BERLIN. Kaweh Niroomand muss nicht hinsehen. Er kann die Augen schließen, am Rand des Feldes, und weiß doch, dass Alexander Spirovski, der Diagonalangreifer seines SCC Berlin, immer besser wird. "Spirovski schreit den Bällen jetzt auch mal hinterher", sagt der Manager Niroomand. "Das habe ich früher bei ihm nicht gehört." Spirovski ist ein stiller Mensch. Als Volleyballer hat er sein Leben lang im Mittelblock gespielt. Jetzt, im Alter von 29 Jahren, lernt er in seiner neuen Rolle, laut zu werden.Im Oktober hat Michael Warm, der Trainer des SCC, Spirovski umpostiert, weil die Diagonalangreifer Milan Vasic und Falko Steinke mit Verletzungen zu kämpfen hatten. Am Dienstag (20.15 Uhr, Sömmeringhalle) treten die Berliner zum ersten Halbfinale um die deutsche Meisterschaft gegen den Moerser SC an, und mittlerweile steht fest: Spirovski hat sich auf seiner neuen Position etabliert. Er ist für seinen Klub wertvoller denn je. "Uns hat in den letzten Jahren auf der Diagonalposition einer gefehlt, der den Killer spielt", sagt Manager Niroomand. Einst hat Marco Liefke zuverlässig mit Schmetterbällen gepunktet, aber nachdem er seinen Zenit überschritten hatte, wirkten die Berliner im Angriff oft ein bisschen zu brav.Auch Spirovski fremdelte auf seiner neuen Position zunächst. "Am Anfang hat er sich dagegen gesträubt", berichtet Trainer Warm. "Vielleicht hat er die Sorge gehabt, dass er nur eine Aushilfe ist und dass andere ihm in der Mitte den Platz streitig gemacht haben, wenn er wieder dahin zurück muss." Warm versicherte Spirovski bald, er werde Diagonalangreifer bleiben. Das half. "In seiner Psyche scheint sich was zu tun. Er nimmt die Rolle der Punktmaschine immer mehr an", sagt Manager Niroomand. "Er drischt jetzt richtig drauf."Es scheint, als könne Spirovski endlich all seine Fähigkeiten entfalten. Als Mittelblocker, als Akteur mit begrenztem Einsatzgebiet, ist er manchmal übersehen worden. Als Diagonalangreifer ist das Spektakel der Kern seines Jobs. "Das gefällt mir besser", sagt Spirovski. "Ich bin jetzt aktiver, ich bekomme mehr Bälle, ich bin die ganze Zeit im Spiel, vorn am Netz und im Rückraum.""Er ist kein Zocker"Trainer Warm hat beobachtet: "Er ist jetzt viel präsenter auf dem Feld." Ohnehin liege Spirovski die neue Aufgabe besser: "Er ist an und für sich kein Zocker und kein Stratege. Er ist kein typischer Blockspieler." Umso verwunderlicher wirkt, dass es nie ein Trainer gewagt hat, Spirovski umzuschulen - zumal es für den Wechsel, den der Berliner jetzt durchlebt hat, im internationalen Volleyball Vorbilder gibt: Italiens renommierter Diagonalangreifer Alessandro Fei etwa hat früher ebenfalls im Mittelblock gespielt.Die Feinheiten, die Fei schon beherrscht, muss Spirovski noch lernen. Er muss, wenn der gegnerische Block vor ihm die Finger reckt, variabler schmettern. "Er hat zurzeit drei Lösungen, die gut sitzen", sagt Trainer Warm. "Gegen wirklich gute Gegner braucht er mehr." Allein die Begabung, die Spirovski bisher angedeutet hat, macht ihn für den Coach aber zu einem Spitzenspieler der Bundesliga. Heriberto Quero aus Düren, Christian Pampel aus Friedrichshafen und Georg Grozer aus Moers würden in der Branche als die stärksten Diagonalangreifer hier zu Lande betrachtet, berichtet Warm: Spirovski aber sei zumindest vor zweieinhalb Wochen, beim 3:0 des SCC Berlin im letzten Hauptrundenspiel gegen Moers, "eine Klasse stärker als Grozer" gewesen.Bleibt dem Trainer nur die Hoffnung, dass Spirovskis Aufschwung kein Ende nimmt. "Das ist mit ihm wie mit einem guten Wein", glaubt er. "Im Alter werden sie besser."------------------------------Foto: Mittelpunkt der Mannschaft: Alexander Spirovski (Nr. 4) will mit den Volleyballern des SCC Berlin das Halbfinale gegen den Moerser SC gewinnen.