Die Elefantendame Pang Pha im Zoo ist hochträchtig. Ob es ein kleiner Bulle wird oder eine Kuh, weiß noch niemand. Aber jeder kann sich ausmalen, was nach der Geburt passieren wird: Die Menschen werden sich vor dem Gehege drängeln und immer wieder jubeln: "Ach, das Kleine, wie süß!"Wenn es um Tiere geht, sind die Menschen ähnlich ungerecht wie mit ihresgleichen: Sie überschütten die Jungen mit Aufmerksamkeit - als wäre Jungsein ein Verdienst. Als im Tierpark vor vier Jahren kurz hintereinander drei Elefanten geboren wurden, trieb das die Besucherzahlen um fast 50 Prozent nach oben. Noch extremer war es bei Knut. Als der Eisbär vor zwei Jahren erstmals im Zoo öffentlich gezeigt wurde, legte er quasi den Betrieb lahm. Noch heute ist Knut weltberühmt und eine Attraktion. Doch angesichts des fast 180 Kilo schweren Bären mit dem schmutzigen Fell ist so manch Besucher enttäuscht. "Ach, der ist ja gar nicht mehr süß", heißt es dann. "Der sieht ja schon so alt aus."Knut ist zwar erst ein Halbstarker - aber er hat beste Chancen, tatsächlich richtig alt zu werden. Während Eisbären in der Natur etwa 20 Jahre leben, können sie in Gefangenschaft fast doppelt so alt werden. Eisbären sind nicht die einzigen Tiere, die in menschlicher Obhut deutlich älter werden als ihre frei lebenden Artgenossen. "Das trifft praktisch auf alle Arten zu", sagt Ragnar Kühne, der als wissenschaftlicher Mitarbeiter im Zoo arbeitet und dort unter anderem für die Flusspferde zuständig ist. Dass Tiere in Zoos so ungewöhnlich alt werden, liegt zum einen daran, dass sie ihren natürlichen Feinden nicht begegnen können und dass sie optimal ernährt werden. Zum anderen werden sie von Ärzten umsorgt. Gebrochene Beine, Krebsgeschwüre oder Diabetes sind für wilde Tiere ein Todesurteil. In Zoos sind sie erst einmal ein Fall für den Veterinär. Und da in vielen Tiergärten auch immer mehr ältere Tiere leben, ist der Tierarzt inzwischen auch oft Geriatriker - ein Spezialist für die Alten.Als vor 180 Jahren in Europa die ersten Zoos gegründet wurden, starben die Tiere dort oft nach wenigen Monaten. Meist an Krankheiten, mit denen sie sich bei Pflegern oder Besuchern infiziert hatten, zum Beispiel an Tuberkulose. Nicht selten gingen die Tiere auch an den Folgen einseitiger oder falscher Ernährung zugrunde. In manchen Zoos wurden Affen vor allem mit Bananen und Erdnüssen gefüttert - als Folge wurden sie fett und starben an Überfettung oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Auch die schlechten hygienischen Bedingungen in den kargen Gehegen führten zum Tod vieler Tiere.Zoos waren anfangs Museen mit lebenden Tieren, und der Artenschutz spielte keine Rolle. Bis in die 1970er-Jahre wurden viele Tiere in der Wildnis gefangen, verschifft und dann in die Zoos gebracht. Als klar wurde, dass damit auch zur Ausrottung von Tieren beigetragen wird, endete diese Form der Tierbeschaffung. 80 Staaten unterzeichneten 1973 das Washingtoner Artenschutzübereinkommen. Seither züchten die Tierparks ihre Tiere selbst oder tauschen untereinander. Und wer züchten will, muss gute Lebensbedingungen für seine Tiere schaffen - was wiederum eine gute Voraussetzung für ein längeres Leben ist.So war es auch bei Flusspferd Bulette aus dem Zoo: Das große Tier, das bei Besuchern sehr beliebt war, starb Ende 2006 im Alter von 53 Jahren und wurde damit 13 Jahre älter als seine wilden Artgenossen. "Bulette hatte bei uns kritische Phasen, hat sich aber immer wieder berappelt", sagt Kühne. "In der Natur hätte sie da keine Chance gehabt." Bei