Ich klicke mich durchs Netz. Immer wieder gebe ich seinen Namen ein, als könnte ich dadurch die Verbindung zu ihm halten. Die Nachrichten kommen im Sekundentakt, inzwischen haben sich die Einträge zu seinem Namen verdoppelt. Ich wähle seine Handynummer, um seine Stimme zu hören. Einen kurzen Moment lang hoffe ich, er nimmt ab.Als könnte ich mich dadurch selbst überlisten, als wäre er dadurch noch am Leben.Aber Frank Giering ist tot. Und ich habe eine Wahnsinnswut. Weil wir es nicht geschafft haben, ihn am Leben zu halten. Weil er es selber nicht geschafft hat.Wir wussten alle, dass er ein Grenzgänger war, ein Seiltänzer zwischen den Welten. Zum Leben erwacht vor der Kamera, die ihm seine Existenzberechtigung zu geben schien, die er selbst immer so sehr anzweifelte.Wir haben zusammen studiert, an der Filmhochschule in Babelsberg, er Schauspiel, ich Regie. Da stand er immer rauchend im Flur, schüchtern lächelnd, und war schon damals so anders. Offen und ohne Haut. Während seine Studienkollegen ihre Ängste mit großen Gesten überspielten, schien er seine Schwächen vor sich her zu tragen. Immer ungläubig, wenn man begeistert von ihm war. Wie ein Kind, mit staunenden Augen, als könne er im Gesicht seines Gegenübers ein Stück vom eigenen Selbst erkennen. Als würde er nur durch den Anderen existieren. Und manchmal, einen kurzen Moment lang, da sprang der Funke über. Und er konnte es annehmen.Damals haben wir uns versprochen: Irgendwann, wenn wir groß sind, dann drehen wir zusammen.Ich habe nur zwei Filme mit ihm machen dürfen. Aber wir hatten uns geschworen: keine Arbeit von mir ohne ihn. Nicht nur, weil er einer der Besten war. Sondern weil er ein Freund war, mit der Seele eines Schmetterlings, nie wirklich greifbar und immer zu nah am Feuer. Ein Schmetterling, der in der einsamen Nacht zu vergehen drohte.Gleichzeitig war die Arbeit mit ihm immer ein Geschenk. Wie kaum ein Anderer hat er sich tief in seine Figuren hinein begeben, er wusste, wie sie gehen, wie sie essen, was ihnen Freude macht. Ich war begeistert, wie Frank mit seinen Figuren verschmolz, Grenzen verschwammen und plötzlich jemand vor mir stand, der eben nicht mehr nur Figur war, sondern Mensch. Und egal, wie abgründig seine Rolle war, man spürte die Seele dahinter. Weil Frank Menschen gespielt hat, keine Figuren.Ich erinnere mich an eine gemeinsame Fahrt nach einem Drehtag. Es war dunkel, es war warm, wir saßen erschöpft auf der Rückbank des Autos und fragten uns, wie man das eigentlich aushalten kann; das Leben. Da beschrieb er, was mit ihm passiert, wenn sich die Kamera auf ihn richtet: wie die Intensität steigt, je näher sie kommt. Bis ran an die Angst und darüber hinaus. Und dahinter fühlt er sich frei.Aber irgendwann geht die Kamera immer aus und das ist dann wie sterben.Da habe ich verstanden, dass es zusammengehört: seine Selbstzerstörung und die Kunst, die er in sich trägt. Das eine nicht ohne das andere. Und dass man deshalb immer ein bisschen die Hand über ihn halten muss, weil er sonst verbrennt.Ich habe es versucht. Aber es hat nicht gereicht. Ich konnte seiner Verzweiflung zu wenig entgegensetzen. Und das macht mich fertig. Ich habe ihn geliebt.Dein fränki, das hat er immer gesagt. Dein fränki. Das werde ich niemals vergessen.Aelrun Goette,Regisseurin, drehte mit Frank Giering den Tatort: "Der glückliche Tod" und den Fernsehfilm "Keine Angst"---Das erste Mal begegnete ich Frank in einem Maskenmobil. Es war bei den Dreharbeiten zu "Keine Angst". Ich spielte die 14-jährige Tochter einer überforderten arbeitslosen Frau, er spielte deren fiesen Liebhaber. Es war sein erster Drehtag, ein Spätsommertag in Köln, und Frank saß mit