Akupunktur gehört zu den anerkannten alternativen Heilmethoden. Sie kann Schmerzen lindern: Stichhaltige Punkte

Zhen Jiu - so wird im Chinesischen die Akupunktur genannt. "Zen" steht für Nadel und "Jiu" für Abbrennen. Nun mag man sich fragen, was Abbrennen mit Akupunktur zu tun hat, wo doch heute jeder Laie weiß, dass zur Akupunktur Nadeln gehören, die ein Therapeut an bestimmten Stellen in den menschlichen Körper sticht. In der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) jedoch arbeitet man auch mit Hitze: Bei der so genannten Moxibustion werden getrocknete Blätter des Beifußkrautes (Moxakraut) zur externen Anregung von Akupunkturpunkten oder -meridianen abgebrannt; Beifuß deshalb, weil er bei der Verbrennung genau die Temperatur entwickelt, die erforderlich ist.In Deutschland vertrauen derzeit etwa zwei Millionen Patienten auf die Akupunktur und Methoden wie der Moxibustion und der Ohrakupunktion. Und das, obwohl die Wirkungsweise bisher nur teilweise durch Studien belegt werden konnte. Zumeist gilt Akupunktur als Alternative für Beschwerden, bei denen die Schulmedizin keine ausreichenden Ergebnisse erzielt, etwa bei Spannungskopfschmerz oder Migräne. Kassenpatienten, die darunter leiden, werden jedoch auch in Zukunft ihre Sitzungen selbst bezahlen müssen. Weil bei der Therapie von Kopfschmerzen, so die Ergebnisse einer aktuellen Studie, die Akupunktur nicht besser wirkte als medikamentöse und Standardbehandlungen, sondern nur genauso gut, wird diese Behandlung nicht von den Kassen übernommen.------------------------------NADELPROBEAkupunktur, was ist das?Die Akupunktur (von lat. acus = Nadel, pungere = stechen) ist eine alte Methode der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM). Mit Hilfe von in den Körper eingestochenen dünnen Nadeln sollen Krankheiten geheilt, Schmerzen gelindert oder das Wohlbefinden gesteigert werden.Wo genau liegen die Einstichpunkte?Sie liegen über den gesamten Körper verteilt auf so genannten Meridianen oder Energiebahnen, in denen die körpereigene Energie, das Qi, fließt. Die einzelnen Akupunkturpunkte sind auf Grund alter Erfahrungen festgelegt worden.Was ist das Qi?Eine genaue Übersetzung des Begriffs Qi gibt es nicht. Nach den Lehren der Traditionellen Chinesischen Medizin fließt Qi im Körper eines jeden Menschen. Es ermöglicht sämtliche Funktionen - von Atmung und Muskelbewegung über die Verdauung bis hin zur Infektabwehr. Wird dieser Energiestrom blockiert, kann es an bestimmten Stellen zu einem Zuviel oder Zuwenig an Qi kommen. Die Folge: gesundheitliche Störungen. Nach den Lehren der TCM gehen alle Krankheiten und Beschwerden auf eine Störung im Fluss der Lebensenergie Qi zurück.Wie wirkt Akupunktur?Von allen alternativen Heilmethoden wird die Akupunktur selbst von Schulmedizinern am positivsten beurteilt. Bei postoperativen Zahnschmerzen und bestimmten Formen der Übelkeit gilt die Wirkung von Akupunktur laut Studien als bewiesen. Bei chronischen Kopfschmerzen, Regelschmerzen und dem Tennisarm ist eine Wirkung wahrscheinlich. Die Stiftung Warentest empfiehlt Akupunktur bei Kopfschmerzen, Schmerzen des Bewegungsapparats und bei funktionellen und psychosomatischen Erkrankungen. Bei anderen Krankheiten wie zum Beispiel Asthma existieren Hinweise auf eine Wirkung, allerdings ist diese noch nicht belegt.Wie läuft eine Akupunkturbehandlung ab?Bei der Behandlung liegt der Patient entspannt auf einer Liege oder sitzt auf einem Stuhl. Nachdem