BERLIN. Der deutsche Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) mochte es nicht bei kleinen Worten belassen. Es sei ein Meilenstein auf dem Weg der konventionellen Rüstungskontrolle, dass gut 100 Staaten sich auf eine Ächtung von Streubomben verständigt hätten. Und auch Norwegens Ministerpräsident Jens Stoltenberg war sich sicher: "Die Welt wird nicht mehr dieselbe sein, wenn diese bestialische Waffenart nun endlich verboten und vernichtet wird."In Wirklichkeit ist der Meilenstein eher ein Meilensteinchen. Denn die größten Produzenten- und Verwender-Staaten der vor allem für die Zivilbevölkerung gefährlichen Waffen blieben der Unterzeichnung der Konvention im Rathaus von Oslo, wo auch die Friedensnobelpreise verliehen werden, fern. Diese Staaten - darunter die USA, Russland, China, Indien, Pakistan und Israel - besitzen zusammen gut zwei Drittel der weltweiten Streubomben-Vorräte. Zuletzt bezichtigten sich Russland und Georgien gegenseitig, bei den Kämpfen im August Streubomben eingesetzt zu haben.Der Vertrag wurde nach jahrelangen Verhandlungen im Mai in Dublin ausgehandelt. Er ächtet die Entwicklung, Herstellung, Lagerung und Anwendung von Streubomben. Das Abkommen sieht vor, dass alle existierenden Bestände innerhalb von acht Jahren beseitigt werden müssen.Die Sprecherin der Hilfsorganisation Handicap International, Eva-Maria Fischer, freute sich darüber, dass der Vertrag Hilfsleistungen für zivile Streubomben-Opfer regelt. Sie kritisierte jedoch, dass auf Betreiben der USA Ausnahmeregelungen in den Vertrag aufgenommen wurden. Diese lassen etwa eine militärische Zusammenarbeit zwischen Unterzeichnerstaaten und Nicht-Unterzeichnern zu.Genau an diesem Punkt wollen die Bundestagsfraktionen von SPD und Union ansetzen. Die Bundesregierung soll bei den Bündnispartner darauf drängen, bei gemeinsamen Militäreinsätzen auf Streubomben zu verzichten, heißt es in einem gemeinsamen Antrag der Fraktionen, der heute in den Bundestag eingebracht wird. Die USA, so eine weitere Forderung, sollen ihre Streubombenbestände, die auf deutschem Boden lagern, abziehen. Zudem sollen die Streubomben der Bundeswehr nicht in einem Zeitraum von acht Jahren, sondern bereits innerhalb von vier Jahren vernichtet werden. Deutschland müsse eine Vorreiterrolle einnehmen, sagte der SPD-Abgeordnete Andreas Weigel der Berliner Zeitung. Auch deswegen müsse der Bundestag die Anti-Streubomben-Abmachung noch im ersten Halbjahr 2009 ratifizieren. Die Konvention gilt erst als verbindlich, wenn sie 30 Staaten verabschiedet haben.Weigel sagte, die Konvention sei ein erster großer Erfolg. Er hoffe, dass der Ächtungsprozess nun eine eigene Dynamik gewinne und auch jene Staaten, die dem Vertrag von Oslo noch nicht beigetreten sind, auf den Einsatz der Streubomben verzichten.------------------------------Viele kleine Sprengkörper in einem großenIn Deutschland wurden Streubomben erfunden und im Zweiten Weltkrieg erstmals eingesetzt.Eine Streubombe - englisch: Cluster bomb - besteht aus einem Behälter mit bis zu 600 kleinen Sprengkörpern. Sie kann aus einem Flugzeug abgeworfen oder mit Raketen und als Granaten verschossen werden.Heimtückisch ist diese Waffe, weil bei bis zu 40 Prozent der Zündmechanismus der "Submunition" versagt. Nicht explodierte Bomben und Granaten auf Äckern und Straßen bergen auch Jahre nach einem Krieg Gefahren. Bei Berührung gehen die Blindgänger hoch und treffen oft Zivilisten.13 000 Tote und Verletzte durch Streubomben hat die Organisation "Handicap international" registriert. Gleichzeitig geht sie von einer Dunkelziffer von 100 000 Opfern aus.Besonders verseucht mit dieser Munition sind laut Bündnis gegen Streubomben (Cluster Munition Coalition, kurz CMC) über 30 Länder - darunter Irak, Afghanistan, Kambodscha, Libanon, Kosovo, Bosnien und Kroatien.Hergestellt werden Streubomben in 34 Ländern. Hauptproduzenten sind USA, China, Russland, Israel, Indien und Pakistan. Eingesetzt haben diese spezielle Munition laut CMC 14 Staaten, darunter auch Frankreich.------------------------------Grafik: Streubombe Cluster Bomb Unit------------------------------"Zu viele Menschen haben Arme oder Beine verloren." Norwegens Ministerpräsident Stoltenberg------------------------------Foto: Ein Spezialist untersucht nahe der libanesischen Stadt Ouazaiyeg eine nicht explodierte Streubombe. Die nun geächtete Munition wurde im Krieg zwischen Israel und Libanon im Jahr 2006 eingesetzt.