Wir befinden uns im Jahr 2013 n. Chr. Über ganz Deutschland herrscht die regelungswütige EU. Über ganz Deutschland? Nein! Eine von unbeugsamen Politgrößen angeführte Volkspartei leistet erbitterten Widerstand. Und zwar mit ihren ganz eigenen Mitteln.

So könnten die neuesten Einlassungen von SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück interpretiert werden. Vor Unternehmern in Karlsruhe geißelte der in Umfragen bislang abgeschlagene Politiker die Regulierungswut der Brüsseler Institution.

„Die EU-Kommissionen müssen davon abgebracht werden, alles bis ins Detail regeln zu wollen“, sagte er auf einer Wahlkampftour durch Baden-Württemberg am Montag. Zwar solle grenzüberschreitend geregelt werden, was sinnvoll sei. „Aber etwa in unseren Sozial- und Wohlfahrtsverbänden oder im öffentlichen Nahverkehr hat die EU nichts zu suchen.“

Demonstranten gegen Rauchverbot berufen sich auf Altkanzler

Er selbst habe beispielsweise Hundert spezielle französische Glühbirnen in seinem Keller gebunkert, „weil ich nicht weiß, ob ich die in fünf Jahren für meine französische Lampe noch bekomme“. Damit spricht er sicherlich vielen Deutschen aus der Seele, die sich vor dem Verbot der klassischen Glühlampe und aus Angst vor „kaltem“ Licht der Energiesparlampe noch einmal kräftig eindeckten.

Noch brisanter ist Steinbrücks Enthüllung über Altkanzler Helmut Schmidt: Der habe sich mit 200 Stangen „Reyno“-Zigaretten eingedeckt, so Steinbrück. Diese will die EU demnächst verbieten, weil Menthol den Tabakgeschmack verändert und zum stärkeren Inhalieren verleitet.

Helmut Schmidt ist Deutschlands bekanntester Rauch-Dino und berüchtigt für seine Leidenschaft für die Geschmacksrichtung Menthol. Bislang prallten alle Raucherverbote an dem 94-Jährigen ab. Schmidt ist ohne Kippe nicht denkbar, für ihn werden auch bei öffentlichen Veranstaltungen Ausnahmen gemacht. Einmal jedoch wurde er verklagt, als er im Winterhuder Fährhaus kurz nach Einführung des Rauchverbots in Hamburg qualmte.

Schmidt hat mit seinem Laster offenbar auch Vorbildfunktion: Demonstranten, die sich gegen die Ausweitung des Rauchverbots in Nordrhein-Westfalen aussprachen, beriefen sich kürzlich auf den Altkanzler. Mit Schmidt-Masken und Glimmstängel im Mund protestierten die Raucher gegen das, was sie als Bevormundung durch die Politik bezeichnen.

Dass Schmidt in nächster Zeit als Role Model ausfällt, ist angesichts von ca. 35.000 Zigaretten im Keller nicht zu befürchten. (mit dpa)