Gleich hinter dem Grünen Gitter zu Potsdam-Sanssouci liegt ein kulturlandschaftliches Kleinod, das zu den schönsten Schöpfungen Peter Joseph Lennes zählt. Hier, im Marly-Küchen-Garten, stand die Wiege des weltberühmten Park-Ensembles. Fast unbemerkt fanden in dem nur etwa fünf Hektar kleinen Garten in den letzten Monaten umfangreiche, restauratorische Arbeiten statt.Sonntags, wenn der Soldatenkönig Friedrich Wilhelm I. (1688-1740) gute Laune hatte und die Sonne lachte, ging's mit Familie und Lieblings-Offizieren hinaus zum Picknick ins Grüne. Weitab, vorm Brandenburger Tor, erholte sich der Monarch zwischen Obstbäumen, Kräutern, Spargelbeeten, Kohlköpfen und ostfriesischen Kühen. "Mein Marly" nannte er, der alles Französische zutiefst verachtete, seinen Küchengarten. Das war bewußter Hohn auf des "Sonnenkönigs" Ludwig XIV. Lustschloß Marly-le-Roi bei Versailles. Träume wurden wahr Oft entzog sich dann Kronprinz Friedrich (II.) dem bürgerlich-schlichten Treiben. Sein Ziel war der nahe "Wüste Berg". Hier träumte Fritz von einem sorglosen Leben mit all den prickelnden Annehmlichkeiten der französisch-höfischen Kultur und von seinem Lustschlößchen "Sans, Souci". 1744 begann der nunmehr regierende König, sich seinen Jugendtraum zu erfüllen. Die berühmte Terrasse mit dem Rokokopalais obenauf entstand und mit ihr weitere Parks, Schlösser und Gärten. Des Vaters Küchenparadies schlummerte indes noch ein weiteres Jahrhundert vor sich hin. Ab 1845 erbaute Urgroßneffe Friedrich Wilhelm IV. (1795-1861) die Friedenskirche am alten Marly-Garten. Des Königs "Gartengeneral" Peter Joseph Lenne bekam erneut Gelegenheit, seine am englischen Landschaftspark geschulten Künste unter Beweis zu stellen.Der heutige Gartendirektor der Stiftung, Michael Seiler, hat sich zum Ziel gesetzt, des Meisters Original wiederzugewinnen. Das Kleinod mußte in den vergangenen 140 Jahren manch stillose Veränderung und Vernachlässigung erleiden.1994 ließ Seiler zunächst den breiten Nord-Süd-Weg erneuern und den Florahügel wiederherstellen. Das überwucherte Labyrinth an der Christus-Pforte wurde gartenarchäologisch ergraben und neu bepflanzt. Im Frühjahr dieses Jahres setzten sich die Arbeiten mit den schmalen Fußwegen im Nordteil des Marly-Gartens fort. 160 000 Mark hat das alles bisher gekostet. Professor Seiler rechnet noch mit vielen hunderttausend Mark und noch sieben bis acht Jahren, bis das Ziel erreicht ist. Frühere Bepflanzung Nunmehr soll die originale Bepflanzung wiedergewonnen werden. Etwa "Vitex agnus castus," der "Keuscheitsbaum" (so genannt, weil angeblich seine Früchte die fleischlichen Lüste wehren), wird gepflanzt.Dann kommen die verschlungenen Pfade im Südteil des Gartens dran, wird der kleine Teich erneut in den Park eingebunden. Auch der figürliche Schmuck soll zurückkehren. So der kleine Triaden-Brunnen, der beim Luftangriff auf Potsdam im April 1945 zerstört wurde. Auch das vergoldete, papageienfütternde Mädchen, das in den Nachkriegsjahren samt fünf Meter hoher Glassäule vom Sockel stürzte. +++