Säugetieren gelte: Je größer ein Tier, desto älter könne es werden. Die höchste Lebenserwartung haben Schwertwale mit 100 Jahren, Elefanten können 60 Jahre alt werden.In den vergangenen Jahren hat sich in den Zoos viel verbessert für alte Tiere. Spezielle Futtersorten wurden entwickelt und Erkenntnisse über altersbedingte Krankheiten gewonnen. "Nicht zu unterschätzen ist, dass auch die Pfleger erfahrener geworden sind im Umgang mit den Alten", sagt Ragnar Kühne.Bei den Menschen beginnt das Altwerden für gewöhnlich, wenn sie keine Kinder mehr bekommen können. Doch wann sind Tiere alt? Wenn sie gleichaltrige Artgenossen überleben? Oder ihre Eltern? Tiere altern anders als Menschen. Ihn fallen keine Haare aus - und Federn erst recht nicht. "Und anders als Menschen verlieren Tiere auch im Alter nicht die Fähigkeit, Nachwuchs zu zeugen oder zu bekommen", sagt Kühne. Das sei ihr Lebenszweck. Ein Huftier bekommt so lange Nachwuchs, bis es stirbt.Doch es gibt auch Ausnahmen im Tierreich - zum Beispiel Affen, Elefanten und Wale. "Sie leben weiter, obwohl sie keinen Nachwuchs mehr bekommen", sagt Kühne. "Sie leben weiter, weil sie noch gebraucht werden." Affen beispielsweise erziehen die Jungen und schützen die Gruppe vor Angreifern.Die Krankheitssymptome alter Tiere gleichen denen alter Menschen: Gazellen erkranken an Krebs, Löwen werden inkontinent, Gorillas bekommen Hautgeschwüre. Und ähnlich ignorant wie viele Menschen gehen auch Tiere mit ihren alten Artgenossen um. "Tiere können brutal sein", sagt Kurator Ragnar Kühne. "Vor allem Herdentiere verstoßen die Alten." In der Natur, wo die Herde nur so schnell sein kann wie das langsamste Tier, sei das überlebensnotwendig - auch wenn das ausgestoßene Tier damit dem sicheren Tod preisgegeben wird. In Menschenobhut aber wartet kein Raubtier, sondern der Pfleger. Seine Aufgabe ist es dann, die Tiere separat von den Artgenossen weiter zu pflegen. "Aber Herdentiere und andere soziale Tiere leiden sehr unter dieser Isolation."Aber auch bei alten Tieren stellt sich irgendwann die Frage, ob sie nicht zu sehr leiden und deshalb erlöst werden sollten. Ob ein Tier getötet wird oder nicht, entscheiden Pfleger, Kuratoren und Ärzte gemeinsam. Und selbst nach dem Tod sind die Tiere noch wertvoll für die Wissenschaftler: Jedes Tier wird obduziert - um Erkenntnisse über Körper, Krankheiten oder Todesursache zu erlangen. Bestattet werden und wurden Zoo-Tiere noch nie. Wenn kein Museum den Kadaver zum Präparieren benötigt, werden sie in Tierkörperbeseitigungsanlagen entsorgt.Früher wurden tote Tiere so schnell wie möglich aus den Gehegen geholt. In einigen Zoos hat sich das geändert: Hochentwickelte Tiere, beispielsweise Affen, können sich von ihren toten Artgenossen verabschieden. "Sie würden das tote Tier sonst tagelang suchen", sagt Ragnar Kühne.------------------------------Zoologischer GartenDer Zoologische Garten wurde am 1. August 1844 nach dreijähriger Bauzeit eröffnet und ist damit der älteste Zoo Deutschlands. In den ersten 25 Jahren war die Zahl der Besucher aber sehr gering - der Zoo lag außerhalb der Stadt, der Fußweg dorthin war sehr weit.Ein Jahr nach Gründung wurde der Zoo zu einem Aktienverein. Ziel war es, die wirtschaftliche Lage zu verbessern. Bis heute befinden sich 3 999 Aktien in Privatbesitz, eine gehört dem Land Berlin.Der erste hauptamtliche Zoodirektor, Heinrich Bodinus, brachte ab 1869 den Aufschwung. Er ließ exotische Tierhäuser errichten. Das erste war 1871 ein Antilopenhaus mit vier Minaretten, dann folgten