Die Hamburger "River Kasematten" haben einiges mitgemacht. 1865 als Markttunnel erbaut, dienten sie im Zweiten Weltkrieg als Bunker. Bis in die 70er Jahre waren sie Heimat eines legendären Jazz-Clubs, den regelmäßig die Elbe überflutete. Schließlich eine Spekulationsruine. Nun ist in den restaurierten Gewölben am Ende des Fischmarkts ein Edel-Restaurant untergebracht. Ein Ort also, dem das Leben oft hart, aber selten fair mitgespielt hat. Doch deshalb wurden sie nicht ausgesucht, um darin für Frank Plasbergs Talkshow "Hart aber fair" zu trommeln.Der wahre Grund ist pragmatischer: In Hamburg sitzen die meisten großen TV-Zeitschriften. Da deren Redaktionsschluss oft Wochen vor dem tatsächlichen Erscheinen liegt, wollte "Das Erste" schon jetzt Futter liefern. "Wir machen heute etwas Besonderes", kündigte ARD-Pressesprecher Lars Jacob an, "wir stellen ihnen eine Sendung vor, die schon auf Sendung ist."Das klingt eigentlich unfassbar uninteressant. Aber natürlich wollten alle anwesenden Journalisten wissen, wie sich Frank Plasberg hält. Schließlich galt der 50-Jährige nach Günther Jauchs Absage lange Zeit als Top-Favorit für die Nachfolge von Sabine Christiansen, bevor sich die ARD-Intendanten dann doch für Anne Will entschieden. Als Entschädigung rutscht Plasbergs Polit-Talk vom 24. Oktober an vom Dritten Programm des WDR ins Erste, mittwochs um 21.45 Uhr.Vor diesem Hintergrund macht Plasberg das einzig Richtige: Er bleibt er selbst - smart, gradlinig und wissend, dass es am Besten ist, wenn er selbst die Witze über sich macht. So kommentierte er den neuen Sendeplatz: "Bei allem Respekt vor der ARD, aber mir wird zur Geburt eines Kindes gratuliert, das schon die Mittlere Reife hat." So die Konkurrenz zu Anne Will: "Es gibt eine klare Aufgabenteilung, am Sonntag kommt der politische Salon, am Mittwoch die etwas schwerere journalistische Sendung. Deren Moderator dafür nicht halb so gut aussieht." Und so beantwortete er die Frage, ob er sich jetzt verstärkt unter Druck gesetzt fühle: "Wenn man Quote und Qualität vereinigt, können sie machen, was sie wollen. Im Übrigen bin ich vor jeder Sendung nervös, habe eiskalte Hände.""Hart aber fair" hat in den sechs Jahren seiner WDR-Geschichte tatsächlich das seltene Kunststück geschafft, Quote mit Qualität zu machen. Was an Plasberg liegt, der nicht neben seinen Gästen sitzt, sondern ihnen wie im Ring gegenüber steht. Der nicht nur fragt, sondern nachfragt, fundiert und bissig. Und sich nicht schämt, vor einem weiblichen Gast auch mal nieder zu knien, wenn er dessen Alter falsch genannt hatte. Rund vier Millionen Zuschauer schalten regelmäßig ein, weit mehr als im WDR-Durchschnitt. Der Deutschen Fernsehpreis, der Hanns-Joachim-Friedrichs-Preis, der Grimme-Preis - all diese Auszeichnungen stehen bei "Hart aber fair" in der Redaktion.Die ARD-Fassung wird sich daher von der WDR-Version kaum unterscheiden, sieht man davon ab, dass die Sendelänge von 90 auf 75 Minuten reduziert wird. "Und dass ich", sagt Plasberg, "mittwochs später ins Bett komme." Das Konzept aber bleibt: Die, die Politik machen, treffen bei "Hart aber fair" auf die, die sie ertragen müssen.Für den Fall, dass seine Fragetechnik stärker als bisher schon von Maybrit Illner oder Anne Will übernommen wird, hat Plasberg übrigens auch schon einen Plan. "Dann bringe ich meine weibliche Ader zum Tragen. Und die sollte man nicht unterschätzen."------------------------------Foto: Frank Plasberg will auch im Ersten hart, aber fair bleiben, neuerdings vor blauem Hintergrund.