Eine Bühne in dieser Größenordnung habe er noch nie gesehen, sagt Peter von Löbbecke. Der Manager des Olympiastadions ist seit 40 Jahren in Hallen, Stadien und auf Messen unterwegs. Aber die Bühne, die für die irische Band U2 und ihre "360°"-Tour gerade in Berlin aufgebaut wird, verschlägt selbst ihm kurz die Sprache. Seit Montag bauen Techniker ein 50 Meter hohes Gebilde auf, das 13 Meter über das Stadiondach hinausragen wird. Am Sonnabend treten U2 mit Frontmann Bono im Olympiastadion auf. Es ist ihr drittes Konzert nach 1993 und 2005 im Stadionrund.Die Besucherzahlen, das kann man jetzt schon sagen, werden die vorherigen Berlin-Besuche toppen. 1993 kamen 40 000 Menschen, 2005 waren es 75 000. Nach Angaben des Konzertbüros Zahlmann, das den U2-Auftritt in Berlin organisiert, wurden für das Konzert am Sonnabend bereits 95 000 Tickets verkauft. Seitdem das Olympiastadion für die Fußball-Weltmeisterschaft 2006 umgebaut wurde, gab es solche Zuschauerzahlen nicht mehr.Wer allerdings jetzt noch Karten haben will, muss tief in die Geldbörse greifen. Nach Angaben des Veranstalters gab es gestern noch etwa 1 500 Restkarten. Einzelplätze wurden ab 87 Euro angeboten, wer mit Freunden oder der Familie zusammensitzen will, musste mindestens 110 Euro pro Ticket bezahlen. Das Konzertbüro weist allerdings darauf hin, dass es zu Beginn des Vorverkaufs Ende März deutlich günstigere Karten gab. "Wir hatten 15 000 Tickets für 39 Euro im Angebot", sagt Burghard Zahlmann vom Konzertbüro. "Die Preise sind der Krise angepasst." Dass der Hauptteil der Karten teurer ist, liege daran, dass sich eine Tour insgesamt auch rechnen müsse. Rund 500 000 Euro Stadionmiete überweisen die Musiker für das Konzert. Bühnenkonstruktion und Technik sind noch einmal deutlich teurer als die Miete.Schließlich wollen die Iren bei ihrer Tour durch ein besonderes Bühnenkonstrukt beeindrucken. Showdirektor Willie Williams und Architekt Mark Fisher schufen eine 360-Grad-Konstruktion, die der Tour auch ihren Namen gibt und die dem Publikum uneingeschränkte Sicht auf die Musiker gewähren soll. Die Bühne steht nicht wie zuletzt bei Depeche Mode am Rande des Innenraums vor dem Marathontor, sondern rückt weiter in die Mitte. Daher konnten auch die Tribünenplätze hinter der Bühne verkauft werden, von denen man sonst nicht auf die Bühne sehen könnte.Zurzeit werden große Gerüsttürme aufgebaut, an denen später das Bühnenhighlight hochgezogen wird: Eine Art vierbeiniger Riesenkrake aus Stahl, der die Bühne überspannt und je nach Lied unterschiedlich ausgeleuchtet wird. Unter ihm werden auch Songs aus dem neuen, zwölften Studioalbum der Band "No line on the horizon" erklingen, das in Deutschland, Frankreich und England Platz 1 erreichte. Am 30. Juni hat die Tour in Barcelona begonnen. Nach Berlin spielen U2 am 3. August noch ein Deutschland-Konzert in Gelsenkirchen.In Berlin müssen sich die Iren die Aufmerksamkeit am Sonnabend mit einem anderen Popstar teilen. Die US-Sängerin Lady Gaga gastiert in der Columbiahalle. Das Konzert ist ausverkauft.Noch Tickets gibt es dagegen für das dritte musikalische Großereignis des Wochenendes, das Konzert "Ein Hartz für Berlin" am Sonntag ab 19 Uhr in der Zitadelle in Spandau. Das längst von der Bühne zurückgetretene Ulk-Rap-Duo Icke & Er hat sich mit dem Ärzte-Trommler Bela B. zusammengetan und ein gut bestücktes Charity-Konzert auf die Beine gestellt. Und das, obwohl alle angesprochenen Musiker sagten, "sie finden Charity erst mal grundsätzlich blöd", wie Icke zu berichten wusste. Diese Abneigung hängt mit Mammut-Veranstaltungen wie Live Aid zusammen, die U2-Mann Bono mitorganisiert und die den Ruf haben, in erster Linie Werbung für die Teilnehmer zu sein. Da die Organisatoren von "Ein Hartz für Berlin" aber zusicherten, dass alle Besucher mit einem Hartz-IV-Nachweis für nur 5 Euro eingelassen würden, ließen sich Branchengrößen wie Peter Fox, Sido, Clueso oder Fettes Brot überreden, auf ihre Gage zu verzichten. Der Erlös soll der Berliner Tafel zugute kommen. Im Vorverkauf gibt es zudem noch Karten für rund 35 Euro.------------------------------Foto: Voriges Wochenende warben Icke & Er im Mauerpark für ihr Konzert.------------------------------Foto: Krakenarme, Videoleinwände und eine rundum einsehbare Bühne: So wie hier in Paris wollen U2 auch in Berlin beeindrucken.

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