Als Bodybuilder schaffte er es zum Mister Universum, als Schauspieler zum Terminator, aber wer hätte damit gerechnet, dass Arnold Schwarzenegger einmal als schwulenfreundlicher, liberaler Reformator in die Geschichte Kaliforniens eingehen wird? Ein Porträt zum Ende seiner Amtszeit: Die Rolle seines Lebens

Es ist ein Donnerstagmorgen Ende Oktober, und Arnold Schwarzenegger begrüßt die Gäste eines amerikanisch-russischen Geschäftstreffens im Fairmont Hotel in San Francisco. Der Gouverneur ist gerade erst aus Russland zurückgekommen, hat auf dem Rückweg einen Abstecher nach Großbritannien zu seinem alten Freund David Cameron gemacht, mit dem er seit Jahren für einen besseren Klimaschutz wirbt, und unmittelbar vor der Europareise hat er zu Hause mit hunderttägiger Verspätung ein Budget durchgepeitscht. Seine Zustimmungswerte liegen bei 28 Prozent. Immerhin. Mitte des Sommers dümpelten sie bei 23. Aber man hat immer weniger den Eindruck, dass ihn solche Zahlen überhaupt interessieren.Nächste Woche wird sein Nachfolger gewählt. Nach zwei Amtsperioden muss Arnold Schwarzenegger im Januar abtreten. Doch schon jetzt scheint er eine Art überparteiliche Instanz zu sein. Die politischen Spielchen widerten ihn an, hat er neulich gesagt, die Blockaden, die Republikaner und Demokraten sich wechselseitig in den Weg legten. Die beiden Kandidaten für seinen Posten hat er aufgefordert, sofort ihre diffamierenden Werbespots zu canceln. Wie ein Mantra wiederholt er in fast jeder Rede, dass es beim Regieren nicht um die Interessen der Politiker gehe, sondern um die des Staates und dessen Bürgern. Als er 2003 den Demokraten Gray Davis, der hilflos vor dem kalifornischen Schuldenberg stand, als Gouverneur aus dem Amt hieven und ihn ablösen wollte, hat er das als einen seiner Gründe genannt. Er wolle etwas zurückgeben, sagte er, "ich habe Kalifornien so viel zu verdanken." Freunde haben damals trotzdem nicht verstanden, warum er sich das antat. Schließlich hatte er alles erreicht. Er war als Bodybuilder Mister Universum und Mister Olympia geworden, hatte als Schauspieler Welterfolge gefeiert und schließlich mit Maria Shriver eine echte Kennedy, die Nichte eines Präsidenten, geheiratet. Die sieben Jahre im Amt seien eine Achterbahnfahrt gewesen, sagt er heute, harte Arbeit mit Höhen und Tiefen. "Doch neben der Entscheidung, Maria zu heiraten, war es die beste Entscheidung meines Lebens."Er sieht fantastisch aus, vielleicht ein wenig müde um die Augen. Er schläft nachts nicht mehr als sechs Stunden und sagt, wenn man sie schneller schlafe, reichten sie völlig. Die braun gefärbten Haare schimmern mit einem winzig kleinen Rotstich, der Anzug sitzt perfekt, wie es teure Anzüge nun mal tun, und das gebräunte Gesicht ist für einen 63-Jährigen so faltenfrei, dass Frauen sich fragen, von wem er sich sein Botox spritzen lässt. Er macht Witze über Klaus Kleinfeld, den früheren Siemens-Chef, der heute den amerikanischen Aluminiumproduzenten Alcoa leitet, und den russischen Milliardär Viktor Vekselberg. "Mit diesen Namen hört sich das hier eher wie eine österreichische Delegation an", sagt er.In den Monaten, in denen man diesen Mann beobachtet hat, wollte der Stift oft den Satz "er sprüht vor Optimismus" aufs Papier schreiben. Dummerweise huscht einem diese abgenutzte Formel jetzt wieder