BERLIN. Adrian Ramos, der neue Mittelstürmer von Hertha BSC, sammelt gerade fleißig Bonusmeilen. Der 23-Jährige, der am Montag einen Vierjahresvertrag unterschrieb, war erst am Sonntagabend aus seiner Heimat Kolumbien in Berlin eingeflogen, nun ist er bereits wieder auf dem Rückflug. Am Sonnabend soll er in Medellín für sein Land in der WM-Qualifikation gegen Ecuador antreten, kommende Woche in Montevideo gegen Uruguay. "Das ist schade, aber nicht zu ändern", sagt Herthas Trainer Lucien Favre.Favre hat bei diesem Transfer, der bei den Neuverpflichtungen - es kommen auch Florian Kringe und der Brasilianer César - als Königstransfer gilt, gegen seine Prinzipien gehandelt. Er hat Ramos nicht live gesehen. "Aber unsere Scouts haben ihn oft beobachtet und waren begeistert", sagt Favre, "ich habe Ramos auf DVD studiert. Er ist ein Stürmer mit Charakter." Bei seiner Vorstellung hockte er eher schüchtern auf dem Podium und bedankte sich artig bei seinem neuen Arbeitgeber: "Vorstand und Trainer vertrauen mir. Ich werde das durch Arbeit rechtfertigen."Sven Kretschmer, Scout bei Hertha BSC, sagt: "Adrian Ramos ist außerhalb des Platzes ein ruhiger Typ, aber auf dem Rasen zeigt er tolle Qualitäten." Kretschmer hat Ramos mehrmals beobachtet - in der kolumbianischen Liga und in einem Länderspiel gegen El Salvador. "Ramos ist groß, schnell und technisch stark", beschreibt er den ersten Kolumbianer im Hertha-Trikot, "und Ramos hat einen großen Aktionsradius. Da erinnert er ein wenig an Andrej Woronin, ist aber natürlich ein ganz anderer Typ." Über das dichte Netz von Informanten, das Hertha seit Jahren in Südamerika unterhält, wurde der Bundesligist auf Ramos von América de Cali aufmerksam.Wie stark die kolumbianische Liga einzuschätzen ist, konnte selbst Favre nicht schlüssig beantworten. Sie gilt hinter der brasilianischen und argentinischen aber als drittstärkste Liga in Südamerika. Kretschmer sagt: "Das Niveaugefälle ist groß, aber die Spitzenklubs wie Cali haben Qualität." Ramos soll rund 1,4 Millionen Euro Ablöse gekostet haben. "Wir hoffen, er kann seine Klasse schnell in der Bundesliga zeigen", sagt Sven Kretschmer.César kann allesLeichter als Ramos wird wahrscheinlich Clederson César de Souza, 30, zu integrieren sein. Der besitzt Erfahrung im europäischen Fußball, wurde unter Favre mit dem FC Zürich zweimal Schweizer Meister. Er ist ein Profi nach dem Geschmack des Trainers, denn "der kann beinahe alles spielen", so Favre, "im linken Mittelfeld, als 9 1/2 hinter den Spitzen oder sogar Linksverteidiger." Dass César im Herbst 2007 bei Al Ahli in Dubai anheuerte, stört Favre nicht. Mit dem ablösefreien Brasilianer kann Hertha nur wenig falsch machen - er besitzt vorerst einen Kontrakt bis Saisonende. César hatte einst beim FC Zürich einen legendären Einstand. Im Pokalhalbfinale gegen die Grasshoppers, die 6:5 nach Verlängerung gewannen, bejubelte der gelbbelastete César seinen Treffer zum zwischenzeitlichen 5:2 für den FC, indem er auf den Zaun in der Fankurve kletterte. Referee Urs Meier quittierte den Jubel mit Platzverweis.------------------------------Foto: Die Mütze sitzt: Herthas César.Foto: Die Frisur auch: Herthas Ramos.