einem breiten Grinsen in Jogginghosen und Cowboystiefeln, die er für seine Rolle tragen musste, auf einem Stuhl und flirtete gerade mit seiner Maskenbildnerin. Sie erzählten sich Geschichten, die sie gemeinsam bei Dreharbeiten erlebt hatten, sie lachten. Als er mich sah, gab er mir die Hand, lächelte und sagte: "Du spielst also die kleine Becky."Ich war so aufgeregt. Frank Giering, einer der größten deutschen Schauspieler, gab mir die Hand und lächelte mich mit einem Lächeln an, das ich vorher nur aus dem Fernseher kannte und das nur ihm gehören konnte. Ich hatte mir gerade noch "Absolute Giganten" angesehen, ein großartiger Film, und da gibt es diese Szene im Fahrstuhl, da hat er diesen Blick, als ob er alles weiß von der Welt, alles kennt, alles versteht. So hat er mich auch angeguckt, und ich glaube, er hat gespürt, dass ich ganz schön aufgeregt war, denn er zeigte mir sofort sein "Rollenparfum"."Das habe ich gestern ganz zufällig bei Schlecker entdeckt und dachte mir: Ja, so riecht meine Rolle", erzählte Frank und drückte mir eine kleine Adidas-Parfumflasche in die Hand. "Das mache ich manchmal, damit ich meine Rollen nicht nur fühlen, sondern auch riechen kann." Alle lachten und meine Aufregung war weg.Mit Frank zu arbeiten war irgendwie ganz anders als mit den anderen Schauspielern. Er sagte nie wirklich viel, aber trotzdem hatte ich immer das Gefühl, dass er offen war, offen, um seine Gefühle zu zeigen und offen für tiefe Einblicke in seine Welt. Wenn ich die großen Schauspieler beobachte, mit denen ich arbeite, versuche ich immer, viel von ihnen zu lernen. Wie sie ihre Rollen in sich finden und wie sie sich konzentrieren. Was ich von Frank gelernt habe und was mich auch immer noch begeistert, ist seine Ruhe und seine Bereitschaft, die Gefühle, die er spielen muss, in den Momenten vor der Kamera wirklich zu fühlen und in sich zuzulassen. Egal, wie weh sie auch tun. Er war wirklich der Typ aus dem Film, selbst in den Drehpausen. Ich weiß noch, wie er einmal so einen Macho-Spruch geklopft hat und dann rausgegangen ist und die Tür hinter sich zugeschlagen hat. Wir mussten alle lachen und Aelrun hat gesagt: Er spielt immer noch.Er wusste auch immer genau, ob eine Szene schon stimmt oder nicht, und wenn nicht, wollte er sie unbedingt nochmal spielen, solange, bis er das Gefühl hatte, echt gewesen zu sein. Es war dieses Authentische, das ihm so wichtig war.Frank und ich hatten zwei Szenen, die nicht einfach waren. In der einen musste er nackt an mein Bett treten und mir zu meiner Drei in Mathe gratulieren, in der anderen spielten wir eine Vergewaltigung. Ich hatte Angst, ich hatte ja sowas noch noch nie erlebt, und ich wusste nicht, was ich machen soll. Aber Frank war genauso aufgeregt wie ich. Er hat total gezittert, und das hat mich beruhigt, dass so ein erfahrener Schauspieler auch noch so unsicher sein kann. Das geht nicht weg, hat er gesagt, die Angst, sie vergeht nicht, egal, wie oft man schon gespielt hat.Wir hatten beide Szenen genau besprochen, was wir damit sagen wollen, um welchen Zweck es geht. Er hat mir genau erklärt, was kommt, dass wir uns jetzt hinlegen, dass er sich jetzt auf mich legen wird, und als wir dann übereinander lagen, hat er sich immer mit seinen Händen abgestützt, damit er mir nur nicht weh tut, und pausenlos hat er sich entschuldigt. Auch in der anderen Szene, als er mir sagen musste, wie schön ich bin, hat er sich immer wieder entschuldigt.Sechs Tage haben wir zusammen gedreht. Das letzte Mal habe ich Frank auf der Premiere in München gesehen. Er war damals schon so mager. Ich kannte ihn eigentlich nur so.Frank, ich danke dir! Mach's gut und pass auf dich