durch den Kopf. Und ein Satz seiner Frau Maria Shriver, die einmal zu einer Freundin gesagt hat, "er ist der optimistischste Mensch, den ich je getroffen habe", als es um ihre Liebe zu ihm ging. Und man wundert sich nun nicht mehr, dass eine Kennedy so etwas sagt, wie am Anfang, als man es hörte; es klang ein wenig oberflächlich, man hatte gleich Arnold, den Strahlemann und Retter, vor Augen. Heute denkt man daran, was er neulich in einem seiner Twitter-Interviews über gute Führung gesagt hat. "Man muss eine Vision haben, und man darf nie Angst haben zu scheitern. Ich bin oft gescheitert, und ich bin jedes Mal zurückgekommen." Im vergangenen Jahr hat er Studenten geraten, niemals auf die "Neinsager" zu hören: "Wenn ich auf sie gehört hätte, säße ich immer noch in Österreich und würde jodeln."Schon als Jugendlicher hat er davon geträumt, weit weg von seinem Heimatort in der Steiermark Karriere zu machen. Seinem Vater, einem auf Disziplin bedachten Polizisten, konnte er nur wenig recht machen. Nichts war dem alten Schwarzenegger gut genug, und oft signalisierte er seinem Sohn, dass dieser die Dinge, die er anfasse, ohnehin nicht schaffen werde. Doch das habe ihn eher angespornt, sagt Schwarzenegger heute, zu besseren Leistungen, "und dazu, zu überlegen, wie ich dort schnell rauskomme".Als sein Vater 1972 starb, hatte er schon seine Bodybuilderkarriere in Amerika begonnen. Seine neue Heimat zeigte ihm in jeder Hinsicht eine neue Welt. In einem Interview hat er einmal von dem Hausfrauendasein seiner Mutter gesprochen, und von seiner Naivität, noch in seinen Anfangszeiten in Amerika zu denken, dass die Frau dorthin gehöre, in den Haushalt. "Doch dann habe ich gelernt", sagt er, "und ich habe gesehen, dass Frauen heute ihren Anteil an der Gesellschaft wollen, und ich habe verstanden, dass das nur fair ist."Das klingt wie jemand, der sich selbst erzieht. Wie jemand, der jederzeit bereit ist, von seiner Umgebung zu lernen und sich zu verändern. Vielleicht ist er zu sehr von sich ausgegangen, als er 2003 dachte, er könne die politische Kultur in Sacramento umkrempeln. Nach seiner Amtsübernahme musste er bald sehen, wie schwer das werden würde. Manche seiner Vorschläge wollten die Demokraten, mit einer absoluten Mehrheit im Parlament vertreten, nicht einmal diskutieren, andere platzten in Verhandlungen oder Abstimmungen. In den ersten Jahren konnte er weder seine angekündigte Reform des Haushaltssystems noch die Pensionsreform oder ein gerechteres Wahlsystem durchsetzen.Ende 2005 war er politisch so gut wie tot. Die demokratische Mehrheit hatte beinahe alle seine Gesetzesvorhaben blockiert. Er wollte als Gouverneur die Staatsfinanzen stärker kontrollieren, die Ausgaben der Gewerkschaften für politische Werbung regulieren und schlechte Lehrer leichter feuern können. Wahrscheinlich hat er die Volksbefragung, die er dann ansetzte, um die Bürger über seine Vorhaben entscheiden zu lassen, als Befreiungsschlag angesehen. Für viele Politiker in Sacramento, der Hauptstadt Kaliforniens, war sie eine Kriegserklärung - besonders gegen Lehrer und Gewerkschaften. Schwarzenegger verlor haushoch. Seine Zustimmungsrate sank von vorher 65 Prozent auf weniger als die Hälfte.Es war damit zu rechnen, dass er scheitert. Wie sollte ein Bodybuilder, ein Muskelprotz, ein Schauspieler