Die Senatsverkehrsverwaltung soll einen möglichst langen Straßenzug versuchsweise für Rollschuhfahrer freigeben. Das hat Alexander Kaczmarek, verkehrspolitischer Sprecher der CDU-Fraktion, am Freitag gefordert. So könnte getestet werden, ob die Zulassung von Inline-Skatern zum Straßenverkehr das Unfallrisiko erhöht. Die "Skater-Route" sollte möglichst durch breite Tempo-30-Straßen verlaufen, damit Zusammenstöße mit Autos vermieden werden. "Wichtig ist, dass nicht nur ein kleiner Bereich, sondern eine längere Strecke für Skater freigegeben wird - vergleichbar mit der Fahrradroute, die über den Südwestkorso in Wilmersdorf zur Freien Universität führt", sagte der Berliner CDU-Abgeordnete während einer von ihm einberufenen Anhörung zum Thema Inline-Skating. AOK: Hohe Kosten durch Unfälle Die eingeladenen Experten akzeptierten Kaczmareks Vorschlag. "Mit einem Test in den Außenbezirken könnten wir uns anfreunden", sagte Wolfgang Wruck von der Innung des Berliner Taxigewerbes. "Gegen einen Modellversuch hätten wir nichts einzuwenden", sagte Eberhard Waldau vom Allgemeinen Deutschen Automobil-Club (ADAC) Berlin-Brandenburg. Er schlug Lichterfelde als Testgebiet vor. "Ein solcher Versuch kann aber nur der kleinste gemeinsame Nenner sein", gab Jan-Philipp Sexauer, Veranstalter der Skater-Demo "Blade Night", zu bedenken. "Besser wäre es, in Berlin gleich ein Netz von Skaterrouten zu schaffen, auf dem man von A nach B gelangen kann. Wir dürfen nicht allzu ängstlich sein." Für ihn ist das Inline-Skating ein "nachhaltiges Massenphänomen, nicht nur eine Mode". Rollschuhe seien ein ideales Verkehrsmittel: "Inline-Skates sind abgasfrei, lautlos und brauchen keine Parkplätze."Forschungsergebnisse, wonach nur jeder vierte Inline-Skater das Bremsen beherrscht, sieht Sexauer gelassen: "Dieses Problem wird nicht dadurch gelöst, dass man es den Skatern verwehrt, im Verkehr Erfahrungen zu machen." Die herrschende rechtliche Einschätzung, wonach Rollschuhe als Spiel- und Sportgeräte auf die Gehwege gehören, erkennt der Rechtsanwalt nicht an: "Auch Autos sind sowohl Sportgeräte als auch Verkehrsmittel." Aus seiner Sicht gebe es "kein Menschenrecht, als Autofahrer jederzeit mit dem größtmöglichen Tempo durch die Stadt zu fahren". Sexauers Forderungen: Skater sollen auf Straßen und ausreichend breiten Radwegen fahren dürfen. Auf Magistralen sind Schutzstreifen für Skater und Radler zu markieren. Zuvor sollten während eines Versuchs alle Straßen an Sonntagen für Rollschuhfahrer geöffnet werden."Skates sind als Sportgeräte auf den Markt gekommen. Sie haben nichts auf den Straßen zu suchen", entgegnete Taxi-Innungs-Chef Wruck. "Wer trägt eigentlich die Verantwortung, wenn ein Autofahrer einem unsicheren Inline-Skater ausweicht und in parkende Autos fährt?" ADAC-Vorstand Waldau hält den Vorschlag, das Fortbewegungsmittel auf Radwegen zuzulassen, ebenfalls für Unsinn: "Die meisten Fahrradwege sind zu schmal. Ergebnis wäre ein höheres Unfallrisiko." Barbara Mansfield, Spreche- rin der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG), lehnt Skaten auf Busspuren ab: "Wir wollen unsere Fahrgäste so schnell wie möglich transportieren. Das wird schwierig, wenn wir auf unseren Busspuren nicht mehr vorankommen." Sie bemängelte, dass Skater-Veranstaltungen den BVG-Verkehr weiträumig lahm legen. Für die "Blade Night" werden mehrere Straßenbahnlinien unterbrochen. "Nur 17 Prozent der Inline-Skater tragen korrekte Schutzkleidung", sagte Ottmar W. Lehmann von der Allgemeinen Ortskrankenkasse (AOK) Berlin. Jedes Jahr müssten die Kassen "einen dreistelligen Millionenbetrag" für die medizinische Behandlung verunglückter Skater aufwenden. Sexauer hält dies nicht für so dramatisch: "Die Kosten, die durch Verletzungen beim Freizeitfußball entstehen, sind höher." 1999 starben in Deutschland 7 761 Menschen bei Verkehrsunfällen: "Niemand käme auf die Idee zu sagen, jetzt laufen wir nur noch."DEMOS AUF ACHT ROLLEN Der Kurfürstendamm ist Schauplatz der City-Nacht // Laufen und Skaten ist das Motto der 9. City-Nacht des SCC Berlin. Der Parcours beginnt an diesem Sonnabend um 19. 30 Uhr am Europa-Center (Tauentzienstraße). Er führt rund zehn Kilometer über den Kurfürstendamm. Anmeldungen sind ab 17 Uhr auf dem Breitscheidplatz möglich. Durch den Tiergarten kann ebenfalls gefahrlos "geskatet" werden. Die Sportjugend lässt die John-Foster-Dulles-Allee (vom Haus der Kulturen der Welt bis Spreeweg) wieder sonnabends und sonntags sperren. Von 10 bis 20 Uhr haben dort Rollschuhfahrer freie Bahn (bis zum 3. September).Zwei Skater-Demos gibt es inzwischen. Am 16. August um 21 Uhr startet die nächste "Blade Night" wie gewohnt am S-Bahnhof Tiergarten zu einer Rundfahrt zum Strausberger Platz und zurück. Am 11. August um 21 Uhr beginnt auf dem Parkplatz Alexanderstraße (Mitte) die "Berlin-Parade".Lokale Touren kommen in Mode. Am 9. September bittet die Schüler Union Wuhletal und Wilhelmsberg zur "Night of Skates 2000", einer Demo für bessere Bildung und die Integration von Skatern in den Verkehr. Start: 19 Uhr, Ring-Center (Frankfurter Allee, Lichtenberg). Ziel: Helle Mitte, Hellersdorf.BERLINER ZEITUNG/KATRIN BORN Auf dieser Route führt die 9. City-Nacht an diesem Sonnabend durch die westliche Innenstadt von Berlin."Wir dürfen bei einem Modellversuch nicht allzu ängstlich sein. " Jan-Philipp Sexauer, Organisator der Berliner Blade Night

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