auf! Du bist ein Mensch, den man einfach nicht vergessen kann! Schon allein wegen diesem einen Blick, den du hast. Und danke für deine Filme, in denen du einfach unsterblich bist! Egal, wo du jetzt auch bist, für mich bist du ein absoluter Gigant! Bis dann, Frank!Michelle Barthel, 17, Gymnasialschülerin und Schauspielerin, spielte mit Frank Giering zusammen in "Keine Angst"An dem Tag, als Frank Giering starb, wollte ich mich mit ihm für ein Interview verabreden. Ich hatte vor vier Monaten ein Porträt über ihn geschrieben. Eine Fernsehzeitschrift plante, den Text nachzudrucken und fragte mich, ob ich ihn aktualisieren könne. In vier Monaten kann viel passieren. Ich rief bei seiner Agentur an, und man sagte mir, dass es kein Problem sein sollte, Zeit für ein Gespräch zu finden. Sieben Stunden später war er tot.Als ich davon erfuhr, überkam mich das gleiche Gefühl, das ich hatte, als ich mich im Café des Delphi-Filmpalastes von ihm verabschiedete, das Gefühl der Hilflosigkeit. Damals hatten wir zwei Stunden geredet. Es ging um eine Rolle in einem Fernsehfilm, in dem er wie so oft, einen Bösewicht spielte. Frank Giering trank stilles Wasser und Espresso, die Mandel, die auf der Untertasse lag, rührte er nicht an. Ich hatte ihn zunächst gar nicht erkannt. Mit rundem Gesicht und kleinem Bauchansatz war er mir aus Filmen in Erinnerung. Nun wog er 20 Kilogramm weniger. Seine Hände zitterten. Er sagte: "Ich habe mir immer gewünscht, dass jemand mal zu mir sagt, ich sei zu dünn, weil ich mein ganzes Leben lang pummelig war. Jetzt freue ich mich, wenn die Leute meinen, dass ich ruhig wieder etwas zulegen könne. Vielleicht ist das krank, aber das reimt sich ja auch auf Frank."Es sollte ein Witz sein, aber er lachte nicht darüber. Er war ernst und nachdenklich. Er wirkte schwach. In Berlin waren gerade die Filmfestspiele, aber er blieb zu Hause. "Ich hätte totale Befürchtung irgendwohin zu gehen und zu sagen: He, hier ist Frankie, da bin ich." Auf Partys fühlte er sich verloren. Er hatte es lieber, wenn man ihn entdeckte, wenn die Kamera ganz dicht an ihn herankam, um seine Stimmung einzufangen. "Das Größte, was ich mir als Junge erträumt habe", erzählte er, "ist etwas Besonderes zu machen. Berühmt zu werden. Ich hatte so eine Sucht, wahrgenommen zu werden, die habe ich auch immer noch. Vermutlich ist die auch noch da, wenn ich zu Grabe getragen werde." Vielleicht war es gerade diese Sucht nach Aufmerksamkeit, der sich andere Süchte in seinem Leben unterordneten. Alkoholsucht, Magersucht, Sehnsucht. Darüber hat Frank Giering offen gesprochen.Als er im Café von der Vergangenheit erzählte, fiel auf, wie sehr er an ihr festhielt. Sein Stiefvater, der ihn am 23. Juni in seiner Wohnung gefunden hat, war sein bester Kumpel. Oft fuhr er nach Magdeburg, um mit ihm angeln zu gehen. Er zog Schwarz-Weiß-Aufnahmen den Farbfotos vor und er trug klassische Klamotten statt schrilles Outfit. Er mochte die Musik von Pulp und Suede, Briefe schrieb er mit der Hand und ein E-Mail-Konto besaß er nicht. Das Sentimentale schien ihm ins Gesicht geschrieben zu sein. Seine Züge sahen weich aus und seine blauen Augen treu. Er war ein Reisender, der nicht ankam. Das Verlorene an ihm erinnerte mich an die Helden aus "Denn sie wissen nicht was sie tun" - sensible Jungs, bei denen man nie weiß, wohin diese Verlorenheit einmal führt. "Natürlich bin ich melancholisch", sagte er, "und auch oft traurig. Ich habe immer Angst, dass irgendwas passiert oder jemandem etwas zustößt."Zum Abschied erzählte er mir eine Geschichte von einem Schäfer, dem auf der Weide ein Engel erscheint. "Du wirst einen großen Schatz finden", prophezeite ihm der Engel. Der Schäfer machte sich daraufhin auf in die große, weite Welt, aber er fand keinen. Als er nach Hause zurückkehrte, stellte er fest: Hier ist ja mein großer Schatz. Für Frank Giering war die Anekdote eine Parabel für sein Leben. Er wollte zufrieden sein.Katja Hübnerist freie Autorin. Sie hat Frank Giering im Februar interviewt.