Alles knallig bunt und nichts weiter: Um keinen Preis will der ARD-Film "Sklaven und Herren" ein Sozialdrama sein: Hübsch poliert

Das Thema ist gut, aber das ist auch schon alles. Der Film handelt von Macht, Gewalt und Demütigungen an einer Schule, sogar die Lehrer werden schikaniert. Der 13-jährige Klaus wird von seinem älteren Mitschüler Yogi (Franz Dinda) drangsaliert, Klaus muss Kameras in der Mädchen-Umkleide verstecken, vom Schuldach auf einen Lehrer pinkeln und seine Schwester in der Badewanne filmen. Tina (Paula Schramm) stellt ihren Bruder zur Rede und macht Yogi ein Angebot: Er lässt Klaus in Ruhe, dafür bietet sie sich als Sklavin an. Fortan lässt sie sich fesseln und mit Brennnesseln malträtieren, sie schreibt Yogi wie befohlen einen Liebesbrief, "in Schönschrift, auf schönem Papier". Tina macht alles, aber alles mit der Gewissheit: Dich krieg ich. Den Zuschauer kriegt dieser Film leider nicht.Dabei hätte man aus diesem Stoff durchaus ein realistisches Sozialdrama machen können, doch ein Sozialdrama will dieser Film um keinen Preis sein. Und realistisch schon gar nicht. Lieber spiegelt er sich in einer hübsch polierten Oberfläche mit Hochglanzbildern, dazu läuft coole Clubmusik. Alles bleibt Behauptung, alles wirkt wie hingestellt, alles ist knallig bunt und nichts weiter. Hauptsache schick.Regisseur Stefan Kornatz hat sich ziemlich angestrengt, den gleichnamigen Roman von Klaus-Peter Wolf, der auch das Drehbuch geschrieben hat, in einer kunstvollen Werbefilmästhetik zu inszenieren. Wie er sich überhaupt in seinem Regiedebüt sehr viel Mühe gegeben hat, Kunst zu machen. Gewiss ist auch das an Schülertheater erinnernde Aufsagen der Schauspieler irgendwie Kunst oder doch wenigstens mit wahnsinnig viel Bedeutung aufgeladen, aber bei aller Kunst und Bedeutung verliert der Film auch noch den letzten Rest an Bodenhaftung. Zudem zerfasert die Geschichte in immer mehr Geschichten, eine so künstlich und gekünstelt wie die andere. So geht das bis zum blutrünstigen, völlig durchgeknallten Ende.Das ist schade, nicht nur um diesen Film. Denn wenn demnächst einer mit dem Thema Macht, Gewalt und Demütigung an Schulen kommt, heißt es: Hatten wir doch gerade erst.Hatten wir leider nicht.Sklaven und Herren, 20.15 Uhr, ARD------------------------------Foto: Yogi (Franz Dinda) hat gute Argumente für Tina (Paula Schramm).