BERLIN, 1. Juni. Pascal Roller kann selbst nicht so recht glauben, was er da für ein Spiel hingelegt hat. "Ich konnte einfach nicht daneben werfen. Das hat auch mich etwas überrascht", sagt der Kapitän der Frankfurt Skyliners. Noch mehr dürfte er die Spieler von Alba Berlin überrascht haben, die am Sonntag in der Max-Schmeling-Halle nur ungläubig zuschauten, wie Roller einen Ball nach dem nächsten in ihrem Korb versenkte. 23 Punkte erzielte der Frankfurter Aufbauspieler im Auftaktspiel der Halbfinalserie um die Basketballmeisterschaft. In der ersten Halbzeit traf er bei jedem Wurfversuch.Beiläufig setzte er mit chirurgischer Präzision seine Mitspieler Tyronne Ellis und Chris Williams unter dem Korb in Szene, selbst wenn sie gar nicht anspielbar waren. Die Berliner sahen wie grobmotorische Anfänger aus, während Pascal Roller ihre Verteidigungslinie umschlängelte. Er wirkte dabei so elegant wie ein Balletttänzer. Er ist Balletttänzer. Im Alter von fünf bis 15 Jahren nahm Roller klassischen Tanzunterricht: "Da versucht man, etwas mit rüber zum Basketball zu nehmen. Die Art, wie man sich in der Luft stabilisiert, habe ich zum Beispiel beim Tanzen gelernt.""Es war vielleicht die perfekteste Halbzeit, die Roller je gespielt hat. Wenn jemand so drauf ist, kann man wenig machen", staunte Albas Coach Henrik Rödl. Sein Kollege Chris Fleming, der mit den Artland Dragons im Viertelfinale an den Frankfurtern gescheitert war, meint zwar, dass es nicht reicht, allein Roller auszuschalten. Es ist dennoch der richtige Ansatz für Alba, um am Donnerstag in Frankfurt den 0:1-Rückstand wettzumachen.Vor allem Rollers Gegenspieler Mihat Demirel müsste dann mehr Gegenwehr leisten, als er es im ersten Spiel vermochte. "Wir haben mit den Frankfurtern noch einige Rechnungen offen", hatte der Berliner Guard vor der Begegnung gedroht. Nach der Schlusssirene musste er feststellen, dass zunächst einmal eine weitere offene Rechnung dazu gekommen ist: Es war Albas vierte Niederlage im fünften Spiel gegen Frankfurt, und für Mihat Demirel war sie besonders bitter. Im direkten Duell der beiden Aufbauspieler hatte er eine Lehrstunde erhalten, wie er sie lange nicht mehr erlebt hatte.Obwohl Roller (28) seit sechs Jahren das Spiel der Skyliners lenkt und den Klub in der vergangenen Saison zum Meistertitel geführt hat, steht er in der Nationalmannschaft im Schatten von Demirel. 2003 hatte Roller daher schon einmal seinen Rücktritt aus dem DBB-Kader erklärt, weil ihn der damalige Bundestrainer Henrik Dettmann nicht für die Europameisterschaft in Schweden berücksichtigt hatte. Nach der Meisterschaft im vergangenen Jahr wurde er zum Spieler der Saison gewählt. Seitdem wähnt sich Pascal Roller nun wieder im Aufwind. "Ich habe immer noch den sportlichen Ehrgeiz, in der Nationalmannschaft zum Führungsspieler aufzusteigen", sagt er.Bei Alba Berlin wird er deshalb als Neider von Demirel wahr genommen und traditionell so kühl empfangen, wie Jens Lehmann bei Fußballspielen in München. Im Unterschied zu dem Ersatztorhüter der Fußball-Nationalmannschaft nimmt Roller das seinem Rivalen nicht persönlich. "Ich haben ein normales Verhältnis zu Mihat", sagt er. "Es ist für mich nicht von Bedeutung, ob ich das Duell gegen ihn gewinne." Die Hauptsache ist, er kann auch am Donnerstag wieder tanzen.------------------------------"Die Art, wie man sich in der Luft stabilisiert, habe ich beim Tanzen gelernt." Pascal Roller------------------------------Foto: Hindernislauf: der Frankfurter Pascal Roller (r.) im Duell mit dem Berliner Szymon Szewczyk.