ein Elefantenhaus (indischer Stil), ein Straußenhaus (ägyptisch) und ein Einhuferhaus (arabisch).1913 eröffnete auf dem Gelände ein dreigeschossiges Aquarium, nach dem Ersten Weltkrieg und der Weltwirtschaftskrise wurden vor allem Freigehege gebaut. Die Tiere wurden bei Expeditionen gefangen.Vor dem Zweiten Weltkrieg lebten im Zoo unter anderen 1 196 Säugetiere und 2 519 Vögel. Während des Krieges wurde der Zoo schwer beschädigt. Nur 91 Tiere überlebten, darunter zwei Löwen, ein Flusspferd, ein Elefant, ein Schimpanse und ein Schuhschnabel.Erst zehn Jahre nach Kriegsende konnte der planmäßige Wiederaufbau beginnen. Auch der Ausbau wurde fortgesetzt. In den 1980er-Jahren wurde das Erweiterungsgelände am Landwehrkanal eröffnet. Heute hat der Zoo eine Fläche von 35 Hektar. Ende 2008 lebten dort 15 126 Tiere.Seit 1994 gehört auch der Tierpark zur Zoo AG, der Tierbestand beider Einrichtungen wurde ausgetauscht und angepasst.Geöffnet ist der Zoo (Hardenbergplatz, Bahnhof Zoologischer Garten) zurzeit täglich von 9 bis 17 Uhr, ab 21. März bis 19.30 Uhr. Der Eintritt kostet 12 Euro, ermäßigt 9 Euro, für Zoo und Aquarium 18 Euro, ermäßigt 14 Euro.------------------------------TierparkDer Tierpark wurde am 2. Juli 1955 auf dem Gelände des Schlossparks Friedrichsfelde eröffnet. Am Bau der Anlage arbeiteten zahlreiche Ostberliner im sogenannten Nationalen Aufbauwerk mit. Erster Direktor war Heinrich Dathe. Er führte den Park bis zu seiner Ablösung im Jahr 1991.Der erste Bewohner war ein Schäferhund, er sollte das Gelände während des Baus bewachen. Dann folgten ein Trampeltier und ein Schwarzstorch. Am Tag der Eröffnung lebten bereits 400 Tiere in 120 Arten im Tierpark.Als erstes Tierhaus wurde 1963 das Alfred-Brehm-Haus eröffnet, ein Raubtierhaus mit einer begehbaren Tropenhalle. Kurz vor dem Fall der Mauer wurde 1989 das Dickhäuterhaus eingeweiht. Heute verfügt der Tierpark über etwa ein Dutzend Tierhäuser.Seit 2007 haben Tierpark und Zoo einen gemeinsamen Direktor.Der Tierpark hat eine Fläche von 160 Hektar, im Park wachsen etwa 8 600 Bäume. Ende 2008 lebten im Tierpark 7 699 Tiere.Geöffnet ist der Tierpark (Straße Am Tierpark, U-Bahnhof Tierpark) zurzeit täglich von 9 bis 17 Uhr, ab 21. März bis 19 Uhr. Der Eintritt kostet 11 Euro, ermäßigt 8 Euro.------------------------------Foto: KNICKI, ROSAPELIKAN:Auf ihre alten Tage hat sich Knicki einen flotten Beschützer gesucht - einen deutlich jüngeren Rosapelikan, der weitaus größer ist als sie selbst. Der Jüngling, der dementsprechend viel Fläche zum Wärmen und Anlehnen bietet, sitzt gern neben dem kleinen Weibchen. 51 Jahre ist es her, dass Rosapelikan Knicki aus Moskau in den Tierpark nach Friedrichsfelde gebracht wurde - was ihr bei den Pflegern den Beinamen "Das Russenweib" einbrachte. Ihren Namen verdankt sie übrigens der Tatsache, dass einer ihrer großen Flügel einen leichten Knick aufweist. Die lange Lebenszeit hat inzwischen deutliche Spuren bei Knicki hinterlassen: Ein Auge des Pelikanweibchens hat sich eingetrübt und auch ihr Gefieder sieht inzwischen etwas mitgenommen aus. Sechs von weltweit sieben Pelikan-Arten zeigt der Tierpark, aber keiner der großen Vögel hat jemals Knickis Alter erreicht. "Sie ist unser Methusalem", sagt Kurator Christian Kern. "Und mit über 40 Jahren hat sie sogar noch Eier gelegt." In freier Wildbahn haben Pelikane eine Lebenserwartung von maximal 30 Jahren.