Kairo - Der deutsch-ägyptische Schriftsteller Hamed Abdel-Samad ist wieder frei. Das bestätigte sein Bruder Mahmoud in einem kurzen Telefongespräch mit dieser Zeitung: „Ich bin auf dem Weg zu ihm. Genaueres werden wir in Kürze wissen und mitteilen“, kündigte er an und seine Stimme überschlug sich vor Begeisterung: „Es geht ihm gut“, fügte er hinzu, bevor er das Gespräch beendete.

Kurz darauf bestätigte das Auswärtige Amt, dass sich Abdel-Samad in der Obhut des deutschen Botschafters in Kairo befinde.

Damit geht ein zwei Tage andauerndes Bangen um das Schicksal des bekannten deutsch-ägyptischen Schriftstellers zu Ende. Am Sonntagnachmittag war er auf mysteriöse Weise verschwunden. Er hatte sich auf den Weg in den Azhar-Park gemacht, weil er dort eine Verabredung hatte. Wen er dort treffen wollte und ob es zu dem Treffen kam, ist bislang unklar. Gegen kurz vor vier hatte er sich noch einmal gemeldet und berichtet, dass ihm ein schwarzes Auto folge. Kurz darauf wurde sein Handy abgeschaltet. Seitdem fehlte von dem 41-Jährigen jede Spur. Die ägyptischen Behörden gingen von einer Entführung aus. Doch von wem und warum?

In Deutschland ist er für seine islamkritischen Schriften bekannt. Gemeinsam mit Henryk M. Broder produzierte er eine TV-Serie. „Entweder Broder“ nannten sie ihre Reise durch Deutschland. Bei einem Abstecher nach Dänemark besuchten sie auch den Zeichner der umstrittenen Mohammed-Karikaturen.

Manche der Bücher von Abdel- Samad wurden auch ins Arabische übersetzt. In Ägypten ist besonders sein kürzlich erschienenes „Mein Abschied vom Himmel“ umstritten. Er bekennt sich darin zum Atheismus – und das ist in Ägypten tabu. Allerdings sind seine Schriften nur in einem kleinen Kreis von Intellektuellen bekannt und Abdel-Samad machte sich erst dadurch einen Namen, dass er im Frühjahr einen Vortrag beim Verein der Säkularen hielt und das Video davon anschließend im Internet kursierte.

Unter dem Titel „Der islamische Faschismus“ kritisierte er nicht nur die Islamisten als intolerant und gewalttätig. Er vertritt auch die These, dass die Wurzeln dieser radikalen Gedanken bereits vom Propheten Mohammed in der Religion verankert wurden. Direkte Kritik am Propheten ist in Ägypten ebenso tabu, und so zog sich Abdel-Samad den Zorn der Islamisten zu. Scheich Assem Abdel Meguid, Vorsitzender der ehemals militanten Gamaat al Islamiyya nannte ihn einen Feind des Islams und rief zu seiner Tötung auf. Abdel-Samad tauchte daraufhin kurzfristig unter und bekam bei Besuchen in Kairo Personenschutz.

Mitte November war er nun wieder nach Kairo gekommen. Er wollte nach Angaben seines Bruders die Familie besuchen, aber er hatte auch geschäftliche Gründe. Vor einigen Monaten hatte Abdel-Samad mehrere Hunderttausend Euro in eine Fabrik am Stadtrand von Kairo investiert. Das Geschäft platzte.