Die Alternative für Deutschland hat durchaus auch Humor: Bei Youtube zeigt die Anti-Euro-Partei Puppenfilme, in denen Parteichef Bernd Lucke durch den beschlipsten Stoffhund Lucky verkörpert wird. In einer Folge trifft Lucky auf „Herrn Tritt-Ihn“ und dessen Helfer. Sie verprügeln den armen Lucky, sobald der vom Euro-Ausstieg spricht – für den die echte AfD sich im wahren Leben einsetzt. Luckys Pointe: „Das verstehen die also unter Meinungsfreiheit?“

Dieses Bild pflegt die AfD längst auch im Ernst: Als einzige Alternative zu den Etablierten werde sie angefeindet – von Medien, Meinungsforschern und Linken bis zur Gewalt. Wer Mut zur Wahrheit habe, legt die Partei nahe, wird unterdrückt – und braucht jede Stimme.

Das Puppenspiel stellte die AfD zum Beispiel am 27. August ins Netz – drei Tage, nachdem der echte Lucke bei einer Rede in Bremen von zwei Unbekannten über die Bühne geschubst wurde. Auch danach reagierte Lucke humorvoll. „Das hat den Unterhaltungswert meiner Rede sehr erhöht“, sagte er lachend, als er weitersprach. „Es ist nichts passiert, wie Sie sehen.“

Bundesweite Berichte

Doch als die AfD später eine Pressemitteilung aufsetzte, war Schluss mit lustig: „Sechs bis sieben Vermummte, vermutlich dem linksautonomen Lager zuzurechnen, von denen wenigstens einer mit einem Messer bewaffnet war“, hätten die Bühne gestürmt und „versprühten Reizgas, wodurch ein Dutzend Personen Atemwegsverletzungen davontrugen“. Von 20 bis 25 Autonomen ist die Rede; ein AfD-Helfer sei sogar mit einem Messer verletzt worden.

Die Bremer Polizei, die die Angaben zunächst bestätigt und so für bundesweite Berichte gesorgt hatte, korrigierte diese Darstellung bald darauf. Ihre Meldung habe auf AfD-Angaben beruht, erklärte sie. „Ein Messer war keineswegs im Spiel“, sagte Polizeichef Lutz Müller, auf der Bühne waren nur „drei bis vier Protestierer“. Doch die AfD bleibt bei ihrer Klage über das „Attentat“ und sieht gehäufte linke Angriffe. Lucke spricht von „Schlägertruppen wie in der Weimarer Republik“.

Es ist nicht das erste Mal, dass die AfD Angriffe schildern, die sich nicht belegen lassen. Im August berichtete ein Göttinger Mitglied von Vermummten vor und einem Brandanschlag auf sein Haus. Die Polizei fand allerdings keine Spuren. Ebenfalls in Göttingen prangerte die AfD an, 60 Polizisten hätten ihren Infostand schützen müssen. Die Polizei dementierte. Auch an Drohanrufen, die AfD-Mitglieder immer wieder beklagen, zweifeln die Behörden.

Nun lässt sich nicht leugnen, dass der AfD-Wahlkampf in Göttingen massiv gestört wird. Die Antifa ruft zum Übermalen und Beschädigen ihrer Plakate auf, zu jedem AfD-Infostand gibt es kleine Gegendemos. Erstaunlich ist nur: Der AfD scheint das gerade recht zu kommen. Sie spricht von „links motiviertem Terror“. Während andere Parteien beschmierte Poster anzeigen und ersetzen, plakatiert die AfD eigene Banner darüber: „So werden wir diffamiert!“ Der Grünen Jugend wirft sie vor, sie rufe zu Gewalt gegen sie auf. Belege dafür gibt es keine.

„Sozialer Bodensatz“

Auch ein Infoblatt der Jungen Piraten und Grünen Jugend, das die AfD als rechts und gefährlich bezeichnet, lässt die nicht als Meinungsfreiheit gelten – sondern klagt öffentlichkeitswirksam dagegen. Es sei eine „böswillige Unterstellung“, dass die AfD rassistisch sei. Dabei fordert Parteichef Lucke, dass Rumänien die Sozialleistungen für Sinti und Roma in Deutschland zahlt. Am vergangenen Freitag zitierte ihn die Süddeutsche Zeitung damit, dass manche Einwanderer „eine Art sozialen Bodensatz bilden, der lebenslang in unseren Sozialsystemen verharrt“.

Dennoch erzürnt es AfD-Funktionäre, wenn die Presse sie rechtspopulistisch nennt. Auch deshalb werde die AfD tätlich angegriffen, klagt Niedersachsens AfD-Landesvorsitzender Ulrich Abramowski. Im Netz sammeln AfD-Anhänger Namen und Fotos von Journalisten und Politikern, die sich kritisch über die Partei äußerten. Lucke distanzierte sich – seine Partei wirbt auf ihrer Facebookseite freilich weiter für den Pranger.

Die AfD-Fans sehen sich als unterdrückte Mehrheit. Dass die Umfragen dem widersprechen, hält die AfD ebenfalls für eine Verschwörung. Lucke warf den Demoskopen vor, von der AfD gelieferte Rohdaten herunterzumanipulieren. Dagegen klagt wiederum das Meinungsforschungsinstitut Forsa.