Mitten im Wald stehen die drei Häuser. Sonst gibt es hier nichts: Keine Kneipe, keinen Laden, keinen Dorfanger. Nur Bäume. Als die Häuser am Anfang des vorigen Jahrhunderts gebaut wurden, zogen dort die Familien der Bergleute ein, die im nahen Tagebau Welzow (Spree-Neiße) ihr Geld verdienten."Das Gebiet lag so weit entfernt vom eigentlichen Ortskern, dass alle nur sagten, das ist so weit weg wie Sibirien", erklärt Hardi Stange, der Vorsitzende des Heimatvereins, den Namen des Welzower Ortsteils.Sibirien - der Name bedeutet so viel wie "schlafendes Land" - war früher schwer zu erreichen. Und wenn, dann nur zu Fuß oder mit dem Fahrrad. Die Grubenbahn, die die Kohle nach Welzow oder Haidemühl brachte, trennte die kleine Enklave von der eigentlichen Stadt Welzow. Bis dann eine Brücke über die Gleise gebaut wurde und es somit einen sicheren Überweg gab.Die Brücke aber ist längst weggerissen worden. Ebenso wie die Gleise der Grubenbahn. Hardi Stange erzählt, dass die beiden Brikettfabriken in Welzow nach dem Krieg im Zuge der Reparation demontiert und in die Sowjetunion verschickt wurden. Die Brikettfabrik im nahegelegenen Haidemühl arbeitete bis 1980. Auch den Teich, der durch die Flutung eines Tagebaus in Sibirien entstanden ist, gibt es nicht mehr, sagt der Heimatvereinschef. Früher seien die Welzower dort im Sommern gerne baden gegangen, erzählt Hardi Stange.Kohle wird in der Nähe von Sibirien noch immer abgebaut. Der Tagebau steht nur wenige Kilometer vor den drei Häusern Sibiriens, die zum "Wohngebiet 5" von Welzow gehören. 400 Menschen leben in diesem Areal. Bis zum Jahr 2020 müssen sie der Kohle weichen. Geplant ist, sie innerhalb Welzows umzusiedeln.Einsam ist es zwar in dem abgelegenen Ortsteil - aber im Winter lange nicht so kalt wie im russischen Sibirien. (kbi.)In Brandenburg gibt es 420 Städte und Großgemeinden. Viele von ihnen - oder ihre Ortsteile - tragen ungewöhnliche Namen. Jeden Sonnabend stellen wir einen der Orte vor.