auch fertig werden mit einem hoch verschuldeten Haushalt in einer der größten Volkswirtschaften der Welt? Dabei waren seine Interessen immer breit gefächert. Schon während der Bodybuilderkarriere gründete er Unternehmen, und mit dem ersten, einer Maurerfirma, machte er bereits so viel Gewinn, dass er davon in neue Geschäfte investieren konnte. Von Beginn ihrer Beziehung an unterstützte er die überzeugte Feministin Maria Shriver, eine Demokratin, in ihren Projekten, heute sagt er, es sei ein großes Glück, mit einer intelligenten Frau zu leben, die für andere Frauen neue Perspektiven eröffne. Und als Umweltpolitiker ist er selbst den meisten Demokraten weit voraus.Doch erst, wenn man anfängt, sich mit Menschen zu treffen, die ihn kennen, versteht man, dass eine Geschichte über ihn auch eine Geschichte über Amerika ist, dass es ihn ohne Amerika nicht geben würde, und dass er so, wie er in Amerika ankommt, von vielen Menschen in Deutschland und Österreich immer noch nicht gesehen wird. "Das Einzige, was ich sicher über ihn weiß, ist, dass er auf der falschen Seite von Graz geboren wurde", sagt ein Wiener Künstler. Thal, das kleine Dorf in der Steiermark, war die falsche Seite, weil es dort noch dunkler war, piefiger und die Armut größer. Es ist eine Seite, die Menschen nur schwer wechseln. Oder wechseln sollen. In den Vereinigten Staaten dagegen bewundert man Menschen, die bereit sind, sich zu verändern, Risiken einzugehen.Barbara Kaufman ist Schwarzeneggers Bürochefin in San Francisco, eine Demokratin, die jahrelang für ihre Partei im Stadtrat saß, und bestens vernetzt ist in den liberalen Kreisen der Bay Area. Als er sie anwarb, war sie schon über siebzig, eigentlich wollte sie kürzertreten, mehr Zeit mit ihren Enkeln verbringen. "Doch er war hartnäckig, und er hat zugestimmt, dass ich meine Zeit frei einteilen kann." Bis heute weiß Kaufman, klein, blond und für ihre Effizienz bekannt, nicht, wer sie Schwarzenegger empfohlen hat. Sie sagt, inhaltlich habe sie nicht einen Moment gezögert, die Politik des Republikaners zu vertreten. "Als ich im Stadtrat saß, habe ich immer zuerst gefragt, "wie bezahlen wir das", er macht dasselbe in Sacramento." Und wenn es um Abtreibung gehe, um die Schwulenehe, um soziale Belange, trenne sie ohnehin nichts.Seine frühere Karriere erwähnt sie nur einmal. Positiv. "Meine Freunde waren total beeindruckt, dass er unbedingt mich wollte, und dass ich mit ihm arbeiten würde", sagt sie, "immerhin war er mal ein großer Filmstar." Und selbst einer seiner schärfsten Kritiker, der demokratische Senator Mark Leno, der ihm wie viele nicht verziehen hat, dass er gleich nach seinem Amtsantritt die Gebühr für Autoregistrierungen so weit senkte, dass sie praktisch verschwand, greift ihn immer nur als Politiker an. Kein einziges Mal sagt er: "Es war ja nicht anders zu erwarten." Man kann sich vorstellen, wie befreiend diese Offenheit der Gesellschaft für Schwarzenegger gewesen sein muss, nicht nur, weil sie seinen Aufstieg ermöglichte, sondern auch, weil er in dieser Umgebung stolz sein konnte, auf das, was er erreicht hat.Unangenehm scheint ihm seine Vergangenheit nie gewesen zu sein. Seine Freunde aus alten Zeiten sind immer noch seine engsten Vertrauten. Mit seinem Bodybuilderkollegen Franco Columbu spielt er bis tief in die Nacht