------------------------------Foto: THIRA (SOMALI-WILDESEL): Dass Thira alt ist, kann man unschwer an ihrem Gesicht erkennen, sagt Pfleger Wolfgang Riesbeck: "Um die Augen hat sie Falten." Doch nicht nur das lässt das ungewöhnlich hohe Alter der Stute erahnen - das 29 Jahre alte Tier, dessen Heimat die Steinwüsten von Somalia und Äthiopien sind, ist mittlerweile gedrungener als die jüngeren Weibchen der Herde. Die lange Lebensdauer liegt Thira im Blut. Schon ihr Vater, der in den 70er-Jahren als erster Vertreter seiner Art in den Tierpark kam, wurde 31 Jahre alt, zehn Jahre älter als in freier Wildbahn. "Er war der älteste Somali-Wildesel in Menschenobhut", sagt Säugetierkurator Christian Kern. Das hohe Alter Thiras hat inzwischen auch erste Folgen: Die Stute sieht nicht mehr besonders gut und kann auch nicht mehr gut zubeißen. Sie bekommt nun zerkleinertes, gepresstes Heu - speziell für alte Pferde.------------------------------Foto: PITTI, SPIESSHIRSCH:Spießhirsch Pitti ist ein wahrer Greis. Mit seinen 19 Jahren liegt er bereits sieben Jahre über der durchschnittlichen Lebenserwartung der kleinen südamerikanischen Hirsche. Dafür hat der nur kniehohe Senior allerdings auch einige Wehwehchen. "Pitti hinkt, weil er Arthrose hat", sagt Andreas Appel, stellvertretender Reviertierpfleger. Der kleine Hirsch, der auf dem Zoo-Erweiterungsgelände lebt, ist der Einzige seiner Art - und Zeit seines Lebens Single. "Wir haben ihn zwischenzeitlich mit einem Wasserschwein gehalten, das auch allein war", sagt Kurator Ragnar Kühne. Die beiden fast gleichgroßen Tiere hätten sich gut verstanden und bisweilen sogar miteinander gekuschelt. Inzwischen lebt Pitti mit Guanakos und Pampashasen zusammen. Charakterlich verändert habe er sich mit zunehmendem Alter nicht. "Er war schon immer sehr ruhig", sagt sein Tierpfleger. "Nur bei Kälte geht er nicht mehr so gern raus."------------------------------Foto: KANADISCHER TRUTHAHNGEIER: Tierpark-Besucher hat der kanadische Truthahn-Geier noch nie zu Gesicht bekommen - gemeinsam mit einem Weibchen lebt er abseits von den Spazierwegen in einer besonderen Voliere. Die Vögel, die vor 50 Jahren im kanadischen Winnipeg geschlüpft sind und 1961 in den Tierpark kamen, sorgen dort hinter den Kulissen für Nachwuchs. "Erst im vergangenen Jahr haben sie noch einmal gebrütet", sagt Pflegerin Katrin Ansorg. Mit 49 Jahren sei das für Truthahngeier außerordentlich ungewöhnlich. Mit einer Einschränkung: Das Pärchen ist zwar gut im Eierlegen, kümmert sich aber nicht um die Aufzucht. "Wir mussten die Jungen selbst aufpäppeln", sagt die Pflegerin. Zu erkennen ist das hohe Alter der Truthahngeier nicht - Vögel bekommen keine graue Federn. "Für kleinere Geier wie diese sind 50 Jahre sehr viel", sagt Kurator Christian Kern. In der Wildnis werden diese Vögel nicht mal halb so alt, beide gelten mit als die ältesten ihrer Art in menschlicher Obhut.------------------------------Foto: MAO, CHINA- ALLIGATOR: Wie alt Mao ganz genau ist, weiß niemand - aber zu übersehen ist sein hohes Alter es nicht. Dem China-Alligator, der seit 1957 im Tierpark lebt, fehlen einige Zähne. "Er bekommt aber trotzdem noch ganz normales Futter, Hühnchen und Ratten zum Beispiel", sagt Kurator Christian Kern. Etwa 1,60 Meter groß ist der Alligator. "Als wir ihn als Geschenk aus Peking bekamen, war er schon ausgewachsen." Je nach Haltungsbedingungen könne das schnell vonstatten gegangen sein oder langsamer. "Auf jeden Fall ist er einer der ältesten China-Alligatoren weltweit." Mao, der seinen Namen von seinem damaligen Pfleger erhielt, wird mittlerweile allein gehalten. "Er ist noch immer sehr eigenwillig. Und obwohl ihm Zähne fehlen, frisst er noch immer gut."