Als Sozialpädagoge von der Fachhochschule für Sozialarbeit half er einst im "Zehlendorfer Jugendhof" Gestrauchelten auf die Sprünge. Heute hievt Mabel Ascheneller arbeitslose HipHopper und andere Musikgrößen auf die Bühne - das sind, jedenfalls auf der Abschlussgala des Teddy-Award, auch schon mal in die Jahre gekommene Ikonen der schwullesbischen Szene. Popdiva Amanda Lear wird an diesem Freitag zur großen Gala ins Tempodrom kommen, Sängerin Marla Glen, und auch der heimliche Schirmherr des schwullesbischen Berlinale-Filmpreises "Teddy", Klaus Wowereit, wird erwartet. Ascheneller hat sie geholt, er organisiert diese Gala seit sieben Jahren. Auf der Teddy-Party werden jedes Jahr je ein Spiel-, ein Dokumentar- und ein Kurzfilm aus allen Berlinale-Sektionen ausgezeichnet, die sich um Homosexualität drehen. Bei erfahrenen Berlinale-Party-Hoppern steht die Teddy-Gala ganz oben auf der Liste. Denn Ascheneller kennt die Rezeptur für das stilvolle Gelingen von Events. Auf einem Ascheneller-Abend stimmt meistens alles: die Deko, die Musik, sogar die Chemie unter den Gästen. Der Zweiundfünfzigjährige ist Perfektionist. Seine Partys sind bis ins Detail durchdacht. Und die Szene dankt es ihm - auf den Partys feiert sie am meisten sich selbst. Rund 30 Jahre Subkultur hat Ascheneller auf dem Buckel. Er organisierte Punkkonzerte, hauste mit anderen Besetzern im legendären "Kuckuck" nahe der Mauer am Anhalter Bahnhof, gründete dann mit dem heutigen Panorama-Leiter Wieland Speck die schwule Wohngemeinschaft "Mann-o-Mann". Mittlerweile residiert er in einem luxuriösen Dachgeschoss am Maybachufer. Sicher heißt seine Eventmanagement-Firma auch deswegen "High-Produktion". Bevor er sich selbstständig machte, war Ascheneller zehn Jahr lang Bürochef im Tempodrom, die rechte Hand von Irene Mössinger. Diese Zeit hat ihn gegen jeglichen Stress resistent gemacht. Ascheneller brachte Nina Hagens Weltraum-TV-Show auf die Bühne des BKA-Zeltes, war Türsteher im Dschungel in Schöneberg und betreute sämtliche Punkbands von Fehlfarben bis DAF. Mittlerweile lässt er es manchmal auch ein bisschen gesetzter angehen: In Kooperation mit der Berlin Tourismus Marketing präsentierte er im vergangenen Jahr das "Schwullesbische Berlin" auf der ITB. "Toleranz", gibt Ascheneller das Stichwort, "ist mein Leitfaden". Und "Leben und leben lassen" ist sein Motto. Auf seinen Galas tritt er immer in feinem Tuch auf und präsentiert sich der Szene stets mit einer Mischung aus Arroganz, Selbstverliebtheit und Scheu. Trotzdem: Die Community verehrt ihn als Ikone - und liebt seine Partys. Die Teddy-Awards finden am Freitag, einen Tag vor der Vergabe der Berlinale-Bären, im Tempodrom statt. Es werden Preise für den besten Spiel-, Kurz- und Doku-Film vergeben.BERLINER ZEITUNG/MIKE FRÖHLING Seine Gala ist ein "Must" für die lesbisch-schwule Berlinale-Szene: Mabel Ascheneller, Organisator der Teddy-Awards.

Lesen oder hören Sie doch weiter.

Erhalten Sie unbegrenzten Zugang zu allen B+ Artikeln der Berliner Zeitung inkl. Audio.

1 Monat kostenlos.

Danach 9,99 € im Monatsabo.

Jederzeit im Testzeitraum kündbar.

1 Monat kostenlos testen

Sie haben bereits ein Abo? Melden Sie sich an.

Doch lieber Print? Hier geht’s zum Abo Shop.