MADRID/SANTA CRUZ, 8. Januar. Für Donnerstag, 20 Uhr, war der Weltuntergang angesetzt. Doch die Rettung nahte: Ein außerirdisches Raumschiff würde auf dem Teide landen, dem höchsten Berg Spaniens inmitten der kanarischen Insel Teneriffa, und einige Auserwählte mit in eine andere Welt nehmen. Unter einer Voraussetzung: Sie mußten sich zuvor das Leben genommen haben.So erläuterte gestern mittag der Delegierte der spanischen Regierung auf den Kanaren, Antonio Lopez Ojeda, die Wahnvorstellungen einer Gruppe von Ausländern, die sich in Santa Cruz de Tenerife um die 56jährige deutsche Psychologin Heide Fittkau-Garthe geschart hatten. Am Mittwoch abend, knapp 24 Stunden vor dem angesetzten Massenselbstmord, machte die spanische Polizei dem Spuk ein Ende. In einer großangelegten Aktion nahmen die Beamten die aus Hamburg stammende Fittkau-Garthe in ihrer Wohnung fest und registrierten gleichzeitig die Personalien von 26 Erwachsenen ­ 13 Frauen und 13 Männern ­ und fünf Kindern, die sich in jenem Moment im selben Haus aufhielten. Sie hatten gerade ein letztes gemeinsames Mahl eingenommen und sich auf die Fahrt zum Gipfel vorbereitet.Viele Deutsche dabeiDie Behörden konnten zunächst nicht sagen, ob die Gruppe zur "Sonnentempler"-Sekte gehört, deren kollektive Selbstmorde in den letzten Jahren für Schlagzeilen sorgten. Möglich sei auch eine "indische Sekte der Apokalypse". Mit Ausnahme eines Spaniers und möglicherweise einiger Engländer sind offenbar alle Gruppenmitglieder Deutsche. Nach Informationen der Kripo in Düsseldorf wandte sich vor kurzem ein Kaufmann aus dem nordrhein-westfälischen Meerbusch an ihre Dienststelle und berichtete, daß seine Schwester seit längerem Mitglied einer Sekte sei, über die er aber nichts Genaues sagen könne. Er wisse allerdings, daß für den 8. Januar ein gemeinsamer Selbstmord von mehr als 100 Personen geplant sei. Die Düsseldorfer Polizisten nahmen die Informationen ernst und setzen sich mit zwei Töchtern seiner Schwester in Tübingen und in London in Kontakt. Schließlich machten sich britische Polizisten auf den Weg nach Teneriffa, um die spanische Polizei zu unterstützen. Am Mittwoch gegen 21 Uhr fuhr die Polizei zur Razzia in Santa Cruz vor.