Alle Schuld dem Ökostrom

Mehr als 80 Prozent der Deutschen unterstützen laut neuen Umfragen die Energiewende. Doch wenn nun Umwelt- und Verbraucherschützer warnen, dass die Stromkosten für Haushalte und Mittelstand 2014 stark steigen, heißt das: Diese Zustimmung wird wackeln. Denn gut die Hälfte der Befragten rügt schon jetzt die Stromkosten.

Weil im Wahlkampf die Ursachensuche entlang der Parteipolitik verläuft, sei klargestellt: Beide Lager trugen dazu bei. Rot-Grün erfand die Umlage zur Ökostromförderung so, dass sie uferlos steigt, wenn viel Ökostrom entsteht. Tatsächlich müsste dieses System an den Erfolg der Energiewende angepasst werden. Schwarz-Gelb aber hat genau diese Anpassung verschlafen und stattdessen immer mehr Großverbraucher aus der Industrie von der Finanzierung der Energiewende ausgenommen – einspringen müssen Haushalte und Mittelstand.

Statt Wege zu suchen, die Last gerecht zu verteilen, schiebt die Regierung die Schuld am Preisanstieg nur dem Ökostrom zu, obwohl auch Öl und Kohle sich seit Jahren verteuern. Es scheint, als wolle man die bei einzelnen Konzernen ungeliebte Energiewende auch beim Wähler in Verruf bringen? Wirtschaftsminister Rösler spricht es offen aus: Die Entlastung der Verbraucher strebe er gar nicht an, sagte der FDP-Chef jüngst. Denn die Ökostromförderung treibe die Kosten – und die Preise seien das beste Druckmittel, diese Förderung loszuwerden.