KLEINMACHNOW. Wirksames Meckern ist äußerst mühevoll. Wer einen Missstand entdeckt - etwa eine verdreckte Bushaltestelle - regt sich zwar darüber auf. Und nervt dann vor allem seine Frau oder seinen Mann. Die wenigsten rufen im Ordnungsamt der Stadt an oder schreiben eine Beschwerde.Doch in Brandenburg wird Meckern nun zum leicht gemachten Bürgerrecht. Das Innenministerium hat eine Internetseite eingerichtet. Unter "maerker.brandenburg.de" können die Brandenburger, aber auch Touristen "schnell und unkompliziert auf die von ihnen festgestellten Probleme hinweisen", erklärt das Ministerium.Seit Juni haben Rathenow, Mittenwalde und Rüdersdorf die Sache getestet. Die erwähnte verdreckte Bushaltestelle in Mittenwalde wurde zum Beispiel am 9. September gemeldet. Die Ampel, die neben jedem Eintrag steht, zeigt in diesem Fall Grün. Denn die Stadtverwaltung hat reagiert und vermerkt: "Erledigt. Die Reinigung der Bushaltestelle wurde durchgeführt." Daneben stehen als Beweise auch noch Vorher- und Nachher-Fotos.Die "virtuelle Meckerecke" soll keine Denunziationsmaschine sein. "Es geht um eine bessere Kommunikation zwischen Kommunen und Bürger", sagt Ministeriumssprecher Wolfgang Brandt. "Es geht darum, dass sich die Verwaltungen freiwillig beteiligen und sich vor allem verpflichten, innerhalb von drei Tagen über die Beseitigung des Problems oder das weitere Vorgehen zu informieren." Bislang sei bundesweit kein solches Angebot bekannt. Ähnliches gebe es nur in Großbritannien, doch dort sei die Initiative nicht von der öffentlichen Hand ausgegangen, sondern von Privatfirmen.Eine solche Meckerecke kommt schnell unter Piefigkeitsverdacht. "Bislang sind bei uns nur sachdienliche Hinweise eingegangen", sagt Hartmut Piecha, Büroleiter des Bürgermeisters in Kleinmachnow. Der Ort ist die erste Kommune, die sich nach dem Testlauf beteiligt. Die Bürger beschweren sich beispielsweise über beschädigte Betonpoller an einer Straße, über eine wild über den Fußweg wachsende Hecke oder über neue LED-Straßenlaternen, die zu dunkel sind.Mund-zu-Mund-PropagandaWenn eine Beschwerde eingeht, bekommt Piecha oder eine Kollegin eine Mail. "Wir sehen uns dann die Beschwerde an und entfernen alle Dinge, die geschützte Persönlichkeitsrechte von Bürgern betreffen - beispielsweise Nummernschilder von Autos." Erst dann stellt Piecha den Text auf die Internetseite und die Ampel auf Rot: "Angenommen".Dann ruft er im zuständigen Amt an, damit die Beschwerde abgearbeitet wird und stellt die Ampel auf Gelb: "In Arbeit". Der beschädigte Poller war nach einem Tag erledigt und Piecha konnte die Ampel auf Grün stellen. Bei der Straßenlaterne teilte er mit, dass das ein Testlauf für neue Lampen sei, der bis Dezember andauere. Und bei der Hecke muss erst der Besitzer des privaten Grundstücks angeschrieben werden. "Das kann dann schon mal vier Wochen dauern, bis es erledigt ist", sagt Piecha, der sich nun jeden Tag etwa eine Stunde lang mit den Beschwerden und deren Abarbeitung beschäftigt.Der Städte- und Gemeindebund unterstützt die Aktion: "Da das Ganze unter dem Motto ,Bürger machen mit' läuft, ist es empfehlenswert", sagt Vizegeschäftsführerin Monika Gordes. "Für die Verwaltung ist es eine Arbeitserleichterung, weil sie schnell Bescheid weiß über Missstände. Für die Bürger, die oft frustriert sind, weil die Abarbeitung von Beschwerden lange dauert, schafft es eine große Zufriedenheit." Weitere Gemeinden wie Groß Kreutz und das Amt Scharmützelsee wollen sich beteiligen.Auch in Potsdam laufen die Vorbereitungen. Das Innenministerium hofft auf Mund-zu-Mund-Propaganda. "Wir wollen, dass alle Kommunen mitmachen", sagt Brandt. "Je mehr sich beteiligen, um so bekannter wird die Sache, um so mehr Bürger fragen: Warum gibt es das nicht auch bei uns?"------------------------------Die Merker in der MarkDoppeldeutig: Der Name "Märker" soll die Heimatverbundenheit der Bewohner der Mark ansprechen und an die Aufmerksamkeit aller "Merker" appellieren.Resonanz: Kleinmachnow: 45 Hinweise, Rathenow: 48, Rüdersdorf: 68, Mittenwalde: 27.Potsdam: Die Stadt hat 153 000 Einwohner - mehr als doppelt so viele wie die anderen vier "Märker"-Kommunen zusammen. Deshalb wird diskutiert, die Beschwerden nach Stadtteilen zu ordnen. Potsdam beteiligt sich ab November.Infos im Internet: www.maerker. brandenburg.de