Care-Pakete: Ab Ende 1946 senden amerikanische Wohlfahrtsorganisationen Nahrungsmittelpakete in die westlichen Besatzungssektoren. Diese Pakete werden als Wohltat empfunden – und inszeniert. Sie stiften ebenso wie die „Rosinenbomber“ während der Blockade Verbundenheit zu den ehemaligen Feinden im Westen.
Quelle: Bundesarchiv, Bildarchiv/ Puck-Archiv

Die Berliner Zeitung berichtet am 25. Mai 1945

Hunger
Quelle.  Archiv Berliner  Zeitung 

Der Hunger und seine Folgen

Durch Ausbeutung der besetzen Gebiete können die Nazis die Nahrungsmittelversorgung derjenigen Bevölkerungsteile, die ihren rassistischen Kriterien entsprechen, lange Zeit auf hohem Niveau halten. Erst Ende des Krieges bricht Hunger aus.

Angepflanzt auf Ruinen: Im Sommer 1945 und 1946 werden überall in Berlin – so auch auf dem Baltenplatz, der wenig später nach dem ersten sowjetischen Stadtkommandanten von Berlin in Bersarinplatz umbenannt wird – Obst und Gemüse angebaut. Der Ertrag der provisorischen Beete ist allerdings allenfalls ein Tropfen auf den heißen Stein.
Foto: Bundesarchiv, Bildarchiv/Otto Donath.

Obgleich selbst alles andere als üppig ausgerüstet, übernimmt die Rote Armee nach der Befreiung die Erstversorgung. Die Opfer von Verfolgung erhalten sogar Extrarationen. Für die anderen reichen die Zuteilungen kaum aus. Viele sind gezwungen, in Ruinen nach Essen und nach Brennmaterial zu suchen und durch den (illegalen) Tauschhandel – auf dem Land oder in der Stadt – zusätzliche Kalorien zu ergattern. Durchziehende Flüchtlinge werden mit einer Suppe und einem Stück Brot abgespeist.


Irmgard Verlag
Praktisches Kochbuch

Mary Hahn: Praktisches Kochbuch für die bürgerliche Küche: Das Buch wird 1953 vom Landeslehrbuchausschuss des Senats von West-Berlin empfohlen. Nach den Entbehrungen wollen sich viele etwas gönnen. Die Fleischportionen wachsen ebenso wie der Konsum von Fett und Eiern bis in die 1980er-Jahre ständig. Bis heute legen die Gerichte nach „deutscher Hausfrauenart“ allzu oft weniger Wert auf den Geschmack als auf die Fülle.

In Folge der Kriegsverwüstungen bleiben die Ernten aber in ganz Europa mager. Trotz Care-Paketen leiden die meisten Menschen in Berlin jahrelang Hunger. Erst 1949, nach dem Ende der sowjetischen Blockade, beginnt sich die Versorgung in beiden Teilen der Stadt zu normalisieren. Die Erfahrung des Hungers prägt diese Generation bis heute.

„Herr Schimpf und Frau Schande“, Plakat, Ost-Berlin 1950: Nach der Währungsreform klaffen die Preise zunehmend auseinander. Viele West-Berlinerinnen und -Berliner decken sich im Osten der Stadt mit staatlich subventionierten Grundnahrungsmitteln ein, obgleich dies öffentlich angeprangert wird. Bis zum Fall der Mauer gehört der Einkauf in den DDR-Intershops für viele zum Alltag.
Quelle:  Bundesarchiv, Berlin
Chronik 

1945 –1947
Dramatische Unterversorgung der Bevölkerung in zwei Hungerwintern

1946
Beginn der Sendung von Care-Paketen

1948 /1949
Überwindung der Blockade West-Berlins durch die West-Alliierte Luftbrücke

1950
Abschaffung der Lebensmittelkarten in der BRD und in West-Berlin. In Berlin gibt es noch einige Zeit eine „Milchkarte“.

1958
Abschaffung der Lebensmittelkarten in der DDR und in Ost-Berlin

1961/1962
Wiedereinführung der zeitweiligen Rationierung bestimmter Lebensmittel in der DDR

2010
Nach offiziellen Angaben sind fast 60 Prozent der Bundesbürger übergewichtig

2020
Die Panikkäufe und das Horten bestimmter Lebensmittel erinnern viele Beobachter an Nachkriegs-Kaufpraktiken

Die Berliner Zeitung vom 25. Mai 1945
Quelle:  Archiv Berliner Zeitung 

Texte und Bilder sind größtenteils aus der gemeinsamen Ausstellung Gedenk- und Bildungsstätte Haus der Wannsee-Konferenz und Aktives Museum, Am Großen Wannsee 56 - 58, 14109 Berlin. Öffnungszeiten montags bis sonntags 10 bis 16 Uhr. Die Tafeln sind auch im Foyer des Berliner Verlags, Alte Jakobstraße 105, 10969 Berlin, bis zum 30. Juni in der Zeit von 10 bis 15 Uhr zu sehen.