Am Alexanderplatz reißen sie den Damm auf..." - mit diesen Worten beginnt an der Fassade des Bundesumweltministeriums ein Zitat aus dem Roman "Berlin Alexanderplatz" von Alfred Döblin. Die Buchstaben sind zwar schon ziemlich verblasst, zutreffend ist der Satz aber auch heute noch: Statt einer Untergrundbahn, die Döblin im Jahr 1929 beschrieb, entsteht jetzt unmittelbar vor dem Hotel Park Inn eine dreigeschossige Tiefgarage. Und die Alexanderstraße darüber wird vom Senat zwischen der Karl-Liebknecht- und der Otto-Braun-Straße neu gebaut. Nach vielen Verzögerungen steht jetzt fest, ab wann Autos in der unterirdischen Garage parken können: "Wir werden am 26. November eröffnen", sagt Thomas Grüttner, Geschäftsführer von Q-Park Deutschland, dem künftigen Betreiber der Tiefgarage.700 unterirdische ParkplätzeMehr als drei Jahre lang haben Bagger, riesige Bohrmaschinen, Betonmischer und große Sandberge das Geschehen vor dem Hotel bestimmt. Jetzt ist die Baugrube geschlossen, und es geht dort nicht mehr ganz so laut zu. Die ersten Bordsteine sind schon verlegt, und anhand der langen Granitreihen kann man die Dimensionen der künftigen Alexanderstraße erkennen. Projektleiter Stefan Richtsfeld vom Münchener Unternehmen Wöhr + Bauer, das die Tiefgarage errichtet, wirkt deshalb trotz des Zeitverzugs entspannt. Denn das Bauwerk, in dem einmal rund 700 Autos abgestellt werden können, ist seit dem Sommer im Rohbau fertig. Derzeit werden die Lüftungsanlagen installiert, ebenso Elektroanlagen sowie die Beleuchtung. Auch an den drei Aufzügen und den sechs Treppenhäusern für die Fußgänger, die zu den Gehwegen der neuen Alexanderstraße führen, wird noch gearbeitet. Insgesamt 25 Millionen Euro kostet der Bau.Allerdings wird er ein Jahr später fertig als ursprünglich geplant. "Wir hatten nicht gedacht, dass der Untergrund so viele Überraschungen für uns bereit hält", sagt Richtsfeld. So wurden unter dem Beton eines ehemaligen DDR-Parkplatzes die Kellerreste alter Häuser gefunden - der Boden musste monatelang enttrümmert werden. Zu weiteren Verzögerungen haben archäologische Grabungen geführt.Die Autos können künftig über zwei lange Rampen, die sich im zwölf Meter breiten Mittelstreifen der Alexanderstraße befinden, in die Tiefgarage hineinfahren. Dabei ist es egal, ob sie aus Richtung Karl-Liebknecht- oder Otto-Braun-Straße kommen. Einfach links einordnen und runterfahren. Soweit jedenfalls die Theorie. Denn der Senat schafft es aufgrund der Bauverzögerungen nicht mehr, die Straßen bis zur Eröffnung der Tiefgarage komplett herzurichten. Die Zufahrten werden daher mindestens für ein halbes Jahr lediglich provisorischen Charakter haben. "Bis zur Eröffnung werden wir nur die südliche Fahrbahn am Hotel fertigstellen", sagt Mathias Gille, Sprecher von Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD).Autos aus Richtung Karl-Marx-Allee müssen also weiter auf der bisherigen Umleitungsstrecke vor dem Umweltministerium fahren und werden erst kurz vor der Kreuzung mit der Karl-Liebknecht-Straße auf die neue Alexanderstraße einbiegen. An dieser Stelle ist auch die Einfahrt in die Tiefgarage möglich. Wie Gille sagt, werde die Alexanderstraße, die von 100 auf 58 Meter verengt wird, erst im Herbst 2011 fertig sein. Die Zeit bis dahin wird noch gebraucht, um unter den künftigen Gehwegen Leitungen zu verlegen sowie die nördliche Fahrbahn herzustellen. Trotz der Provisorien geht Q-Park Deutschland davon aus, dass die Zufahrt zur Tiefgarage von Anfang an problemlos funktioniert und auch die Hinweisschilder stehen werden, sagt Thomas Grüttner.Die Tiefgarage ist Teil des Senatskonzeptes für den Alexanderplatz, der nach dem