der Arzt die Akupunkturpunkte bestimmt hat, werden dort die Nadeln gesetzt, manchmal auch zusätzlich stimuliert (Drehen, Heben oder Senken der Nadeln).Was spürt der Patient?Häufig folgt auf den Einstich ein leichtes Schwere-, Wärme- oder Druckgefühl sowie ein Kribbeln. Nach einigen Minuten entspannt sich der Körper, Arme und Beine fühlen sich schwerer an. Manche Patienten vermeinen ein Gefühl des Fließens im Körper zu verspüren. Solche Empfindungen sind für die Chinesen Ausdruck des Qi-Flusses.Was sind das für Nadeln, die zum Einsatz kommen?Für die verschiedenen Anwendungen stehen unterschiedliche Arten von Nadeln zur Verfügung. Sie bestehen aus unterschiedlichen Materialien und sind verschieden dick und lang. In der Regel werden Nadeln aus Edelstahl als Einwegnadeln verwendet. Silber oder Goldnadeln können bei der Akupunktur des Ohres zum Einsatz kommen. Die Länge der Nadeln variiert zwischen 1,5 cm und 7 cm, wobei man die kurzen Nadeln vor allem im Gesicht, die langen bei der Behandlung tieferer Muskelstränge verwendet.Werden zur Akupunktur ausschließlich Nadeln benutzt?Nein, in der modernen Akupunktur sind neben Nadelakupunktur auch Laser- oder Elektroakupunktur üblich. Bei diesen beiden Formen stimuliert man die Punkte durch Elektro- oder Laserenergie.Tut Akupunktur weh?In der Regel nicht, denn die Nadeln sind sehr fein (1/10 der Dicke einer Stecknadel). Der Akupunktierte spürt jedoch an der Stelle des Nadeleinstichs ein dumpfes, leicht ziehende Spannungsgefühl - Fachleute nennen es"Deqi". Von der Einstichstelle ausgehend wird der Reiz der Nadel ins Rückenmark und von dort aus ins Gehirn geleitet.Kann der Patient den Erfolg der Akupunktur beeinflussen?Hilfreich für den Erfolg der Therapie ist es, wenn der Patient tief und ruhig atmet - das versorgt den Körper mit ausreichend Sauerstoff und löst Spannungen. Als Teil dieser Entspannung können Empfindungen wie Zittern, Kribbeln, Kälte- oder Hitzegefühle, Schwindel auftreten.Wie lange dauert eine Sitzung?Bei akuten Erkrankungen werden Akupunktursitzungen relativ häufig durchgeführt - bis zu einmal täglich, bei chronischen Erkrankungen zumeist 6 bis 10 Wochen lang zweimal pro Woche. Die Sitzung dauert ca. 20 bis 45 Minuten. In der Regel sind bei akuten Erkrankungen 3 bis 6 Sitzungen, bei chronischen 12 bis 20 Sitzungen erforderlich. Manchmal ist eine Auffrischbehandlung erforderlich.Muss man mit Nebenwirkungen rechnen?Ernsthafte Nebenwirkungen sind bei der Akupunktur nicht zu erwarten. Lokal kann es zu einer vorübergehenden Hautrötung, einem Wärmegefühl oder auch zu Unwohlsein kommen. Manchmal entstehen auch Blutergüsse. Wie in der Homöopathie kann es auch bei der Akupunktur während der ersten zwei bis drei Behandlungen zu einem kurzen Anstieg der Beschwerden kommen.Kann Akupunktur auch bei Kindern helfen?In China werden bereits Kinder ab einem Alter von fünf, sechs Jahren akupunktiert. Allerdings verzichtet man bei ihnen auf die Stimulation der Akupunkturpunkte, also auf das Drehen, Heben oder Senken der Nadeln. Bei uns liegen noch keine eindeutigen wissenschaftlichen Belege über die Wirkung der Akupunktur bei Kindern vor. In einer Studie ist davon die Rede, dass durch Akupunktur mögliche Übelkeit nach Zahnoperationen beseitigt werden kann.------------------------------Foto: Die Einstichpunkte liegen auf Meridianen.------------------------------Foto: Auch in der westlichen Welt wird die Akupunktur zunehmend als Therapiemaßnahme anerkannt.