TOKIO, 11. Oktober. Auch Japan bestimmt gegenwärtig seine internationale Rolle neu und erwägt eine aktive Unterstützung des US-Militäreinsatzes. In der Verfassung des Landes wurde nach dem Endes des Zweiten Weltkrieges allerdings eine Verzichtserklärung auf Krieg und auf jegliche Drohung mit und Anwendung von Gewalt als Mittel zur Lösung internationaler Streitigkeiten festgeschrieben; deshalb werden in Japan auch nur so genannte Selbstverteidigungskräfte unterhalten. An diesem Mittwoch aber debattierte das Parlament über eine mögliche Beteiligung japanischer Truppen an der internationalen Anti-Terror-Allianz. "Wir werden zur Lachnummer"Die regierende Liberal-Demokratische Partei von Ministerpräsident Junichiro Koizumi, die eine logistische Unterstützung der US-Army durch japanische Soldaten befürwortet, drückt aufs Tempo. "Da die Operationen der USA bereits laufen, werden wir zu einer weltweiten Lachnummer, wenn wir hier in aller Ruhe die Gesetzesvorlagen diskutieren", fürchtet LDP-Parlamentarier Seishiro Eto. Zur Entscheidung stehen zwei vom Kabinett befürwortete Vorschläge, wonach Japans Selbstverteidigungskräfte erstmals zur "nichtkämpferischen Unterstützung" ins Ausland geschickt werden dürfen - gedacht ist an die Einrichtung von Lazaretten und an Transportaufgaben. Gleichzeitig sollen die US- Stützpunkte in Japan militärisch von japanischen Truppen im Krisenfall verteidigt werden. Die dafür eigentlich notwendige Änderung der pazifistischen Verfassung will Regierungschef Koizumi aber mit dem Verweis auf die Dringlichkeit der besondere Lage offenbar umgehen.Ein Militäreinsatz wäre nicht nur für viele Japaner ein Tabubruch. Auch China zeigt wenig Verständnis für die Entsendung von japanischen Kriegsschiffen und -flugzeugen. Peking fürchtet, Tokio nutze die internationale Krise, um sein militärisches Profil zu schärfen. Koizumi scheint dennoch entschlossen zu sein, seinen Kurs durchzusetzen. Mit der Landung der ersten beiden C-130H-Transportflugzeuge in Islamabad, die Zelte, Decken und Wasserkanister an Bord hatten, hat er bereits Tatsachen geschaffen: Die Militärangehörigen sind erstmals - wenn auch nur leicht - bewaffnet. Der Tokioter Regierungschef will Japan damit auch zum ersten Mal aus der viel kritisierten Rolle befreien, immer nur das Scheckbuch zu zücken, wie es etwa im Golfkonflikt der Fall war. Vor knapp zehn Jahren hatte Japan noch jede aktive Beteiligung abgelehnt. Obwohl Tokio damals 13 Milliarden Dollar - ein Fünftel der Kosten des internationalen Truppeneinsatzes gegen Irak - beisteuerte, wurde diese Hilfe weitgehend übersehen. "In einer Dank-Kampagne Kuweits in US-Publikationen", so konstatierte die Zeitung "Yomiuri Shimbun" in ihrem eindringlichen Appell für ein aktives Engagement, "wurden 30 Länder gewürdigt. Japan war nicht dabei."