Liese ist unruhig. Seit fast drei Stunden sitzt sie zu Hause an ihrem Computer, surft im Internet. „Warum rufen die Jungs nicht an?“, fragt sie sich halblaut. Draußen scheint die Sonne, es ist der 4. November 2011, ein Freitag, kurz nach zwei Uhr nachmittags. Mehrfach hat sie in den letzten Stunden online nach Meldungen über Autounfälle in Sachsen gesucht. Nichts, kein verunglücktes Wohnmobil. Aber wieso lassen Max und Gerri nichts von sich hören? Das gemeinsame Leben der drei Freunde war ruhiger geworden in den letzten Jahren. Sie hatten diese schöne Wohnung in der Zwickauer Frühlingsstraße gefunden, in einer bürgerlichen Gegend mit schönen Gärten und Einfamilienhäusern. Geld war auch genug vorhanden. Die drei leisteten sich lange Urlaube, trafen Leute, fanden neue Freunde. Die Angst der ersten Jahre vor einer Entdeckung war längst verschwunden.

Es geht auf halb drei zu. Liese klickt sich durch die Seiten der Tierschutzorganisation Peta. Soll man denen Geld spenden? Oder doch lieber dem Tierheim oder der Obdachlosenhilfeeinrichtung, deren Internetseiten sie sich vorher angeschaut hatte? Beide Vereine könnten das Geld sicher auch gut brauchen. Nervös schaut die junge Frau auf ihr Handy. Nichts, keine Nachricht. Die Uhr auf dem Display zeigt 14.28 Uhr. Liese wendet sich wieder dem Computer zu und tippt „fleisch von freilaufenden tieren zwickau“ in das Google-Suchfeld. Da leuchtet das Display ihres Handys auf, eine SMS: „Alles o.k., sind in zwei Stunden da“, liest sie. Liese atmet auf. Die beiden Jungs kommen heim.

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