Aliens leben unter uns. Die Öffentlichkeit soll nichts erfahren. Doch die Agenten der FBI-Abteilung "Akte X" ermitteln. Nur ist dem Ermittlerpaar Fox Mulder (David Duchovny) und Dana Scully (Gillian Anderson) gerade das Büro abgebrannt und beide müssen deshalb für ein Anti-Terror-Programm arbeiten. So werden sie Zeugen einer Explosion, die ein Hochhaus in Dallas zerstört. Ein Spezialist für fremdartige Verschwörungen enthüllt Mulder, daß die Sprengung dazu diente, unauffällig ein paar Tote verschwinden zu lassen. Die Körper wurden schon zu Beginn von "Akte X Der Film" gruselig dahingerafft, durch Mörder-Viren, mit deren Hilfe sich außerirdische Eindringlinge auf der Erde vermehren.Dana Scully und Fox Mulder leben in einer Welt voller Verschwörungen. Genau genommen hält sie eine einzige, alles umspannende Konspiration in Bewegung. Von einer Folge der TV-Serie "Akte X" zur anderen gehen sie mysteriösen Spuren fremden Lebens nach und treffen regelmäßig auf dunkle Mächte. Die Geschichten, die die X-Akten erzählen, sind undurchsichtig und schwerverständlich, was möglicherweise zum großen Erfolg des TV-Konzepts beigetragen hat. Denn so bekommt der Zuschauer fast ein lebensechtes Gefühl für die düsteren Verstrickungen einer richtigen Konspiration. Gleichzeitig kann sich der Fan in einen Fachmann verwandeln, der gleichsam im Schatten der Agenten Scully und Mulder mitermittelt, indem er versucht, die Andeutungen zu dechiffrieren. Mehr als in jeder anderen TV-Serie findet man in "Akte X" eben so viel Intelligenz, wie man als Zuschauer zu investieren bereit ist. Dieses clevere Konzept hat "Akte X" zweifellos den Ruf verschafft, eine der intelligentesten Serien zu sein, wenngleich Hauptdarsteller David Duchovny in "Entertainment Weekly" erklärte: "Wenn wir je die Geheimnisse hinter all dem enthüllen würden, wäre die Show als lächerlicher kleiner Schwindel entlarvt."Im Auftrag der TretminenlobbyDer Kinofilm zur Fernsehserie beginnt, wo die letzte US-TV-Folge endete. Er soll eine Brücke schlagen zum nächsten, dem sechsten Serienjahr. Aber natürlich sollen sich in der Kinoversion auch bisherige "Akte-X"-Ignoranten amüsieren können. Also setzt man auf Action plus Verschwörung. Das funktioniert. "Akte X Der Film" hält den Zuschauer in Spannung. Wer sich allerdings daran gewöhnt hat, mitzudenken, findet allzuviele unerklärliche Wendungen (müßte ein mächtiges Syndikat wirklich ein Hochhaus sprengen, um drei Leichen verschwinden zu lassen?). Der Schwindel, von dem Duchovny spricht, ist etwas zu offensichtlich.Verschwörungstheoretiker allerdings finden auch in "Akte X Der Film" genügend Andeutungen, über die sich der Kopf zerbrechen läßt. Armin Mueller-Stahl etwa spielt einen deutschen Weltverschwörer mit dem Namen eines Wissenschaftlers, der im Dritten Reich Experimente an Gefangenen ausführte und nach dem Krieg am US-Weltraumprogramm mitarbeiten durfte. Das zerstörte Hochhaus sieht der Ruine sehr ähnlich, die vom Anschlag in Oklahoma übrigblieb ein Ereignis, daß Gerüchte über konspirative Hintergründe nicht verstummen läßt. Und erinnert der mysteriöse Virus nicht an Theorien, wonach der HI-Virus künstlich erzeugt war, um Homosexuelle oder Schwarze zu töten?Wie Hinweisschilder verweisen diese Story-Elemente auf