen neuen Anlauf mit größerer Beteiligung der Öffentlichkeit an. Beide Projekte gehen auf Beschlüsse des Bundestages aus den Jahren 2007 und 2008 zurück.

Der Ratsvorsitzende der Bundesstiftung Aufarbeitung, Markus Meckel (SPD), sagte, die Entwicklungen seien zwar nicht gerade ein Ruhmesblatt. „Aber ich finde das auch nicht so tragisch. Durch diese Verzögerungen wird das nationale Gedenken nicht ins Wanken gebracht.“ (mit mdc.)