Entwurf von Architekt Hans Kollhoff neu gestaltet werden soll. Die Investoren können am Platz bis zu 30 Meter hohe Geschäftshäuser errichten, dahinter sollen zehn jeweils 150 Meter hohe Türme stehen. Derzeit gibt es für diese Planungen aber weder Investoren noch Interessenten. Nach dem Konzept wurden bereits die Galeria Kaufhof erweitert und das Geschäftshaus "Die Mitte" (Saturn) errichtet. Wie es sich der Senat wünscht, sollen nun mit der Fertigstellung der Tiefgarage die parkenden Autos von den Straßen verschwinden, sie werden unter die Erde verbannt. Laut Gille stehen an der Alexanderstraße je Richtung drei Fahrspuren sowie ein knapp zwei Meter breiter Radweg zur Verfügung. Fast zehn Millionen Euro kostet der Neubau, er wird von den Investoren am Alexanderplatz bezahlt. Für Mittes Baustadtrat Ephraim Gothe (SPD) hat die Tiefgarage eine große Bedeutung: "Vor allem für Touristen steigt die Aufenthaltsqualität jetzt auch auf der Rückseite des Alexanderplatzes."------------------------------Nur Taxis und Reisebusse dürfen oben bleibenDie Tiefgarage am Alexanderplatz in Mitte wird vom Münchener Unternehmen Wöhr + Bauer errichtet, Betreiber ist Q-Park Deutschland. Beide haben schon beim Bau der Tiefgarage unter dem Bebelplatz zusammengearbeitet.Baubeginn für die unterirdische Garage, die über 200 Meter lang und gut 30 Meter breit ist, war im September 2007. Auf drei Parkdecks ist Platz für 700 Fahrzeuge. Als Fertigstellungstermin wurde zunächst Ende 2009 genannt. Der Termin wurde mehrfach korrigiert, zeitweise war sogar eine Eröffnung Anfang 2011 im Gespräch.Zu den Verzögerungen beim Bau haben unter anderem archäologische Grabungen geführt. Entdeckt wurden zum Beispiel 80 Gräber des einstigen Georgenfriedhofs, der im Jahr 1713 angelegt worden war. Der Friedhof war Wöhr + Bauer nach eigener Aussage nicht bekannt. Auch habe das Unternehmen nichts von einer preußischen Exerzierhalle von 1769 gewusst, deren Fundamentreste ebenfalls von den Archäologen freigelegt wurden.Die Alexanderstraße kann aufgrund der Bauverzögerungen nur teilweise fertiggebaut werden. Vorübergehend wird eine provisorische Verkehrsführung eingerichtet, die vom endgültigen Zustand der Alexanderstraße (siehe Karte) abweicht. So stellt der Senat bis Ende November lediglich die südliche Fahrbahn vor dem Hotel Park Inn her. Dort gibt es in Richtung Otto-Braun-Straße eine Fahrspur sowie einen Radfahrstreifen. Ein- und Ausfahrt der Tiefgarage sind erreichbar. Damit der künftige Gehweg am Hotel gebaut werden kann, wird für Fußgänger ein provisorischer Gehweg auf der Fahrbahn geschaffen.Die nördliche Fahrbahn soll erst im Juni 2011 in Betrieb gehen. Autos werden bis dahin über die bisherige Umleitungsstrecke am Bundesumweltministerium geführt. Lediglich die Kreuzungen an der Karl-Liebknecht-Straße und an der Otto-Braun-Straße werden vom Senat schon bis zum November fertiggestellt. Endgültige Markierungsarbeiten können aber erst im kommenden Jahr stattfinden.Geöffnet wird die neue Tiefgarage rund um die Uhr sein. Am 26. und 27. November will Q-Park zur Eröffnung kostenfreies Parken anbieten. Die Parkgebühren betragen ansonsten zwei Euro pro Stunde. Sie orientieren sich damit an den Gebühren rings um den Alexanderplatz. Dort muss man an einigen Straßen drei Euro pro Stunde zahlen.Parkplätze für Autos wird es an der neuen Alexanderstraße nicht mehr geben. Vorgesehen sind lediglich Halte- und Parkplätze für Taxis und Reisebusse.------------------------------Grafik: Die neue AlexanderstraßeFoto: Sandloch mit Bordsteinen: Die Baugrube über der Tiefgarage ist geschlossen, die neuen Fahrbahnen der Alexanderstraße müssen aber noch gebaut werden.