Alle Insassen geborgen / Anschlag denkbar: Todesflug nach Salzburg wirft viele Fragen auf

Der mysteriöse Flugzeugabsturz am Montag bei Freilassing in Bayern wirft viele Fragen auf. Die Behörden halten inzwischen auch einen Anschlag für denkbar. Dabei wird auf zwei Geschäftsleuten an Bord verwiesen, die in den Umweltskandal um die Berliner Firma Chemulack verwickelt waren. Möglicherweise ging es bei der Reise aber auch um dubiose Anlagegeschäfte.Einsatzkräfte sägten gestern das Wrack der abgestürzten Cessna 550 auf. "Es wurden die Leichen von zwei Frauen und acht Männern gefunden. Wir konnten zwei Männer identifizieren", sagte ein Traunsteiner Staatsanwalt. Bei ihnen soll es sich um den 49jährigen Prokuristen Gottfried Hoffmann sowie den 63jährigen Kristian Benzmann handeln. "Allerdings ist diese Angabe noch nicht hundertprozentig, da wir die Toten nur aufgrund von gefundenen Ausweisdokumenten erkannt haben", so der Staatsanwalt. Die Obduktion der Leichen solle heute stattfinden. Erst dann habe man Sicherheit.Gegen Benzmann und Hoffmann laufen gegenwärtig Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts der umweltgefährdenden Abfallbeseitigung, schwerer Umweltgefährdung und Gewässerverunreinigung in Zusammenhang mit ihrer Tätigkeit für die 1993/94 geschlossene Steglitzer Firma Chemulack. Einschlägig bekannt Wie berichtet, war Kristian Benzmann Geschäftsführer der später in Konkurs gegangenen Firma, Gottfried Hoffmann war später als Chemulack-Liquidator tätig. Für schwere Umweltgefährdung drohen ihnen Gefängnisstrafen zwischen sechs Monaten und zehn Jahren. Sollte sich herausstellen, daß die beiden beim Flugzeugabsturz ums Leben gekommen sind, werde das Ermittlungsverfahren eingestellt, so Justizsprecher Rüdiger Reiff.Benzmann und Hoffmann sind bei den Justizbehörden einschlägig bekannt. Benzmann wurde 1979 rechtskräftig zu einer viereinhalbjährigen Freiheitsstrafe wegen fortgesetzten Betruges und Steuerhinterziehung im Zusammenhang mit der Pleite der Berliner Schokoladenfirma Fresöni verurteilt. Hoffmann erhielt wegen Straßenraubs, landesverräterischer Beziehungen, Diebstahls, Freiheitsberaubung, Urkundenfälschung und Betrugs in mehreren Verfahren Haftstrafen von insgesamt rund 14 Jahren. Wegen besonders schwerer Taten erging gegen Hoffmann ein Berufsverbot als Immobilienmakler, Zimmervermittler oder Finanzierungs- und Kreditmakler. Reisegrund verschwiegen An Bord der Unglücksmaschine soll auch der Rechtsanwalt von Hoffmann, Michael D., gewesen sein. Ein Geschäftsfreund sagte gestern, D. habe sich zum Grund der Reise nach Salzburg sehr bedeckt gehalten. Der Anwalt habe ursprünglich mit dem Zug fahren wollen, sei dann aber von Hoffmann zu der Flugreise überredet worden. "Er sagte, daß er mit viel Geld nach Berlin zurückkehren wird." Der Geschäftsfreund schließt nicht aus, daß Hoffmann und Benzmann gar nicht in der Unglücksmaschine saßen.Möglicherweise steht die Reise nach Salzburg im Zusammenhang mit dubiosen Anlagegeschäften, in die Hoffmann verwickelt gewesen sein soll. Einige Mitreisende sollen von dem 49jährigen um ihr Geld betrogen worden sein. In Salzburg sollten sie womöglich ausgezahlt werden. +++