---Ich sehe Frank jeden Tag, auch jetzt noch. Ich stehe gerade im Tonstudio in Berlin und bearbeite die Folgen vom Kriminalisten, den wir im Januar zusammen gedreht haben. Es ist merkwürdig und wahnsinnig traurig und mir wird noch mal ganz deutlich, dass der Frank, den ich persönlich kannte, ein ganz anderer Mensch war als der, den er gespielt hat. Der Mensch, den er gespielt hat, hat Selbstvertrauen, ist witzig und clever und wortgewandt, all das, was Frank im Privatleben nie war. Am Set stand er in der Ecke wie ein neunjähriger Junge, total zerbrechlich, völlig schüchtern, so nach dem Motto, ich habe hier nichts zu suchen, ich bin hier nur zu Besuch und das alles ist mir total suspekt. Und dann stellte man die Kamera hin und machte eine Probe, und in dem Moment war er der Frank, den wir vom Film kennen, das ist Wahnsinn. Diese Traurigkeit in seinem Gesicht ging nicht weg, aber der Rest. Und ich sage mir jetzt manchmal, Mensch Frank, wenn du das gewesen wärst, was du vor der Kamera warst, wärst du heute vielleicht noch da.Frank brauchte viel Bestätigung und Liebe. Und das in diesem Beruf, in dem es fast immer nur um Zeit, um Pünktlichkeit geht. Diese kontinuierliche, knüppelharte Fernseharbeit über Monate hinweg, von Januar bis August. Du hast zwar Geld und Sicherheiten, aber dein Leben ist verplant, und zwar mit Forderungen. Wer mal versucht hat, vor ne Kamera zu treten und vor 35 Leuten, die um einen rumstehen, zu spielen, der weiß, wie schwer das ist. Das kostet einen normalen Menschen schon viel Überwindung. Für jemanden wie Frank, der voller Neurosen war, ganz wenig Selbstbewusstsein hatte, für den ist das fünfmal so schwer.Ich habe Frank geliebt. Ich habe immer zu ihm gesagt: "Frank, spiel, wie du willst, denn das ist auf jeden Fall besser als alles, was ich dir sagen kann." Ich kannte die Geschichten, dass er nicht kommt, dass er Drehtage ausfallen lässt, aber bei mir war das nie so. Er hat mal gesagt: "Ich bin so froh, dass du da bist, Thomas." Aber jetzt mache ich mir Gedanken, ob ich mich nicht hätte mehr in sein Leben einmischen sollen. 2007, als wir das erste Mal zusammen gearbeitet haben, war er noch relativ pummelig und 2009 war er plötzlich spindeldürr. Und Anfang 2010 war er noch dünner. Hinter vorgehaltener Hand haben wir gesagt, dass da was nicht stimmt, auch wenn er immer gesagt hat, ich bin so froh, dass ich endlich dünn bin. Ich sehe endlich so aus, wie ich immer aussehen wollte. Endlich bin ich nicht mehr dick. Er hat gar nichts mehr gegessen, auch am Set nicht. Keine Süßigkeit zwischendurch, nichts. Ich hab immer gesagt: Was isst du denn eigentlich, Frank? Und er hat gesagt: Das weißt du doch: Ich geh doch abends immer in mein Restaurant und esse meinen Fisch. Er hat über Jahre hinweg in seinem Restaurant immer den gleichen Fisch gegessen. Da hat man sich natürlich gefragt, was ist da los?Wir haben im Januar gedreht, wir waren alle dickstens eingepackt, an einem Tag waren minus 17 Grad, und Frank stand da in seinem dünnen Jäckchen und seiner dünnen Hose, die flatterte schon, weil da nichts mehr drin war. Und wir sagten: "Mensch, Frank, zieh dir was an", und er sagte, "ach lass mal, es geht schon". Als wir dann drinnen waren, hörte das Zittern aber nicht auf, auch Teile seines Gesichts zitterten. Und wir wussten nicht, wie wir das abstellen sollten