Protestdemonstration für „Volle Wiedergutmachung auch der Schwulen KZ-Opfer“, 1980er-Jahre: Der § 175 des deutschen Strafgesetzbuches, der sexuelle Handlung zwischen Männern unter Strafe stellte, tritt 1872 in Kraft. Im Nationalsozialismus wird er 1935 erheblich verschärft und ausgeweitet. Der entsprechende Paragraph besteht in beiden deutschen Staaten in unterschiedlicher Form noch lange fort. In der Bundesrepublik wird er erst ab 1969 zögerlich und in mehreren Schritten reformiert. Homosexuelle sind deshalb lange Jahre faktisch von Wiedergutmachungszahlungen ausgenommen, da ein entsprechender Antrag einer Selbstanzeige gleich kommt. 1988 wird der § 175 aus dem DDR-Strafgesetzbuch gestrichen, 1994 wird er auch für das Gebiet der alten Bundesrepublik ersatzlos aufgehoben.
Foto:  Schwules Museum, Berlin

Die Berliner Zeitung berichtet am 24. Mai 1945

Die Berliner Stadtverwaltung gab den Bezirks-Bürgermeistern am 23. Mai 1945 folgende Anweisung: „Viele Familien bangen heute noch um das Schicksal ihrer Angehörigen, die in den Kerkern und Konzentrationslagern wegen ihrer antifaschistischen Gesinnung gefangengehalten wurden. [...] Jetzt muss mit aller Intensität daran gegangen werden, Klarheit über den Aufenthalt und das Befinden dieser Opfer des Faschismus zu bekommen.

Jeder Verwaltungsbezirk muß deshalb sofort durch Maueranschläge und intensives Nachforschen die Angehörigen dieser Opfer ermitteln und auffordern, sich umgehend bei den dafür benannten Stellen zu melden. [...] Nach Erfassung aller Vermißten im Verwaltungsbezirk (was selbstverständlich beschleunigt durchgeführt werden muß) sind die Fragebögen an den Magistrat Berlin, Abt. für Sozialfürsorge, Herrn Geschke einzureichen. Von hier aus bekommen alle Angehörigen nach Klärung ihres Falles umgehend Bescheid.“

Lesen oder hören Sie doch weiter.

Erhalten Sie unbegrenzten Zugang zu allen B+ Artikeln der Berliner Zeitung inkl. Audio.

1 Monat kostenlos.

Danach 9,99 € im Monatsabo.

Jederzeit im Testzeitraum kündbar.

1 Monat kostenlos testen

Sie haben bereits ein Abo? Melden Sie sich an.

Doch lieber Print? Hier geht’s zum Abo Shop.