Schach. Und sein deutscher Freund, der Schauspieler Ralf Moeller, den er seit fast 30 Jahren kennt, begleitet ihn wie ein Schatten. Moeller kommt mit zu Veranstaltungen, und selbst auf Auslandsreisen ist er häufig dabei. Schwarzenegger kokettiert mit seinen Filmen - den Terminator-Satz "I'll be back" - "ich werde zurückkommen" benutzt er oft in seinen Reden. Und doch, sagen Menschen, die ihn kennen, verändere er beim Erzählen Details seiner Vergangenheit. Viele Menschen machen das, sagen Psychologen, damit sie vergangene Erlebnisse besser integrieren können, damit das Vergangene zu einem Teil der Person werden könne, die sie sein wollen.Es hat Zeiten gegeben, in denen er seine Herkunft regelrecht inszeniert hat. Als Barbara Kaufman zum ersten Mal eine Rede von ihm las, dachte sie, er habe sie selbst geschrieben. "Kein Amerikaner würde so sprechen", sagt sie, "Satzstellung und Ausdrücke stimmten einfach nicht." Sie ließ die Rede von einer Mitarbeiterin korrigieren. Irgendwann erfuhr sie, dass Schwarzenegger seine Redenschreiber zwar beauftragte, deren Werke aber noch einmal bearbeitete. "Einer seiner deutschen Freunde hat sich hingesetzt und alles so umgeschrieben, dass es nach Schwarzenegger klang, etwas unvollkommener eben. Sie dachten, das sei charmant." Er macht das längst nicht mehr, sagt Kaufman, er verlasse sich auf seine Redenschreiber. Wahrscheinlich braucht er es nicht mehr.In diesem Frühjahr sitzt Schwarzenegger zusammen mit dem Apple-Chef Steve Jobs in einer Runde im Lucile Packard Krankenhaus in Stanford, wo sie gemeinsam eine Gesetzesinitiative vorstellen, die Organspenden erleichtert. "Nun möchte ich gern Steve heraufbringen", sagt Schwarzenegger nach seiner eigenen Rede. Dann steht Jobs am Mikrofon, und der brillante Rhetoriker ist nervös. Er zupft an seinem schwarzen Rolli, streicht sich über den Kopf, kratzt sich das Ohr. Es ist das erste Mal, dass der Multimilliardär in der Öffentlichkeit über seine Lebertransplantation vor einem Jahr spricht. Darüber, wie er fast gestorben wäre, wenn nicht sein Geld ihm eine neue Leber außerhalb Kaliforniens hätte kaufen können. Und wie er dann anfing, für dieses neue Gesetz zu kämpfen, damit "Menschen überleben können, egal, ob sie vermögend sind oder nicht". Schwarzenegger sitzt unbewegt auf seinem Hocker, Jobs zugewandt, und hört ihm intensiv zu, obgleich er und seine Frau die Geschichte längst kennen. Und man muss an Kaufman denken, die über ihren Chef sagt: "Wenn er einen Raum betritt, wird die Atmosphäre optimistischer und wärmer." Neben Jobs in obligatorischen Jeans und Turnschuhen sieht Schwarzenegger in seinem grauen Anzug ein wenig aus wie ein Professor, der einem Studenten durch die Prüfung hilft. Er sieht aus wie jemand, der ganz und gar in sich selbst ruht.Nach dem Debakel, das ihm das Referendum 2005 bescherte, entfernte er sich noch weiter von der politischen Person, die er war, als er in die Staaten kam, ein in jeder Hinsicht loyaler Republikaner nämlich. Er holte Susan Kennedy, die trotz des Namens weder verwandt noch verschwägert mit seiner Frau ist, in die Kampagne für seine Wiederwahl 2006. Ideal war Schwarzenegger mit seiner liberalen Hollywoodsicht für die kalifornischen Republikaner zwar ohnehin nie gewesen. Doch mit Kennedy, einem kleinen, sportlichen Energiebündel, damals 45 