Der selbsternannte "Kunst-Terrorist" Alexander Brener (40) hat Berlin für seine Aktionen entdeckt: Gestern morgen übertünchte er gemeinsam mit der 24jährigen Österreicherin Barbara Schurz zwei Bilder der East Side Gallery in Friedrichshain. Die Polizei nahm beide fest, setzte sie aber nach erkennungsdienstlicher Behandlung wieder auf freien Fuß. Nach Polizeiangaben ermittelt der Staatsschutz, weil die Täter ihre Aktion selbst als "politisch" bezeichneten.Der russische Künstler mit israelischem Paß wählte für seine Aktion das Bild "Vaterland" des Berliner Malers Günther Schäfer. Es stellte die deutsche und die israelische Flagge übereinander dar. Brener und Schurz übermalten es fast komplett mit grauer Farbe. Auch das danebenliegende Bild von George-Lutz Rauschebart überstrichen sie. Dieses zeigte Michail Gorbatschow hinterm Steuer vor einem auseinanderbrechenden Brandenburger Tor. Beide Graffiti-Werke bilden den Anfang der insgesamt 1,3 Kilometer langen Galerie an der Oberbaumbrücke, die unter Denkmalschutz steht. Dieses Teilstück der Mauer war erst 1997 aufwendig restauriert worden. Schäfer hatte sein Bild selbst saniert ­ zum 19. Mal, seit es 1990 geschaffen wurde. Damit war es das einzige der 101 Werke, das wieder im Originalzustand war. "Es ist eine große Schweinerei, an das Werk eines Kollegen zu gehen", sagte Schäfer gestern. Er werde das Bild ausbessern. Allerdings müsse für die Zukunft eine Lösung gefunden werden, damit es nicht mehr beschädigt werde.Brener hatte in Holland erst 1997 eine zehnmonatige Haftstrafe erhalten, weil er im "Stedelijk Museum" ein Kunstwerk des russischen Malers Kasimir Malewitsch mit einem Dollarzeichen bemalt hatte, um die Kommerzialisierung der Kunst anzuprangern. Mit der gestrigen Aktion wollte er zeigen, daß die Berliner Mauer noch besteht. "Sie existiert zwar nicht materiell, sondern als symbolische Grenze, die Wohlstand von Armut und das ,Vereinte Europa· von allen ,Aliens· trennt", so Brener.