Vor allem Deutsche schwärmen davon, wie billig man in Budapest speisen könne. Wegen etlicher schwarzer Schafe fürchtet Ungarn jetzt jedoch um dieses Image; die Hauptstadt hat ihren Skandal. An der deutschen und US-Botschaft hängt seit voriger Woche eine "schwarze Liste" jener Budapester Cafés, Restaurants und Bars aus, die der Tourist tunlichst meiden sollte, will er nicht abgezockt werden."Ich habe mein ganzes Leben in New York verbracht, aber erst in Budapest hat man mich ausgenommen!" stellte wütend ein amerikanischer Student fest, der jüngst im "Muskßtli"-Café (Fußgängerzone Vaci utca) 2 134 Mark blechen mußte. Zwei junge Ungarinnen hatten ihm vorgeschlagen, sich doch gemeinsam kurz ins Straßencafé zu setzen. Joe erklärte ihnen, wegen knapper Kasse könne er leider nur seine eigenen Getränke bezahlen. Er leistete sich zwei Bier für acht Mark, die Mädchen orderten für sich Cocktails und Tokaier. Der Ober wies eine getrennte Bezahlung zurück. Es sei "ungarische Sitte, daß der Mann die Gesamtsumme begleicht". Ein Anruf bei der Polizei wurde Joe verwehrt."Das darf doch nicht wahr sein!" schrieb zur gleichen Zeit ein empörter Tourist der deutschen Botschaft. Er durfte im "Fontana"-Restaurant (Vaci utca) für über 8 000 Mark dinieren. Man hatte ihm nämlich den Preis gleich doppelt verbucht: auf zwei Kreditkarten, "da die eine angeblich nicht in Ordnung war!" Auch ihm wurde ­ wie Joe ­ Telefon und Abgang von robusten Türstehern verweigert.Die Krone des Nepps setzte dieser Tage jedoch die "Dreher Fischercsßrda" am Ferenciek-Tere nahe der Vaci utca auf. Einem dänischen Touristen wurden für ein Abendessen zu viert über eine Million Forint ­ exakt 10 418 Mark ­ berechnet, einschließlich 1 736 Mark "Serviceleistung", weil er mit Kreditkarte bezahlte. "Keine Benachteiligung der Kartenbesitzer, sondern ein Vorteil für die Barzahler", begründet der Csßrda-Chef die seltsame und unerlaubte Praxis. Seine Speisekarten weisen nur Codenummern und keine Preise auf. Erst beim Bezahlen erfuhr der Däne, daß ein Beefsteak 400 Mark kostet ­ im teuren Hotel "Hilton" verlangt man dafür übrigens nur 40 Mark!Gäste der Csßrda wurden von Taxichauffeuren, Hotelangestellten und "Damen" gegen eine Provision "zugeliefert".Das soeben aufgedeckte "Millionenspiel" der Csßrda hatte Folgen: Dreher-Bier kündigte Vertrag und Namensschild, American Express und Budapest Bank entzogen der Csßrda und anderen Nepp-Lokalen die Annahme-Lizenz, das Fremdenverkehrsamt erstattete Anzeige wegen Betrug, Raub und Erpressung der Gäste, und der Ungarische Konsumentenschutz belegte das Restaurant mit der hierzulande genehmigten Höchststrafe von 300 Mark, was dem Preis von fünf Goulaschsuppen entspricht. Diese Woche wurde das Restaurant schließlich für drei Monate geschlossen.27 Fälle ähnlicher "Restaurant-Willkür" und die "irrealen Preise in der City" brachten nun auch das Parlament in Harnisch. Die Abgeordneten verlangen stärkere abendliche Kontrollen per Polizei und Konsumentenschutz. In Kürze soll für die Ausländer ein Tag und Nacht erreichbares Polizei-Beschwerdebüro eingerichtet sowie ein vielsprachiges Beeklet herausgegeben werden, das nur "seriöse Etablissements" empfiehlt. Der Vorsitzende des Landesfremdenverkehrsamtes wetterte zudem im Hohen Haus: "Die Reputation Ungarns als Touristenanziehungspunkt ist gefährdet!" Zu Recht: Über CNN-Teletext lasen jetzt nicht nur Millionen reiselustige Amerikaner: "Hungary in Hungary? It could cost you!"Wer sich nicht prellen lassen will, sollte laut Botschaften und Konsumentenschutz vor allem folgende Fallen meiden: die Cafés Muskßtli und Mizrah ­ beide Vaci utca ­ die Restaurants Fontana, Anrany, Bßrßny, Waikiki, Labyrintus und Mefisztó sowie die Bars Pigalle, La Luna und Tropical. Alle liegen in der City.Hannelore Hegyi