WILMERSDORF/ZEHLENDORF Die Pappkameraden haben ausgedient, Schutzwände werden abgerissen: Der ehemalige Schießplatz der GIs unweit der Avus wird geräumt. Vier der fünf einstigen Militärstandorte der US-Streitkräfte im Grunewald sollen der Natur zurückgegeben werden.So groß wie 15 Fußballfelder ist der Schießplatz Keerons Range. 40 Jahre lang übten dort amerikanische Soldaten. Vor allem mit Gewehren wurde geschossen. Ein spezieller Stand wurde für Pistolen und ein anderer für Panzer genutzt.Eine Erd- und Tiefbaufirma baut zur Zeit die fast sieben Meter hohen stählernen Schutzvorrichtungen ab. Die hinterste Wand, die auch den letzten Schuß abfangen mußte, ist mit 20 Zentimeter dicken Betonplatten und Holzbohlen verstärkt. Rund drei Tonnen Bleikugeln haben die Männer des Abriß-Unternehmens schon aus dem Sand gesiebt, der am Fuße der Wand als Puffer aufgeschüttet war.Sandsäcke mußten offenbar auch die komplizierte Technik schützen, berichtet Polier Göran von Grzegorzeusky. Die Treffer wurden vollelektronisch angezeigt. Rund 100 Pappkameraden befanden sich in den Unterständen, und während der Übung wurden etliche hochgezogen, mal in größerer, mal in kleinerer Entfernung von den Schützen. Die Beton- und Stahlwände sind noch in guter Verfassung. Kein Wunder, denn der Schießplatz ist erst Ende der achtziger Jahre erneuert worden. Der Polier ist sich sicher, daß die abgebauten Platten zum Beispiel für Gewerbehallen wieder zu verwenden sind.Die Natur hat bereits von dem stillgelegten Schießplatz Besitz ergriffen. Waldkräuter sprießen, und auf einem Holzhaufen sitzt eine Wildente in ihrem Nest. Ein paar Schritte hin brütet eine Bachstelze. Andrea Jänicke vom Landesforstamt, die nun Ex-Keerons Range betreut, sieht das gern, denn das Gelände des Schießplatzes soll wieder ganz natürlich in den Grunewald eingefügt werden. "Eine Hälfte der Fläche wird zu einer großen Waldwiese, auf der anderen werden in Zukunft auch Bäume stehen, die schon seit langem im Grunewald heimisch sind. Die besorgen wir nicht in der Baumschule, die wachsen von allein."Noch drei weitere ehemalige Standorte der US-Streitkräfte im Grunewald sollen der Natur und den Wanderern zurückgegeben werden. Dazu gehört das ehemalige Munitionsdepot Grunewald Area, wie es im US-Militärslang hieß. Es wird zur Zeit zu einer Binnendüne aufgeschüttet und soll Ende dieses Jahres fertig sein. Auch das Gelände des Munitionsdepots Dachsberg Area, das von den Förstern bereits in Dachsheide umgetauft wurde, soll wieder in die grüne Umgebung eingepaßt werden und eine Trockengras-Weide besitzen. Die Arbeiten stehen kurz vor dem Abschluß.Bereits geräumt ist die ehemalige Antennenstation im Jagen 87. Durch die Renaturierung der vier Militärstützpunkte wird die Fläche des Grunewalds wieder um 40,2 Hektar größer. Was mit der einstigen Abhörzentrale auf dem Teufelsberg geschieht, ist noch fraglich. Wie berichtet, will ein Kölner Investor auf dem Gelände ein Hotel, Restaurant, Veranstaltungsräume und Wohnungen errichten. Der Bezirk lehnt solch eine intensive Bebauung ab. Deshalb zog Bausenator Jürgen Kleemann (CDU) das Verfahren an sich. Heide Schlebeck +++