70 junge Künstler aus der Hauptstadt zeigen in Katalonien, was Berlins Club-Kultur zu bieten hat: Berlin tanzt in Barcelona

Kann man Berlin einpacken, mitnehmen und vorzeigen? 70 Künstler aus der Hauptstadt tun genau das seit heute in Barcelona. In der katalanischen Hauptstadt eröffnet die "Sonar", ein dreitägiges internationales Festival für elektronische Musik und Kunst. "Wir wollten zeigen, was in Berlin los ist", sagt Nana Yuriko von der kleinen Multimedia-Agentur CrazyWorldProductions in Prenzlauer Berg, die sich mit Grafikproduktionen und Videodesign über Wasser hält. Für Barcelona bauen Berliner einen Club in unterirdischen Ausstellungsräumen auf und inszenieren darin das, was das Nachtleben an der Spree unverwechselbar macht: Raumgestaltung, Farben und Formen an Wände geworfen, dazu Videoprojektionen. Auch die dazugehörigen Flyer und Plakate sind über die Pyrenäen transportiert worden. Das alles wird gezeigt im Bereich "SonarMatica", der jedes Jahr eine Stadt und ihr Szeneleben vorstellt. Deshalb fuhr Nana nach Barcelona und warb für ihr Ausstellungs-Konzept "represent!Berlin". "Die Sonar-Leute kamen auf einen Kulturtrip nach Berlin. Wir haben sie in Clubs und Bars mitgenommen, sie waren total begeistert", erzählt sie. Im Clubmodell geht die Berliner Agentur "Mediamorph" ans Werk, die schon mal Partys an der Frankfurter Börse, Wagen für die Love Parade oder Themenparks für Siemens gestaltet. Stefan Schilgen vom Club "Kurvenstar" am Hackeschen Markt hat Sitzmöbel mitgeschickt. In seinem zweiten Leben baut Schilgen Sets für MTV-Studios, Messestände oder eben Sitzlandschaften. Dazu nimmt er gerne junge Talente mit. Wie etwa die Jungs von der Grafikdesign-Agentur "Pfadfinderei Mitte", die seitdem einmal pro Woche ihre Kreationen aus einem Laptop an die Wände des Kurvenstar beamen. Auch deren Kunst soll Barcelona kennen lernen. "Wir haben weiter Maler und Fotografen eingebunden, die zwar aus der Clubkultur kommen, aber nicht direkt etwas mit ihr zu tun haben", sagt Nana. So tritt etwa der Comic-Art-Maler Jim Avignon zu einem "Life-Painting" auf der Bühne auf.Im Mikrokosmos Berlin auf der "Sonar" gibt es auch stille Orte. Hier gibt es Ruhe, finden Besucher eine Leseecke. Um in dem zu blättern, was die Hauptstadtszene in Papierform anbietet: eine "Monatszeitung zu elektronischen Lebensaspekten", Popliteratur, Club-Magazine. Für Organisatorin Nana Yuriko erfüllt sich mit "represent!Berlin" ein Traum: "Ich wollte schon immer eine Schau mit Berliner Künstlern machen", sagt die Japan-Deutsche. Kooperationen Berlin-Tokio stellt sie sich vor, Ausstellungen, "zu denen die Leute auch fahren können". Das 2 000 Kilometer entfernte Barcelona soll erst der Anfang sein.