Mit dem Alter wird Alice Cooper immer gruseliger. Nicht dass sein Schreckschraubenrock in irgendeiner musikalischen Form furchterregend ausfiele. Doch dass Cooper es für angemessen hält, nun schon seit mehr als drei Jahrzehnten mit der gleichen Geisterbahnshow um die Welt zu tingeln, kann durchaus beängstigen. Die einzige erkennbare Neuerung, die er am Montagabend in der fast ausverkauften Max-Schmeling-Halle zeigte, bestand darin, dass er eine Paris-Hilton-Imitatorin über die Bühne stapfen ließ und sie kurz demütigte, indem er beiläufig ihren Hund erwürgte.Vergleichbares hatten Deep Purple natürlich nicht nötig. Nach einem kurzen Videoeinspieler, der zeigte, wie die Band aus einer Gitarrenkiste kletterte, schlenderten sie in der aktuellen Besetzung Ian Gillan (Gesang), Ian Paice (Schlagzeug), Roger Glover (Bass), Steve Morse (Gitarre) und Don Airey (Keyboard) auf die Bühne und eröffneten den Abend recht viel versprechend mit "Pictures Of Home" von dem 1972er Album "Machine Head". Glover hatte sich in der Mode alternder Biker eine Bandana um den Kopf gebunden, Paice - der inzwischen aussieht wie Elton Johns dicklicher Bruder mit Zopf - gefiel sich in einem ärmellosen T-Shirt von Nike, während Gillan in weißem Hemd mit dunkler Hose die Rolle des Conferenciers übernahm und Morse die hellblaue Jeansmontur uneitler Hardrock-Gitarristen bevorzugte.Einen ähnlichen Zeichensalat bot auch die Bühne: Hinter zwei zurückgebundenen Vorhängen hing eine Leinwand mit dem Cover des aktuellen Albums "Rapture Of The Deep", auf dem ein zart gepinselter Mann vor Teichlandschaft mit Bäumen zu sehen ist. Davor waren links und rechts zwei Diodenwände angebracht, auf denen sich Bilder von Notenschlüsseln, Kirchenfenstern und Marilyn Monroe abwechselten, was wiederum mit den Leuchtsäulen korrespondierte, die auf dem Boden waren und mit ihrem bunten Farbspiel erfreuen sollten.Auch wenn die kühne Kombination dieser recht unterschiedlichen Dekorationselemente keinen erkennbaren Sinn machte, verriet sie dennoch, dass Deep Purple die stilistische Strenge ihrer frühen Tage längst abhanden gekommen ist. Weshalb es auch nur folgerichtig erschien, dass die Band sich gleich nach dem ersten Titel konsequent ihren neueren, recht beliebig rockenden Liedern widmete.Dabei sind Deep Purple wie so viele alternde Rocker - man denke an Eric Clapton, Gary Moore oder Mark Knopfler - dem öden Bahnhofskneipenblues verfallen, den sie zwar technisch perfekt, aber leider auch sehr langweilig zum Vortrag bringen. Fraglos kann man einer Band, die seit nunmehr 38 Jahren existiert, nicht vorwerfen, dass es ihr heute nicht mehr gelingt, interessante Lieder zu schreiben. Aber dass sie es vorzieht, ihre uninteressanten neuen statt der großartigen alten Lieder zu spielen, ist durchaus ein Problem.Und so musste man über weite Strecken Stücke wie "Ted the Mechanic", "Wrong Man" und "Junkyard Blues" über sich ergehen lassen, die nicht nur ganz besonders zäh waren, sondern vor allem auch ganz besonders lang. Erst gegen Schluss des Konzerts spielten Deep Purple endlich die gewünschten Gassenhauer wie "Highway Star", "Space Truckin'" und das unvermeidliche "Smoke On The Water". Das allerdings taten sie mit viel Schwung und wildem Gegniedel und bekamen vom Publikum dafür dann auch viel Applaus.------------------------------Deep Purple sind technisch perfekt, aber leider auch ziemlich langweilig.------------------------------Foto: Die Herren Glover, Gillan und Morse am Montagabend in Berlin