Offenbacher Straße 24, zwischen Wilmersdorf und Friedenau, hinter ihm ein Journalistentross mit Kamera und Mikrofon: Peter Zadek klingelt. Ob er sich in der Wohnung einmal umschauen dürfe, fragt er die junge Frau in der Tür, die aus weiteren Bildern sofort verschwindet. Zadek erklärt, dass er hier einmal gewohnt habe, als Kind. Peter Zadek ist gebürtiger Berliner. Die Straßen quer zum Südwestcorso waren nicht Kiez, sie waren Gegend. Hier wohnte jüdisches Bürgertum, hier galt vor allem Bildung. "Wenn Sie etwas für Ihren Sohn tun wollen, Frau Zadek - es wäre doch schade, wenn ihm etwas passierte -, dann sollten Sie das Land verlassen", riet 1933 der Klassenlehrer, als Peter gerade eingeschult war. Den Fernsehleuten erzählt Zadek heute aufgeräumt von seinem Schulfreund Dietrich: kleiner Nazi, ziemlich sexy. "Dietrich war tough, ich war nicht tough", formuliert Zadek.Das Wort stramm will der am Sonnabend vor 75 Jahren geborene Theaterregisseur vielleicht nicht verwenden. Zadek wuchs in England auf. Als er ein deutscher Regisseur wurde, war er dreißig. Der Fernsehfilm von Klaus Dermutz und Benedikt Gondolf, den 3sat am 19. Mai um 19.20 Uhr zeigt, heißt "Ich bin ein Emigrant, Madame". Der Schauspieler Paulus Manker sagt wienerisch, Zadek wolle doch jeden Tag 150-mal emigrieren. Kluge Kollegen aus dem Theater sprechen lauter kluge Geburtstagsfreundlichkeiten: Eva Mattes, Angela Winkler, Luc Bondy, Otto Sander, George Tabori, Udo Lindenberg, nur Claus Peymann fehlt. Schön sind auch die Fundstücke aus dem Archiv. Ein Rias-Reporter quillt 1968 über vor lauter bewegten Fragen, Zadek war jetzt rund vierzig Jahre alt. Lang waren die Fragen, und als sie unübersichtlich werden, und der Reporter die Statements nicht lassen kann, sagt Zadek knapp: "Meine Position? Ich würde sie definieren als meine Position." Zadeks Zeit am Berliner Ensemble spart der Film aus. Zadek, der Berliner, wollte geliebt werden. Aber viele kannten ihn nicht. (df.)