Acht Jahre lebte Max Schmeling in Bad Saarow - nur wenig erinnert daran: Hochzeit in der Dorfkirche

BAD SAAROW. Berühmte Personen der Zeitgeschichte hinterlassen normalerweise deutliche Spuren an den Orten, an denen sie lebten. Fast immer finden sich Menschen, die Straßen nach ihnen benennen, Gedenktafeln aufstellen oder anders den Stolz dokumentieren, einen der Großen eine Zeit lang in ihrer Mitte gehabt zu haben. Acht Jahre lebte der Boxer Max Schmeling in Bad Saarow. Seine Spuren sind heute jedoch kaum noch auffindbar.Man braucht schon einen wie Reinhard Kiesewetter, um Schmelings Spuren, die er zwischen 1930 und 1938 in Bad Saarow hinterließ, heute noch zu finden. Kiesewetter, 1924 geboren, war früher dort Ortschronist. Heute nennt er sich Heimatforscher, weil er seiner Liebe für die Geschichte des kleinen Ortes am Scharmützelsee nur noch privat nachgeht. Kiesewetter hat die vielen Prominenten, die Anfang bis Mitte des vergangenen Jahrhunderts in der Villenkolonie eine Art ruhigen und beschaulichen Vorort von Berlin sahen, in seinem Arbeitszimmer versammelt. Für jeden hat er eine Akte angelegt. Eine trägt den Namen Max Schmeling.Yachtsteuer nicht bezahltZwischen den grünen Pappdeckeln hat Kiesewetter Zeitungsartikel aufgehoben, Kuriositäten wie eine Mahnung an Schmeling, der seine Yachtsteuer nicht bezahlt hatte, und Zeitzeugenberichte. "Anny trug ein Gedicht aus zarter Spitze", berichtet einer, der dabei war, von der Hochzeit Schmelings mit der Filmschauspielerin Anny Ondra. Und dann: "Die Orgel erbrauste." Kiesewetter lacht beim Vorlesen. "Es war doch nur ein kleines Harmonium, auf dem der Dorflehrer spielte", sagt er. Das Paar heiratete am 22. Juli 1933 in der winzigen Saarower Dorfkirche. Die Kirche gibt es noch. Etwas verloren steht sie auf einem übergroßen Dorfanger. Kiesewetter zufolge, war sie ursprünglich viel größer geplant. Aber 1922, mitten im Bau und mitten in der Inflation, entschied man sich, es beim fertigen Chorraum zu belassen.Der Heimatforscher besitzt auch zahlreiche Fotos von dem berühmten Boxer. Sie zeigen Schmeling im Porträt, seine Hochzeit, seine Häuser. Spitz ragt der Giebel des reetgedeckten Hauses, in dem Schmeling wohnte, auf der historischen Aufnahme in die Höhe. Davor Max und Anny beim Ballspiel. Im eigenen Schwimmbecken auf einer anderen Aufnahme, Grillpartys, Kaffeetafeln. Bis 1933 wohnte Schmeling dort allein. Nach der Hochzeit zog Anny Ondra mit ein. Wer das Haus heute ansehen möchte, muss ein wenig suchen und Fantasie mitbringen. Es steht etwas abgelegen, inmitten einer wunderschönen Wiesenlandschaft auf einem Hügelrücken - dem Dudel. Das Dach ist heute aus Ziegeln, nachdem das Haus 1936 und noch einmal 1952 in Brand geraten war. Beim Wiederaufbau wurde die Dachform verändert. Das schlanke hohe Haus wirkt heute breit und groß. Vom Klingeln rät Kiesewetter ab. Der heutige Bewohner wolle ungestört bleiben.Folgt man der Straße weiter und durchquert auf einem Feldweg das Schilf, erreicht man einen anderen Teil der Villenkolonie, die mehr als 100 Prominente bewohnten. An der Moorstraße stand einmal Schmelings zweites Haus. Eigentlich war nicht er es, sondern seine Frau, die dort bauen ließ. Eine Villa für ihre Mutter sollte es werden. Sie starb allerdings, bevor das Haus fertig wurde, und so zogen dort, nachdem ein Blitz 1936 ihr Reetdach in Brand gesteckt hatte, Max und Anny ein.Haus des DDR-StahlkombinatsDas Ehepaar Gabriele und Stephan Kühnreich hat 18 Jahre lang in der ebenfalls schilfgedeckten Villa gearbeitet. Als Gastronomen für das Eko-Stahlwerk, dem das Gebäude als Gästehaus diente. Nach der Wende ging das Haus an die Treuhand, noch ein paar Jahre kamen weiter Gäste. Bis 1998. Dann wurde es verpachtet, sollte versteigert werden. Dazu kam es jedoch nicht mehr. Am 14. August 2001 brannte die Villa nach Brandstiftung bis auf die Grundmauern nieder. "Seit diesem Tag bin ich nie wieder dort gewesen", sagt Gabriele Kühnreich. Sie wollte weder die Ruine, noch das was dann daraus wurde ansehen müssen. Heute steht an dieser Stelle ein modernes Wohnhaus. An die Reetdachvilla und an Max Schmeling erinnert hier nichts mehr.Reinhard Kiesewetter hat auch von diesem Haus Bilder in einem seiner Ordner. Allerdings in jenem, der den Namen Anny Ondra trägt - Kiesewetter nimmt es sehr genau. Und Schmeling hielt sich ja auch nicht sehr lange in der Villa auf. Noch 1936 verließ er Saarow ganz. Er kehrte Zeit seines Lebens nicht wieder zurück. Vielleicht erklärt das die Zurückhaltung der Ortsansässigen mit dem öffentlichen Andenken. Vielleicht hat es auch damit zu tun, dass die Nazis ihn nach seinem spektakulären Sieg 1936 über Joe Louis für sich entdeckt hatten. Offiziell gibt es über Schmelings Zeit in Saarow, wie die Internetauftritte der Behörden zeigen, jedenfalls nur wenig zu sagen: "Der legendäre Boxer Max Schmeling lebte hier von 1930 bis 1938". Punkt.------------------------------Haus mit Pool // Foto: 1930 beauftragte Max Schmeling seinen Manager, für ihn ein Grundstück in der Villenkolonie von Saarow zu kaufen. Bis zu seiner Heirat mit der Schauspielerin Anny Ondra 1933 wohnte der Boxer dort allein.Vor dem Haus gab es einen Swimmingpool. Drinnen besaß der Sportler einen Boxring mit Blick in den Garten. 1936 setzte ein Blitz das Reetdach in Brand.------------------------------Foto: In der kleinen Kirche von Bad Saarow heiratete Max Schmeling am 22. Juli 1933 die Schauspielerin Anny Ondra.