und woher das kam, ob das schon Teil der Angst war.Frank hatte Angst vor dem Leben da draußen. Angst vor dem Ganzen. Er hatte nie ein Selbstverständnis als Schauspieler. Wir leben ja in einer Welt, in der überhaupt nicht mehr gelobt wird. Alles hat so einen zynischen Unterton. Das war für jemanden wie Frank schwer zu ertragen. Die Presse, die er bekommen hat an dem Tag nach seinem Tod, dieses Lob, mit dem er überschüttet wurde, das hat ihm gefehlt.Thomas Jahn, Regisseur, drehte mit Frank Giering die Fernsehserie "Der Kriminalist"------------------------------Geboren in MagdeburgAm liebsten hätte er noch die Sicherheit, die er als Kind hatte, sagte Frank Giering einmal in einem Interview. Giering war ein Schauspieler, er war 38 Jahre alt, und seine größte Angst war, irgendwann nicht mehr spielen zu dürfen. Eigentlich musste er diese Angst nicht haben, die Regisseure rissen sich um ihn, seit er mit seinem minimalistischen Spiel in der Rolle eines psychopathischen, gnadenlosen Killers in Michael Hanekes "Funny Games" auf einen Schlag berühmt wurde. In fünfzig Filmen spielte er seitdem, aber die Angst blieb.Frank Giering wuchs in Magdeburg auf, mit 14 Jahren spielte er eine erste kleine Rolle. Er studierte Schauspiel in Potsdam und bis 1991 in Bochum, brach jedoch das Studium vorzeitig ab, weil er sich bei einigen Übungen "wie in der geschlossenen Abteilung einer Psychiatrie" fühlte. Giering spielte dann am Staatstheater Cottbus, wo er für das Fernsehen endeckt wurde. Den Durchbruch schaffte er 1999 als rebellischer Außenseiter in dem Kinofilm "Absolute Giganten". 2002 spielte er die Hauptrolle in dem Film "Baader", von 2006 bis zu seinem Tod in der ZDF-Serie "Der Kriminalist" an der Seite von Christian Berkel den Kommissar Henry Weber.Frank Giering hatte immer wieder Alkoholprobleme. "Ich habe versucht, mir die Leere zwischen den Filmen wegzutrinken", sagte er einmal. Nach seinem Erfolg in dem Film "Absolute Giganten" ging er 2001 mit 29 Jahren das erste Mal für sechs Monate auf Entziehungskur. Nach Dreharbeiten zog er sich zurück in sein Kinderzimmer in einer Magdeburger Neubauwohnung, in der er noch als erwachsener Mann mit der Mutter lebte, später in sein Apartment in Charlottenburg oder in den Spreewald, der ihn beruhigte.Verbindungen zur Außenwelt hatte er in diesen Phasen nur wenige, Giering lebte ohne Computer und Führerschein. Partys mied er, weil er immer wieder versuchte, trocken zu bleiben, und weil er sich in der oberflächlichen Aufgeregtheit solcher Gemeinschaften nicht aufgehoben fühlte. Giering war ein stiller Mensch. Ein Einzelgänger, der zum Unglücklichsein neigte. Zwei Beziehungen zu Frauen gab es, nicht er warb um sie, er war zu schüchtern. Eine Zeit lang war er glücklich, am Ende gingen die Beziehungen entzwei. Giering nahm 20 Kilo ab. Er sagte, es war die Liebe und dann der Liebeskummer.Einer seiner letzten Filme hieß "Keine Angst". Frank Giering spielte einen arbeitslosen Alkoholiker, der sich bei einer alleinerziehenden Frau und ihrer Tochter einnistet. An deren 14. Geburtstag vergewaltigt er das Mädchen. Giering spielte oft den Verbrecher und er konnte sich nur schwer seelisch davon lösen. Nach "Funny Games" brauchte er Jahre, bis die Distanz da war zu dem brutalen Spiel.Mittwoch letzter Woche starb Frank Giering in seiner Wohnung an einer Gallenkolik. Im August will das ZDF vier "Kriminalist"-Folgen wiederholen, im Oktober und November sollen die neuen Folgen zu sehen sein. In sechs der geplanten acht Episoden ist Giering noch dabei.------------------------------Foto: Frank Giering in einer Szene aus dem Film "Absolute Giganten" aus dem Jahr 1999 von Sebastian Schipper