Der Dienstplan-Skandal bei der Berliner Polizei nimmt immer größere Ausmaße an: Bereits 95 von 500 Wachpolizisten aus der Direktion 4 (Schöneberg, Steglitz, Zehlendorf, Tempelhof) sollen über Jahre hinweg Dienstpläne manipuliert haben.Der Deal flog Anfang Oktober - wie berichtet - bei einer polizeiinternen Kontrolle auf. Jetzt stöbert die Staatsanwaltschaft in den Dienstunterlagen der Direktion 4 von diesem Jahr. Danach sollen die Jahre 1993 und 1994 durchforstet werden. Den Schwindel gedeckt Bisher wurde die Staatsanwaltschaft 95mal fündig. Wie aus der Justizverwaltung gestern verlautet, waren 90 Wachpolizisten regelmäßig zum Dienst angemeldet, obwohl sie gar nicht anwesend waren. Vier Mitarbeiter deckten mit ihrer Diensteinteilung den Schwindel, und ein Hauptsachbearbeiter hielt die Augen geschlossen, wenn es um die Anwesenheitskontrolle ging. So jedenfalls lauten die Vorwürfe. Der Hauptsachbearbeiter bestreitet seine Beteiligung an dem Deal. Die Polizeiführung hält sich zurück und äußert sich nicht. Sie suspendierte inzwischen vier Wachpolizisten vom Dienst. Einige sollen versetzt worden sein. Gegenwärtig erwägt die Führung, auch andere Direktionen zu überprüfen.Die Nachricht vom Betrug bei der 2 500 Mann starken Wachpolizei schlug wie eine Bombe ein. "Es ist eine Schande für uns", sagte gestern ein Wachpolizist aus der Direktion 3. "Ich gehe mein Lebtag arbeiten und steh' mir vor Botschaften die Beine in den Bauch, und andere bleiben zu Hause und kassieren trotzdem." Gerade habe sich der Rummel um die Freiwillige Polizeireserve (FPR) gelegt, da komme schon der nächste Hammer.Wie manipuliert wurde, ist noch nicht eindeutig geklärt. Geprüft werden mehrere Möglichkeiten. Eine davon: Nach Aussagen aus der Justizverwaltung gibt es bei der Wachpolizei zwei Anwesenheitslisten. Eine handschriftliche Liste und eine Computerliste. Die handschriftliche wird täglich ausgefüllt. Die Daten kommen später in den Computer. Kontrolle nur sporadisch Während das handgeschriebene Schriftstück jedem zugänglich ist, kommen die wenigsten an die Computerlisten heran. Nur die Diensteinteiler kennen sich aus. Für sie ist es ein Kinderspiel, gegen Bezahlung falsche Daten in den Rechner zu geben. "Sie brauchen nur jeden Tag einen Wachpolizisten mehr einzugeben, als zum Dienst erschienen sind", so ein Beamter. Kontrolliert werde das nur sporadisch. Eine Woche bevor der Schwindel herauskam, hatte sich ein Wachpolizist in seiner Gartenlaube in Spandau erschossen. In einem Abschiedsbrief soll er Manipulationen bei der Diensteinteilung eingeräumt haben. +++