------------------------------Foto: KILAGUNI, SPITZMAULNASHORN: Kilagunis Zähne machen nicht mehr so richtig mit. "Sie brechen ab", sagt Jürgen Jahr, der das 35 Jahre alte Spitzmaulnashorn seit drei Jahrzehnten betreut. Und weil die Zähne nicht mehr so robust sind, lässt die Seniorin mit dem auffällig nach vorn gebogenen Horn hartes Brot inzwischen liegen. Die Pfleger im Zoo versorgen sie nun zunehmend mit weicheren Lebensmitteln. "Kilaguni bekommt von uns aufgekochte Haferflocken", sagt Pfleger Jürgen Jahr. Die maroden Zähne sind aber nicht die einzigen Anzeichen ihres fortgeschrittenen Alters: Die ledrige Haut des Nashorns hat Pusteln. "Damit sie nicht austrocknet, reiben wir sie mit Paraffin-Öl ein, das wir mit Wasser verdünnen", sagt ihr Pfleger. Doch nicht nur körperlich hat sich die vierfache Mutter verändert. "Im Vergleich zu früher ist sie heute viel ruhiger und abgeklärter." Mit ihren 35 Jahren ist Kilaguni längst im Seniorenalter - in der Natur werden Spitzmaulnashörner maximal 25 bis 30 Jahre alt.------------------------------Foto: BAO BAO, GROSSER PANDA: Auf 115 Kilogramm Gewicht kommt Bao Bao schon lange nicht mehr. "Er hat jetzt 105 Kilo", sagt Tierpflegerin Nicole Marczalek, die den Panda seit nunmehr 15 Jahren im Zoo betreut. Mit seinen 30 Jahren ist Bao Bao der älteste Panda weltweit in Menschenobhut. "Man sieht, dass er alt ist", sagt seine Pflegerin. "Sein Kopf wird immer schmaler." Der Senior, der seit dem Tod von Panda-Bärin Yan Yan im Jahr 2007 allein lebt, sei immer noch gut drauf. "Und er frisst auch gut." 1980 war Bao Bao mit Weibchen Tjen Tjen aus Peking in den Zoo gekommen - als Geschenk der chinesischen Regierung an Kanzler Helmut Schmidt. Doch weder mit Tjen Tjen, die bereits 1984 starb, noch mit Nachfolgerin Yan Yan zeugte Bao Bao Nachwuchs. Auch ein Abstecher nach London verlief ohne Erfolg. "Bao Bao hat dem Weibchen dort nur ein Stück Ohr abgebissen", sagt Kurator Ragnar Kühne. Nun fristet der Bär seinen Lebensabend allein. Ziemlich minimalistisch: "Er frisst oder er schläft."------------------------------Foto: JOSTA, SEELÖWIN: Als Josta 2003 mit einer Artgenossin aus Amsterdam in den Zoo kam, hatte das Alter bereits einen ersten Tribut gefordert: Die Seelöwin war blind. "Damals war Josta 24, und selbst das war für einen Zoo-Seelöwen sehr alt", sagt Kurator Ragnar Kühne. Ob es nun an ihrem Alter lag oder an der Blindheit - Josta kam von Anfang an mit den anderen Seelöwen nicht klar. "Sie hat beim Fressen keine Fische abbekommen", sagt Kühne. Als dann die anderen Tiere nach ihr schnappten, entschied man, sie von ihren Artgenossen zu separieren. Seitdem lebt das blinde Tier mit vier Seehunden zusammen. "Die sind viel friedlicher", so der Kurator. Trotz ihres hohen Alters ist Josta völlig gesund, und trotz ihrer Blindheit findet sie sich gut im Wasser zurecht - dank der langen Fühlhaare an der Schnauze, den sogenannten Vibrissen. Wegen ihrer Blindheit erhält Josta das Futter allerdings direkt aus der Hand der Pfleger. In der Natur hätte ein blinder Seelöwe keine Überlebenschance. "Er würde verhungern oder selbst gefressen werden."------------------------------Karte: Berlin hat zwei Zoos - eine Folge des Mauerbaus.------------------------------Früher starben Zoo-Tiere an Krankheiten, mit denen sie sich bei Pflegern infiziert hatten - zum Beispiel Tuberkulose.------------------------------In der Natur ist ein ausgestoßenes Tier dem Tod preisgegeben. Im Zoo aber wartet kein Raubtier, sondern der Pfleger.