verschiedene Verschwörungstheorien außerhalb von Film und Serie. Das verleiht "Akte X" einen ausgesprochen aktuellen Touch. Amerikaner lieben Verschwörungstheorien; drei Viertel von ihnen glauben an eine oder mehrere. Die Hälfte aller Amerikaner ist davon überzeugt, daß der CIA hinter dem Mord an Präsident Kennedy stand, jeder Zehnte glaubt, daß die Mondlandung in der Wüste von Nevada für Kameras gestellt wurde. Die TWA Maschine 800 muß vom Himmel geschossen worden sein, Prinzessin Diana kam um im Auftrag der Queen oder der Tretminenlobby. Viele sind überzeugt, daß 1947 im Süden der USA fliegende Untertassen landeten und die Regierung entsprechendes Material bis heute unter Verschluß hält.Ihre phantasiefördernde Wirkung macht Verschwörungen zu einem beliebten Filmthema. Viele Verschwörungs-Phantasien sind freilich weitaus witziger als die Filme, die daraus gemacht werden. Etwa die Onassis-Theorie, an die Mel Gibson in "Fletchers Visionen" (Originaltitel: "Conspiracy Theory") erinnert. Stephanie Caruanas, eine Autorin des Playgirl-Magazins, behauptete, der Reeder Onassis sei der oberste Mafiaboss gewesen und habe dem Präsidentenpaar Roosevelt Heroin besorgt. Angeblich ließ er auch John F. Kennedy umbringen, weil dieser keinen Krieg gegen Kuba führen wollte. Nach alter Mafia-Manier habe "Big O" Jaqueline übernommen, das Mädchen des erledigten Feindes.Von einem anderen Verschwörungsfan, dem ultrarechten Lyndon LaRouche, stammt die erstaunliche Zuordnung der amerikanischen Hippie-Band Greatful Dead zum britischen Geheimdienst (ebenfalls zitiert in "Conspiracy Theory"). Gar nicht so unwahrscheinlich, denn schließlich, so LaRouche, dealt die Queen mit Drogen. Auch Dr. John Coleman warnt vor britischen Untergrundbewegungen. In seinem Buch "Conspirators Hierarchy" behauptet er: "Das Phänomen Beatles war keine spontane Rebellion Jugendlicher. Vielmehr war es ein sorgfältig erarbeiteter Plot, ... ein höchst zerstörerisches und polarisierendes Element, das in eine große Bevölkerungsgruppe eingeführt wurde mit dem Ziel, diese gegen ihren Willen zu ändern."Natürlich bedient sich auch die Politik der Verschwörungstheorien. Clinton ist ein beliebtes Opfer. "Kein Präsident stand so oft im Zentrum von Verschwörungstheorien", schreibt das "New York Times Magazine". Clinton-Hasser unterstellen dem Präsidenten mehr als 50 Morde, Drogengeschäfte und jede Menge anderer Verbrechen. Die organisierte Verbreitung dieser Gerüchte durch die politische Rechte in den USA trägt tatsächlich die Zeichen einer Verschwörung.Im Angesicht von WatergateVerschwörungsfans sagen: "Daß ich paranoid bin, heißt noch nicht, daß ich nicht Recht habe." Dann weisen sie auf offensichtliche Lügen der offiziellen Politik hin wie es Oliver Stone in "JFK" gemacht hat. Andere Regierungslügen, etwa im Zusammenhang mit Watergate oder mit Strahlenexperimenten, die in den USA 1974 mit uninformierten Bürgern ausgeführt wurden, gaben Verschwörungstheorien zweifellos neue Nahrung. Auch "Akte-X"-Macher Chris Carter zehrte davon: "Meine Paranoia entwickelte sich während des Watergate-Skandals." Wer nicht mehr den Autoritäten glaubt, aber an irgendetwas glauben muß, der glaubt eben an eine umfassende Konspiration. Im Kino kann das ganz kurzweilig sein.