Jahre alt, hatte Schwarzenegger nicht nur eine Demokratin angeheuert, sondern eine ehemalige enge Mitarbeiterin seines Vorgängers und eine bekennende Lesbe. Die Angriffe, die folgten, ließen beide kalt. "Wenn es irgendjemanden gibt, der diesen Staat verändern kann und zum Funktionieren bringt, dann ist er es", sagte Kennedy zu demokratischen Freunden, die genauso schäumten wie die Republikaner. Ihr früherer Chef Gray Davis nannte sie eine Verräterin.Noch immer wird die Geschichte erzählt, dass neben Kennedy eine Koalition moderater Demokraten Schwarzenegger damals zum Wahlsieg verholfen hat, indem sie den farblosen Phil Angelides gegen ihn ins Rennen schickten. Tatsächlich setzte sich Angelides in der Vorwahl nur sehr knapp gegen seinen innerparteilichen Rivalen durch, der in Umfragen immer geführt hatte. Sollte der Coup tatsächlich so stattgefunden haben, reichte der Einfluss der Demokraten aber nicht aus, um sich dann mit dem neuen, alten Gouverneur auch in der Regierungsarbeit überparteilich zu einigen. In Sacramento muss per Verfassung mit Zweidrittelmehrheit abgestimmt werden, wenn es um Budgetfragen geht, oder Steuern erhoben oder erhöht werden sollen. Zwei, drei Handvoll Leute können alles blockieren. Was bei einer Arbeitslosenquote von über zwölf Prozent im Staat, 19 Milliarden Dollar Schulden, völlig überfüllten Gefängnissen und mies ausgestatteten Schulen genauso dramatisch ist, wie es klingt. "Damit ist der totale Stillstand geschaffen, an dem auch Schwarzeneggers Nachfolger noch Freude haben wird", schreibt die Los Angeles Times.Heute, auf dem amerikanisch-russischen Geschäftstreffen, spricht er darüber, dass jeder Gouverneur nur ein Katalysator sei. Er habe Beziehungen zu Russland in den vergangenen Jahren mit solcher Kraft vorangetrieben, weil ein neues Vertrauen zwischen dem Osten und dem äußersten amerikanischen Westen den Bürgern nützten. Präsident Medwedew strebt ein russisches Silicon Valley an, etabliert mit Hilfe des alten. "Bei solchen Partnerschaften geht es nicht um Medwedew oder um mich", sagt Schwarzenegger, "es geht um Russland und um Kalifornien." Um etwas, das bleibe.Erst wenn man zögert, so etwas aufzuschreiben, weil es zu pathetisch klingt, um ernst gemeint zu sein, wird einem bewusst, wie sehr man schon von einer politischen Kultur ausgeht, die keine mehr ist. Wie sehr man sich in Deutschland an die Westerwelles gewöhnt hat, deren politische Überzeugungen sich synchron zu den Umfrageergebnissen entwickeln, oder hier in Amerika an die Sarah Palins, deren Ideen sich darin erschöpfen, die Ideen anderer zu zertreten.Man kann sich vorstellen, wie sehr Schwarzenegger solche Menschen in seiner eigenen Partei verachtet. Im allerletzten Anlauf hat er nun doch noch eine Pensions- und eine Budgetreform durchgedrückt. Das Kernstück der Budgetreform ist ein Schlechtwetter-Fonds, in den jedes Jahr eine bestimmte Summe für schlechte Zeiten eingezahlt werden muss. Um das verfassungsrechtlich abzusichern, werden die Bürger 2012 darüber abstimmen. Seit seiner Russlandreise reist Schwarzenegger von Stadt zu Stadt, um den Bürgermeistern schon mal zu erklären, warum man in fetten Zeiten sparen muss, um durch die mageren zu kommen, und um sie für 2012 mit Argumenten zu wappnen. Und selbst die Pensionsreform, die das Rentenalter für