Schülerinnen und Schüler besuchen im Rahmen ihres Staatsbürgerkundeunterrichts am 26. Mai 1973 die Nationale Mahn- und Gedenkstätte Buchenwald bei Weimar.
Quelle:  Bundesarchiv, Bild /Jürgen Ludwig

Die Berliner Zeitung berichtet am 26. Mai 1945

[...] Noch ist die Zahl der zur Verfügung stehenden Schulgebäude gering [...] Man kann nur den Kopf schütteln über das, was bei Aufräumarbeiten in verwüsteten Klassenzimmern alles zutage gefördert wurde. [...] Die kommende Generation soll nicht auf den Schlachtfeldern verbluten, sondern [...] in der Lage sein, zu erkennen, daß allein im friedlichen Verkehr mit den Völkern der Schlüssel zu eigenem Wohlergehen liegt.



Re-Education

Da der Nationalsozialismus nicht nur Diktatur, sondern auch Massenbewegung gewesen ist, reicht es nicht, seine Funktionäre durch „Entnazifizierung“ zu ersetzen. Ein wichtiger Bestandteil der angestrebten Demokratisierung ist die „Re-Education“, also die Umerziehung der Bevölkerung. Dabei sind für die Alliierten besonders Medien-, Kultur- und Schulpolitik von Bedeutung.

Plakat der Sowjetischen Militäradministration, 1945: Gemeinsames Ziel der Alliierten ist es, Deutschland so aufzubauen, dass nie wieder ein Krieg von ihm ausgeht.
Quelle:  Bundesarchiv

Nach der Befreiung werden Schulen und Medien unter alliierter Kontrolle neu aufgebaut. Die langfristigen Planungen aber kollidieren nicht selten zunächst mit der Nachkriegsrealität und bald auch mit der neuen Situation im Kalten Krieg. Die Konfrontation der Deutschen mit den begangenen Verbrechen spielt eine immer geringere Rolle.

Filmstills aus: Death Mills, Regie: Hanuš Burger, 1945
Die Todesmühlen

Standbild aus der 1946 in den USA produzierten Dokumentation „Death Mills“. Der Film zeigt explizit die bei der Befreiung der KZ vorgefundenen Zustände und findet noch jahrzehntelang in der westdeutschen Erwachsenenbildung Verwendung.

Der Holocaust findet erst in den 1980er-Jahren flächendeckend seinen Weg in Schulbücher und Geschichtsunterricht. In den Jahrzehnten seit der Wiedervereinigung gilt Deutschland dennoch international zunehmend als Präzedenzfall einer geglückten Erinnerungs- und Gedenkkultur, auch in Kontexten von „Transitional Justice“ und Menschenrechtsbildung.

Chronik 

1945
Bekräftigung einer „Entnazifizierung“ Deutschlands auf der Potsdamer Konferenz  

1948
Entstehung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks in den westlichen Besatzungszonen

1966
Rundfunkansprache Theodor W. Adornos zu „Erziehung nach Auschwitz“

1976
Beutelsbacher Konsens: Überwältigungsverbot und Kontroversitätsgebot in der politischen Bildung

1979
Deutsche Erstausstrahlung der amerikanischen Fernsehserie „Holocaust“

2004
Inkrafttreten eines Berliner Schulgesetzes mit ausgewiesenem Ziel „Bildung gegen Nationalsozialismus“

2020
Deutschland übernimmt den Vorsitz der IHRA (International Holocaust Remembrance Alliance)

Die Berliner Zeitung vom 26. Mai 1945 
Quelle: Archiv Berliner Zeitung 

Texte und Bilder sind größtenteils aus der gemeinsamen Ausstellung Gedenk- und Bildungsstätte Haus der Wannsee-Konferenz und Aktives Museum, Am Großen Wannsee 56 - 58, 14109 Berlin. Öffnungszeiten montags bis sonntags 10 bis 16 Uhr. Die Tafeln sind auch im Foyer des Berliner Verlags, Alte Jakobstraße 105, 10969 Berlin, bis zum 30. Juni in der Zeit von 10 bis 15 Uhr zu sehen.