Der Staatsschutz hat offenbar eine heiße Spur zu den Tätern, die im November des vergangenen Jahres in Friedrichshain eine Straßenbahn angezündet haben. Die Beamten bitten um Mithilfe bei der Fahndung. Für Hinweise, die zur Ergreifung der Täter führen, wurde eine Belohnung von 5 000 Mark ausgesetzt.Mehr als zwei Monate hat es gedauert, bis die Mitarbeiter des für die Aufklärung von politischen Straftaten zuständigen Staatsschutzes eine brauchbare Spur verfolgen konnten. Nach Zeugenaussagen gelang es, Phantombilder zweier mutmaßlicher Täter anzufertigen.Die Gesuchten stehen unter dem Verdacht, am 1. November 1996 gegen 18.20 Uhr einen Anschlag auf eine Straßenbahn der Linie 21 an der Kreutzigerstraße in Friedrichshain verübt zu haben. Dabei war eine Frau und ihre Tochter so schwer verletzt worden, daß sie in eine Klinik eingeliefert werden mußten. Die Fahrerin erlitt einen Schock. Außer der Bahn wurden ein Baucontainer sowie mehrere Müllcontainer in Brand gesetzt. Der Straßenverkehr war von den mutmaßlichen Tätern durch sogenannte Krähenfüße - Reifentöter - lahmgelegt worden. Die bisherigen Ermittlungen ergaben, daß einer von ihnen an der Boxhagener- / Ecke Kreutzigerstraße die Notbremse der Straßenbahn gezogen hatte. Als der Zug zum Stehen gekommen war, wurden die Fahrgäste von den vermummten Männern gezwungen, auszusteigen. Wenig später klirrten die Scheiben, mehrere Brandsätze flogen in den Wagen. Das Fahrzeug brannte aus. Es entstand erheblicher Sachschaden. Als Feuerwehrleute die brennende Bahn löschen wollten, wurden sie von den Randalierern mit Leuchtraketen angegriffen. Mehrere Stunden lang hatte es gedauert bis die 70 eingesetzten Polizeibeamten die Situation im Griff hatten. Von zwei der Tätern gibt es Phantomzeichnungen. Einer von ihnen ist 20 bis 25 Jahre alt, bis 1,90 Meter groß und schlank. Sein Gesicht ist schmal. Er trug kurzes stoppeliges, nach hinten gekämmtes Haar. Der Hinterkopf war kahlgeschoren. Zur Zeit des Anschlags war er mit einer hüftlangen, schwarzen Jacke, einen gleichfarbenen Pullover sowie eine schwarze Hose und schwarze Schnürstiefel. Der zweite Täter soll etwa 21 Jahre alt und 1,90 Meter groß sein. Er ist vollschlank und hatte blonde, kurze verfilzte Haare. Er war bekleidet mit schwarzen Jeans, schwarzem Kapuzen-T-Shirt und einem Palästinensertuch. Für Hinweise, die zur Ergreifung der Täter führen, hat der Polizeipräsident eine Belohnung von 5 000 Mark ausgesetzt. Informationen nimmt jede Wache entgegen.Die Polizei vermutet, daß der Anschlag auf die Straßenbahn mit der Räumung eines besetzten Hauses in der Kreutzigerstraße in Friedrichshain in Zusammenhang steht. Am 29. Oktober 1996 hatten Polizisten mehrere Gebäude durchsucht und ein Haus geräumt. +++