Der 71-jährige Abdallah Frangi habe sich nicht gerade um diesen Job gerissen, heißt es in Palästinenser-Kreisen. Anfang Juli hatte Präsident Mahmud Abbas seinen persönlichen Berater zum Gouverneur von Gaza ernannt. Da hatten sich die beiden großen palästinensischen Gruppierungen Hamas und Fatah gerade wieder versöhnt und eine Einheitsregierung gebildet. Beobachter aber prophezeiten schon den nächsten Gaza-Krieg, der tatsächlich wenige Tage später begann. Nun sitzt Frangi dort im Bombenhagel und gibt Interviews für Zeitungen, Fernsehsender, Radiostationen. Darin spricht er von den vielen Opfern der israelischen Angriffe, von der Angst der Kinder und von den Zerstörungen.

Er tut dies in perfektem Deutsch: Schon von 1974 an war er offizieller Vertreter der Palästinensischen Befreiungsorganisation (PLO) in Deutschland, von 1993 bis 2005 dann der Generaldelegierte der Autonomiegebiete, also quasi der Botschafter des noch nicht existenten palästinensischen Staates in Deutschland. Auch zu jener Zeit schon war er auf den Bildschirmen präsent, erzählte vom Aufbau der eigenen Regierung nach dem Friedensabkommen mit Israel, von Wahlen, von Erfolgen – mit den Jahren dann aber immer öfter von Rückschlägen und Vertragsverletzungen durch Israel.

Kritik an der Palästinenser-Führung wehrte er stets ab: Er stand PLO-Chef Arafat nahe und gehörte zu dessen säkularer Fatah, der größten PLO-Fraktion. Und trotz diplomatischer Zurückhaltung brach ab und an seine Guerilla-Vergangenheit durch. Frangis Familie, ein Beduinen- und Landbesitzer-Clan aus Beerscheva im heutigen Israel, war im ersten arabisch-israelischen Krieg 1948 erst nach Gaza, während der Suezkrise 1956 dann nach Kairo geflüchtet. Von 1963 bis 1972 studierte der Heimatlose zwar ganz bürgerlich in Frankfurt am Main Medizin, hatte aber nebenbei in Algerien auch eine Militärausbildung absolviert. Danach war er – nicht nur politisch – in den von Israel besetzten Gebieten aktiv. Seine Guerilla-Zeit jedoch war kurz, den größten Teil seines Lebens diente er der PLO als Diplomat.

Distanzierte Haltung zur Hamas

Frangi ist mit einer Deutschen verheiratet, er liebt dieses Land. Zu Ausfällen gegen Israel hat er sich nie verstiegen, seine Haltung zur Hamas war immer distanziert. Zum einen, weil die Islamistentruppe sich als stärkster Konkurrent der Fatah etablierte. Zum anderen wegen ideologischer Differenzen mit den religiösen Fanatikern.

Fragen nach der Hamas weicht er jetzt aus: Sie habe den Waffenstillstand nicht einfach so abgelehnt, sagt er zum Beispiel, sondern wolle über die strangulierende Blockade des Gazastreifens sprechen und Antworten haben, wie dessen Zukunft aussieht. Weiter will und kann der Diplomat wegen seiner Funktion und in dieser Situation nicht gehen.

Nach dem Tod seines Sohnes, der 2011 in Berlin an einem Herzinfarkt starb, hätte er sich gern aus der Politik zurückgezogen, sagte er Freunden. Aber er ist ein disziplinierter Fatah-Funktionär. Und so sitzt er nun in Gaza-Stadt, versucht Hilfe zu organisieren, auf das Leid der Bewohner aufmerksam zu machen, mit Interviews und Fernsehauftritten den Kontakt für Gaza zur Außenwelt zu halten.