Altstoffsammler verließ am Freitag den Bezirk / Oberhausener Unternehmen drohte die Räumung: "Prosero" mußte die Zelte abbrechen

MARZAHN Einen medienwirksamen Abtritt verschaffte sich am Freitag Jürgen Tenter von der Firma "Prosero Pfandsysteme", die seit Ende Dezember am Markt Alt-Marzahn Verpackungen, Dosen und Müll entgegennahm.Am Freitag sollte das "Prosero"-Gelände am Dorf Alt-Marzahn geräumt werden. Um der Ordnungsmacht zuvorzukommen, verließ die Firma das Gelände freiwillig. Nach fünf Wochen stillschweigenden Einverständnisses des Bezirks war am 18. Januar die Verfügung ergangen, daß das Unternehmen aus dem Bezirk verschwinden soll. Kein Wunder - die "Prosero" hatte die Fläche nur für einen Tag gemietet und war dann einfach stehengeblieben. Nach Oranienburg Seit dem 20. Dezember hatte das Unternehmen - wie zu DDR-Zeiten - sortierte Sekundärrohstoffe zurückgenommen und dafür Geld gezahlt. Vor allem Jugendliche hatten die Möglichkeit zum Taschengeld aufbessern genutzt. "Wir waren fast jeden Tag hier", berichtet der 15jährige Michael Muck. Für ihn und seinen Freund Ronny Roske (13) hat sich der Einsatz gelohnt: Sie haben zusammen über 200 Mark verdient. "Meine Mutter hat sogar mitgeholfen", freut sich Ronny.Zusammen mit ihnen und drei anderen Jungs wurde Jürgen Tenters Abgang aus Marzahn pressewirksam inszeniert. Mit einer überdimensionalen Postkarte und 200 Unterschriften an den Regierenden Bürgermeister protestierten Jugendliche und der "Prosero"-Sprecher gegen die Räumung.1 318 Sammler hat der ehemalige TV-Journalist und jetzige Firmensprecher Tenter in Marzahn gezählt. Die gesammelten Rohstoffe sind allerdings noch nicht weiterverarbeitet worden - sie sollen jetzt an die Recycling-Firmen gehen, die die "Prosero" unter Vertrag hat. Da es so gut läuft, will sich Tenter nur vorübergehend aus Marzahn zurückziehen. Ihm lägen Grundstücksangebote aus der privaten Wirtschaft vor, wo er sich niederlassen könnte. Vorerst zieht die Sammelstelle nach Oranienburg. Doppelt geschröpft Als Resümee der letzten Wochen kann Tenter auf jeden Fall verbuchen, daß er mächtigen Wirbel um sein Oberhausener Unternehmen entfacht hat - zum Beispiel mit den Vorwürfen, das Duale System habe Abrechnungen gefälscht, um die Einführung eines Pfandes auf Verpackungen zu verhindern.6 430 Mark hat Tenter aus seinem 25 000-Mark-Budget insgesamt an die sammelwütigen Marzahner gezahlt, auch wenn er "gern auch noch die anderen 18 500 Mark hier losgeworden wäre", wie er sagt. Das Geld, das er auszahlte, stammt von mittelständischen Wirtschaftsunternehmen, die das Pfandsystem als Alternative zum Dualen System durchsetzen wollen. Die hohen Gebühren für den "Grünen Punkt" seien schuld am Niedergang vieler Mittelständler, argumentiert Tenter. Auch der Verbraucher werde doppelt geschröpft. Bei Kleinverpackungen müsse man doppelt zahlen: Einmal für die auf den Preis umgelegten "Grüner Punkt"-Gebühren und ein zweites Mal für die Reinigungsfirmen, die diese Verpackungen von der Straße räumen, da sich ja doch kein Mensch die Mühe mache, sie getrennt zu sammeln. +++