Staatsangestellte anhebt, von 50 auf 55 Jahre, muss verteidigt werden. In Kalifornien gilt es als Gewohnheitsrecht, dass Polizisten, wenn sie mit 50 Jahren in den Ruhestand gehen, oft 90Prozent ihres früheren Gehalts beziehen, dass manche Angestellte auf eine Pension von 300000 Dollar kommen oder Gefängniswärter mit Überstunden leicht ein Jahresgehalt von über 100000 Dollar erreichen können. Wo immer Arnold Schwarzenegger, der sein Gehalt von über 200000 Dollar nie angenommen hat, in diesen Tagen auch hinreist, plädiert er an die menschliche Vernunft. "Ich bin froh, dass der neue Gouverneur von diesen Reformen profitieren wird", sagt er, "für mich kommen sie zu spät, doch ich bin froh für Kalifornien."In seiner Wochenansprache nach der Abstimmung über die Pensionsreform lehnt er sich in seinem Sofa zurück und nennt alle vier Republikaner, die dagegen gestimmt haben, mit Namen, während ihre Fotos eingeblendet werden. "Wir wissen, dass die Demokraten mit den Gewerkschaften im Bett liegen", sagt er, "daran haben wir uns gewöhnt. Doch auch Republikaner liegen dort, unter dem Laken." Er führt sie vor wie überführte Ladendiebe. Sie müssen ihn hassen. Das scheint ihm egal zu sein. Die Wahlempfehlung für John McCain war eine Pflichtübung, und für die republikanische Bewerberin um seine Nachfolge, die frühere Ebay-Chefin Meg Whitman, hat er noch keinen Finger gerührt. Was die wahrscheinlich zu schätzen weiß, da ihre neueren Werbespots sich ausschließlich darauf richten, sich von ihm zu distanzieren. In diesem Frühling haben ihn Republikaner angefleht, das Verbot der Schwulenehe vor einem Bundesgericht in San Francisco zu verteidigen. Stattdessen erklärte er nach dem Richterspruch, der die Verbindung für rechtens erklärte, nun würden endlich alle Menschen gleich behandelt. Und die Worte, die er wählt, um gegen ein Referendum zu kämpfen, das seine wirklich große Errungenschaft - eines der weltweit wirksamsten Klimaschutzgesetze - erst einmal auf Eis legen will, und das von texanischen Ölfirmen gesponsert wird, passen in das Vokabular eines linken Vorkämpfers für die Umwelt.Beinahe jeden Abend fliegt Schwarzenegger von Sacramento nach Los Angeles, wo er lebt. Seine zwei Töchter studieren, doch die zwei Söhne, der siebzehnjährige Patrick und der dreizehnjährige Christopher, sind noch im Haus, und es gebe nichts Schöneres, als einfach mit ihnen und mit seiner Frau zu reden, sagte er neulich. Freunde vermuten, dass ihn die Sehnsucht nach der Familie sogar davon abhalten könnte, einen Job in Washington anzunehmen. Man kann sich ihn gut als Energieexperten für Obama vorstellen oder für eine große Organisation. Er selbst hat vor kurzem getwittert, dass er wahrscheinlich erst einmal ein, zwei Bücher schreiben werde, zum Beispiel seine Autobiografie. Auch ein Comeback als Schauspieler scheint er sich vorstellen zu können.Es soll vorkommen, dass Schwarzenegger, bevor er abends fliegt, seine Stabschefin nach Hause schickt, "Was machst du noch hier?", sagt er dann, "fahr zu deiner Frau." Er ist einen weiten Weg gegangen.------------------------------Foto: 1976: Arnold Schwarzenegger posiert im Whitney Museum in New York.Foto: 1983: Neuamerikaner mit Einbürgerungsurkunde und Freundin Maria Shriver.Foto: 2001: Mit "Terminator 3" beendete Schwarzenegger seine Filmkarriere - vorerst.