Geschwätzigkeit kann bestraft werden, erst recht, wenn man als Amtsträger interne Informationen preisgibt. Ein 38jähriger Mitarbeiter eines Berliner Finanzamtes ist jetzt vom Amtsgericht Tiergarten wegen Verletzung von Betriebsgeheimnissen zu einer Geldstrafe von 60 Tagessätzen zu je 120 Mark verurteilt worden. Richterin Breyer sah es als erwiesen an, daß Klaus B., ein Beamter im gehobenen Dienst, seinem Nachbarn beim Plausch über den Gartenzaun Informationen weitergegeben hat. Er soll ihm erzählt haben, daß dem Autohändler W. in einem benachbarten Brandenburger Ort eine Betriebsprüfung des Finanzamtes ins Haus steht, weil er 2,2 Millionen Mark Steuergelder hinterzogen habe. In den Augen der Richterin "eine nicht unerhebliche Indiskretion". Klaus B. stritt alles ab. Mit dem Nachbarn habe er nur gefachsimpelt, über die Gewinne von Autohändlern im Umland und deren Steuervorteile. "In Brandenburg prüft doch kein Finanzamt" war der Nachbar überzeugt. Klaus B. will ihn nur ganz allgemein eines Besseren belehrt haben: "Ich kriege immer das Lächeln, wenn Unkundige über Steuern reden." Wenige Tage nach dem Plausch klingelte aber im Autohaus W. das Telefon. Der 36jährigen Kfz-Meister Andreas G. erhielt einen Anruf von einer früheren engen Freundin. "Es könnte sein, daß deine Firma wackelt", warnte sie ihn. "Spring mal langsam ab." Wegen fehlender 2,2 Millionen Mark stehe eine Prüfung ins Haus. Sie wisse es genau, von einem Bekannten. Die Dame war niemand anderes als die Frau des Nachbarn, mit dem der Finanzbeamte am Gartenzaun geplaudert hatte. Ihr Ex-Freund und jetziger Kfz-Meister ­ "wir zahlen lieber ein paar Mark Steuern zuviel als zu wenig" ­ marschierte gleich aufgeregt zum Chef. Der, um den Ruf der Firma besorgt, stellte Nachforschungen an und zeigte den Finanzbeamten Klaus B. an. Peinlich war die Geschichte für die Nachbarsfrau: Vor Gericht stritt sie kleinlaut und zögerlich alles ab. "Ich kann mir nicht erklären, wie das alles aufkam." Darauf schwor sie sogar einen Eid. Doch Richterin Breyer sah keine Veranlassung, an den Worten des Kfz-Meisters zu zweifeln. Gegen Monika K. wird ein Strafverfahren wegen Meineids eingeleitet. Die Betriebsprüfung fand in der Tat statt: ohne Beanstandungen.