Er ist ein merkwürdiger Bursche. Er zählt in einer Sportart zu den Besten in Europa, in der die Voraussetzungen für den Erfolg Fleiß und Disziplin sind. Sicher steht er viele Stunden auf Übungswiesen und schlägt Bälle in Richtung ferner Ziele, aber eine wohlgeordnete Lebensführung kann man ihm wahrlich nicht nachsagen.Er ist nicht extrovertiert, schon eher ist er das Gegenteil davon. Fast unscheinbar wirkt er, doch kleine Gesten von ihm schreien nach Aufmerksamkeit.Er liebt den Luxus, fährt Ferrari oder Porsche und fühlt sich doch am wohlsten im eher weltabgewandten, beschaulichen Marienbad. Von dort stammt er, dort lebt wieder die Familie, der Vater, der heute zuweilen als Caddie für den Sohn arbeitet. Marienbad ist immer noch sein zweites Zuhause. Sein erstes ist München - Penthouse-Wohnung, Sauna, Marmorbad. Alexander Cejka ist der Senkrechtstarter in der Golfwelt, der 1995 fast aus dem Nichts heraus drei mit mehr als einer Million Mark dotierte Turniere gewann. In diesem Jahr schaffte er auf Anhieb bei den drei Major-Turnieren US-Masters, British Open und US Open die Qualifikation für die beiden Schlußrunden. Ab heute nimmt er am vierten, der PGA Championship in Louisville/Kentucky, teil. Eine Ehre, denn er ist erst der zweite deutsche Golfer nach Bernhard Langer, der zu diesem Turnier eingeladen worden ist. Cejka ist nicht Langer. Rein sportlich gesehen trennen beide zumindest die zwei Masters-Siege, die Langer in Augusta (1985 und 1993) holte. Doch gravierender sind die Trennungslinien, die die Persönlichkeiten unterscheiden. Langer, der kühle Blonde aus dem Schwäbischen, ist ein geradliniger Typ, Cejka indes ist schwer auszurechnen. Wer sich über Alexander Cejka, den Tschechen mit deutschem Paß, den Kopf zerbricht, dessen Gedanken beginnen sich bald wie ein Brummkreisel zu drehen. Er vereint Gegensätze, die eigentlich nicht zusammenpassen. Aber wie sollte es eigentlich auch anders sein, bei dem Lebenslauf des 25jährigen?Sein Erinnerungsvermögen beginnt mit der Flucht an der Seite seines Vaters aus der damaligen CSSR über Italien, die Schweiz nach Offenbach. Neun Jahre war er damals. In Hessen besucht er eine deutsche Schule - mit mäßigem Erfolg. Er verläßt die Realschule schließlich mit einem Hauptschulabschluß und der Erkenntnis: "Die Schule und ich haben nie richtig zusammengepaßt." Er findet sich in seiner neuen Umgebung zurecht, spricht deutsch perfekt und bleibt doch ein Außenseiter. Auch ein Staatenloser. Erst 1989 erhält er einen deutschen Paß. Trotz guter Ergebnisse interessiert sich dennoch kaum jemand für ihn.Er spielt mit Pudelmütze beim German Masters in Stuttgart, er rasiert sich selten, und seine Haare läßt er noch seltener schneiden. Er wirkt wie ein merkwürdiger Kauz in der harmonischen, friedlichen Welt des Golfsports.Aber gerade wegen seiner ungewöhnlichen Attitüden ist derweil eine breitere Öffentlichkeit auf ihn aufmerksam geworden. Die Boulevardpresse beförderte ihn nach seinem größten Erfolg beim Saisonabschlußturnier 1995 im spanischen Valderrama in den Himmel. Dort mißt er sich mit strahlender Konkurrenz - allen voran dem deutschen Golf-Prinzen Bernhard Langer.Es ist kein böser Wille, der den 25jährigen immer wieder dazu bringt, daß andere über ihn und seine Eskapaden den Kopf schütteln. Es geht ihm eher wie jenem braven Soldaten Schwejk: Er erfüllt seine Pflicht, aber irgendwo steht immer ein Bein bereit, über das er stolpert. Cejka sagt, daß er nicht unbedingt Millionär werden muß, aber "ich will wie einer leben". Das kann man verstehen, aber irgendwann stößt jede Illusion an die Grenze der Realität.Bernhard Langer dagegen ist Millionär, aber er lebt nicht wie einer. Vielmehr erfüllt Langer typisch schwäbische Vorurteile: Er ist erfolgreich und bescheiden. Er ist strebsam und gottesfürchtig. Und Cejka? An den Besuch einer Bibelstunde würde er keinen Gedanken verschwenden. Cejka hat andere Dinge im Kopf. Als er sein erstes Turnier 1995 in Spanien gewonnen hatte, ließ er sich mit seinem Trainer Peter Karz auf eine Wette ein. Würde er im selben Jahr noch ein weiteres Turnier gewinnen, sei er bereit, sich seinen Kopf kahlrasieren zu lassen. Weniger Wochen später, nach der Austrian Open, war es soweit. Cejka hatte gewonnen, und sein Haupthaar fiel. "Ich bin nun mal ein lockerer Vogel", pflegt er in Situationen zu sagen, bei denen andere über ihn die Stirn runzeln. Inzwischen gibt sich Cejka geläutert. "Die Haare lasse ich mir nie wieder abschneiden. Ich bin ruhiger geworden." Dieser Einsicht indes ging ein eher unglücklich verlaufener Besuch des Münchner Oktoberfestes voraus. Cejka wurde der Eintritt ins Bierzelt verwehrt, weil man ihn wegen seiner fehlenden Frisur für einen Skinhead hielt. "Langer", sagt er, "ist in jeder Beziehung mein Vorbild." Das mag sein, aber Idole lassen sich aus gemessener Distanz immer noch am besten bewundern. Cejka mit allen seinen Widersprüchen ist derweil manchem sogar höchst willkommen. Der Präsident des Deutschen Golf Verbandes, der Münchner Wolfgang Scheuer, erkennt inzwischen in Cejka den Straßengolfer und damit die höchstwillkommene Alternative zum heiligen St. Bernhard.Was Langer an Charisma fehlt, bringt Cejka mit. So jedenfalls denken offenbar auch verschiedene Sponsoren. So ist sein Dienstwagen eine Luxuskarosse, und bei einem prominenten Herren-Schneider im schwäbischen Metzingen stört sich unterdessen auch niemand mehr an einer Glatze oder wehenden Haaren. An die Stelle Kallins ist kürzlich der Münchner Golf Club getreten. Zwar hatte Cejka beim German Masters letztes Jahr seinen Vertrag mit dem Berliner Club per Handschlag verlängert, doch an diese Vereinbarung fühlte er sich nicht mehr gebunden.Alexander Cejka fällt auf. Vor allem aus der Schar seiner in der Regel beflissen, strebsam und vor allem bieder wirkenden Berufskollegen. Seine Anhänger haben daran nicht das Geringste auszusetzen. +++